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Politik

Gedenken an getötete Journalisten

1913 Namen stehen auf der Tafel im Washingtoner Nachrichtenmuseum "Newseum" - Namen der Journalisten, die den Beruf mit ihrem Leben bezahlt haben. Jedes Jahr kommen neue Namen hinzu. Jetzt auch die zweier DW-Kollegen.

Fotos mit den Biografien von Karen Fischer und Christian Struwe an der Gedenktafel im Newseum (Foto: DW)

Gedenktafel für Karen Fischer und Christian Struwe

"In 2006, in Afghanistan: Karen Fischer, Christian Struwe." Chris Wells, Vizepräsidentin des Freedom Forums im Newseum, verliest die Namen der beiden freien Mitarbeiter der Deutschen Welle, die sich im Oktober 2006 im Norden Afghanistans auf Recherchereise befanden. Die 30-jährige Journalistin und der 38-jährige Techniker wurden nachts vor ihrem Zelt erschossen. Das Motiv ist nach wie vor nicht bekannt, die Täter sind flüchtig.

Afghanistan, Kambodscha, Mexiko...

Mit ihnen wurden am Montag (30.03.2009) noch 75 weitere Journalistinnen und Journalisten aus der ganzen Welt geehrt, die für ihren Beruf ihr Leben gegeben haben: Carsten Thomassen aus Norwegen zum Beispiel, der ebenfalls in Afghanistan ums Leben kam, als Terroristen ein Hotel stürmten. Khem Sambo aus Kambodscha, der zusammen mit seinem Sohn auf einem Motorrad erschossen wurde. Der Zeitungsjournalist hatte immer wieder über Korruption in der Regierung berichtet. Oder der Mexikaner Armando Rodriguez, der in seinem Auto erschossen wurde, als er seine Tochter zur Schule bringen wollte. Er hatte zehn Jahre lang über die Gewalt in der Grenzstadt Juarez berichtet.

Information unentbehrlich für Demokratie

Eines verbindet die Schicksale dieser Journalisten: "Es ist eine Gemeinschaft, die sich durch ihr Engagement, ihren Mut und schließlich durch ihr Opfer auszeichnet", sagt Chris Wells.

Inschrift auf der Gedenktafel: 2006 in Afghanistan Karen Fischer, Christian Struwe, Deutsche Welle (Foto: DW)

Die beiden Journalisten der Deutschen Welle wurden 2006 in Afghanistan erschossen

Alberto Ibargüen, Präsident des Newseum, hob bei der Gedenkveranstaltung die Bedeutung der Arbeit der Journalisten hervor. "Verlässliche, veröffentlichte Information, das Produkt guten Journalismus, ist unentbehrlich für die Gemeinschaft und für eine Demokratie. Die Menschen, die wir heute ehren, haben ihr Leben im wahrsten Sinne des Wortes gegeben, damit wir das unsere besser bewältigen können", sagt Ibargüen. Dabei spiele es keine Rolle, ob sie ermordet wurden worden oder durch einen Unfall ums Leben gekommen seien. "Sie starben, damit andere die Geschichten erfahren, die für ihre Leben wichtig sind. Sie starben im Dienste der Wahrheit."

Viele Familienmitglieder der ermordeten Journalisten waren angereist, um bei der Gedenkveranstaltung dabei zu sein. Sie legten gelbe Rosen vor die Bilder der Toten, die zusätzlich zu der gläsernen Wand im Gedenkraum zu einem großen Mosaik zusammengefügt werden. Ihre Namen und Geschichten sind auch über Computermonitore abrufbar.

Engagierte Journalistin

Professorin Laurel Leff vor der Gedenktafel im Newseum (Foto: DW)

Laurel Leff hat Karen Fischer als mutige, engagierte Journalistin kennengelernt

Die Professorin Laurel Leff von der Northeastern Universität Boston ist nach Washington gekommen, um Karen Fischers Andenken zu ehren. Fischer hatte bei ihr von 1998 bis 2000 Journalistik studiert. Karen, sagt Leff, sei eine hervorragende, engagierte und mutige Journalistin gewesen, die ihr auch später noch bei Recherchen geholfen habe. "Wenn es galt, etwas herauszufinden, dann hat sie sich auf den Weg gemacht und es herausgefunden", erzählt Leff. "Dabei war es egal, ob sie sich in einen Zug nach Nürnberg setzen musste oder in ein Flugzeug nach Kabul oder Beirut. Sie war einfach bereit, das zu tun."

Die zierliche Frau muss mit den Tränen kämpfen, als sie von Karen Fischer erzählt. Leff ist wichtig, dass Karen und ihr Freund Christian Struwe nicht vergessen werden. Dabei geht es ihr um mehr als das Andenken in den Familien, bei Freunden und Kollegen. "Nicht nur die, die sie lieben, sollen sich ihrer erinnern", fordert Leff. "Ihrem journalistischen Engagement soll auch offiziell gedacht werden. Dieses Denkmal hilft dabei."

Autorin: Christina Bergmann
Redaktion: Anna Kuhn-Osius

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