1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Deutschland

Gedenken an entscheidende Montagsdemonstration in Leipzig

Heute vor 25 Jahren demonstrierten rund 70.000 Menschen in Leipzig gegen das SED-Regime. Einen Monat später fiel die Mauer. Mit einem Festakt gedachte die Stadt der friedlichen Revolution.

Video ansehen 01:37

Gedenken an friedliche Revolution

Bei dem Festakt im Leipziger Gewandhaus hat Bundespräsident Joachim Gauck die friedliche Revolution vor 25 Jahren gewürdigt und an des Unrecht in der DDR erinnert. Dort habe ein Klima der Angst und Ohnmacht geherrscht. "Die DDR war ein Unrechtsstaat, es gab keine unabhängige Gerichtsbarkeit", sagte Gauck. "Willkür regierte das Land."

Freiheit verteidigen

Der Bundespräsident rief dazu auf, die von DDR-Bürgern erkämpfte Freiheit und Demokratie im ganzen Land zu verteidigen. "Wir würden den alten Ruf 'Wir sind das Volk' nur halb verstehen, vielleicht gar entwerten, wären wir der Meinung, er hätte nur für die Zeit der friedlichen Revolution gegolten", sagte Gauck in seiner "Rede zur Demokratie".

Vor 25 Jahren, am 9. Oktober 1989, protestierten in Leipzig rund 70.000 Menschen gegen das SED-Regime. Die Demonstration gilt als Wendepunkt auf dem Weg Ostdeutschlands zur Demokratie. Trotz der vorherigen Mobilmachung von Volkspolizei und Militär blieb die bis dahin größte Demonstration nach dem traditionellen Friedensgebet friedlich. Sie gilt heute als Wendepunkt innerhalb der friedlichen Revolution. Einen Monat später, am 9. November 1989, fiel die Mauer.

Bundespräsident ruft zu Engagement auf

Auch die Demokratie kenne Ohnmacht, wenn der Einzelne nicht mitrede, mitgestalte, zur Wahl gehe, sagte Gauck. Der Bundespräsident rief dazu auf, sich zu engagieren, etwa in Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Vereinen oder der Nachbarschaftshilfe. "Wir dürfen niemals vergessen, dass unsere Demokratie nicht nur bedroht ist durch Ideologen und Extremisten, sondern dass sie ausgehöhlt werden und ausdörren kann, wenn die Bürger sie nicht mit Leben erfüllen", sagte er und ergänzte: "Wer nur abseits steht und sich heraushält, wird zum beherrschten Objekt."

Gauck sagte, es freue ihn, dass die überwältigende Mehrheit der Deutschen die Wiedervereinigung positiv bewerte. Die deutsch-deutschen Spannungen seien erkennbar zurückgegangen. "Die Nation wächst zusammen. Die Einheit gelingt", sagte das Staatsoberhaupt.

Würdigung von Bürgerrechtlern

Gauck, der als Pfarrer in Rostock vor 25 Jahren selbst in der DDR-Opposition engagiert war, würdigte in seiner Festrede damalige Bürgerrechtler wie Christian Führer, Rainer Eppelmann, Ulrike Poppe und Roland Jahn. Gleichzeitig erinnerte er an diejenigen, die die DDR im Herbst 1989 verließen oder ausreisen wollten. Viele hätten deren Freiheitswillen damals nicht zu würdigen vermocht, "auch ich nicht", räumte Gauck ein. "Erst später haben wir begriffen, welch große politische Bedeutung auch sie für die Delegitimierung der DDR besaßen", sagte er.

An dem Festakt nahmen auch die Staatspräsidenten Tschechiens, der Slowakei, Polens und Ungarns sowie die ehemaligen US-Außenminister James Baker und Henry Kissinger teil. Nach Eintragungen ins Goldene Buch der Stadt kamen alle zu einem Friedensgebet in der Nikolaikirche zusammen.

cr/wa (dpa, epd)

Audio und Video zum Thema