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Kultur

Gedenken an den "Prediger von Buchenwald"

Wegen seines kompromisslosen Glaubens ermorderten ihn die Nationalsozialisten. Für Christen wurde der evangelische Pfarrer Paul Schneider so zum Vorbild.

Gedenkstätte Buchenwald

Reiner Zynismus - Spruch am Tor des Konzentrationslagers

"Prediger von Buchenwald" nannten ihn die Mitgefangenen im gleichnamigen Konzentrationslager. Regelmäßig bezeugte Schneider seinen Glauben, hielt Predigten, kümmerte sich um andere Häftlinge und prangerte Folter und Mord der Nazis an. Während der anschließenden 15 Monate dauernden verschärften Einzelhaft im berüchtigten "Bunker" des Konzentrationslagers bei Weimar wurde er schwer misshandelt und gefoltert. Das änderte jedoch nichts an seiner Grundüberzeugung, die sich für ihn in einem Bibelvers manifestierte: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen." Deshalb rief er seinen Leidensgenossen auf dem Appellplatz noch aus dem Fenster seiner Zelle immer wieder Trost spendende Worte und Bibelzitate zu.

Gegen die Nazi-Ideologie

Pfarrer Paul Schneider Briefmarke 1989

Eine Briefmarke erinnerte 1989 an Paul Schneider

Paul Schneider gehörte zur sogenannten Bekennenden Kirche. Diese evangelische Bewegung trat seit 1934 dem Machtanspruch des Nationalsozialismus und den Regime treuen "Deutschen Christen" entgegen. Die Bekennende Kirche wandte sich vor allem gegen die Verfälschung der christlichen Lehre und gegen die Unterdrückung der Kirche durch den NS-Staat.

Schneiders Überzeugungen brachten ihn schon im alltäglichen Pfarrdienst immer wieder in Konflikte mit Vertretern der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei), aber auch mit der NS-linientreuen rheinischen Kirchenleitung. Zuerst in einer mittelhessischen Gemeinde tätig, versetzte ihn die Kirchenleitung in den Hunsrück. Doch auch dort hatte der bedingungslose Christ rasch Feinde - sowohl Partei-Funktionären, Gestapo (Geheime Staatspolizei) als auch kirchliche Gemeindeglieder, die sich in erster Linie dem Nationalsozialistmus verpflichtet fühlten. Nach mehreren Inhaftierungen wurde der Vater von sechs Kindern schließlich im November 1937 in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt.

Lagerhaft und Folter

Dort musste er zunächst Zwangsarbeit in einem Steinbruch leisten. Einen weitaus dramatischeren Verlauf nahm seine Haft ab dem 20. April 1938. Paul Schneider weigerte sich, beim Häftlings-Appell zum Geburtstag Adolf Hitlers mit dem Abnehmen der Kopfbedeckung die Hakenkreuzfahne zu grüßen. Der Beginn der verschärften Einzelhaft. Am 18. Juli 1939, noch bevor der Zweite Weltkrieg entfesselt wurde, verstummte der "Prediger von Buchenwald". Nach Folter und Misshandlung tötete der Lagerarzt den Unbeugsamen 41-jährigen Pfarrer mit der Überdosis eines Medikaments.

Pfarrer Paul Schneider Zelle im KZ Buchenwald

Die Einzelzelle, in der Schneider 15 Monate verbrachte

Vorbild für viele

Mit Paul Schneider wurde eines der ersten Mitglieder der Bekennenden Kirche von den Nationalsozialisten ermordet. Für den berühmten evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, knapp sechs Jahre später von den Nazis hingerichtet, war Paul Schneider der erste evangelische Märtyrer. Und Papst Johannes Paul II. (1920-2005) würdigte ihn im Jahr 2000 stellvertretend für alle Protestanten, die ihren Glauben mit dem Leben bezahlten, als einen "Blutzeugen des 20. Jahrhunderts".

Große Teile der an ihm schuldig gewordenen evangelische Kirche erwachten erst nach Jahrzehnten aus einem Schlaf des Vergessens - ehren den Widerständler aus tiefer christlicher Überzeugung inzwischen aber in einer angemessen Art und Weise.