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Deutschland

Gedenken an den Mauerbau

Deutschland erinnert sich an den Beginn des Baus der Berliner Mauer am 13. August 1961. Vertreter aus Politik und Gesellschaft warnen davor, die Folgen der deutschen Teilung zu vergessen.

Archivfoto aus dem Jahr 1962: Soldat beobachtet Arbeiter beim Mauerbau (Foto: AP)

Das Gedenken an den Bau der Berliner Mauer vor 49 Jahren schärfe die Sinne "für den Wert von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat", erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei einer zentralen Gedenkstunde in der 'Kapelle der Versöhnung' auf dem ehemaligen Todesstreifen. Es sei immer wieder wichtig, gegen autoritäre Regime und Diktaturen eindeutig Partei zu ergreifen. "Wir denken an die Menschen, die an der Mauer ums Leben gekommen sind, und wir gedenken all jener, die unter uns leben und bis heute an den physischen und psychischen Folgen der Gewalt leiden", sagte Wowereit in Berlin.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Arnold Vaatz, forderte, allen Versuchen einer Verharmlosung des DDR-Unrechts entgegenzutreten. "Das sind wir den Todesopfern an der Mauer schuldig", erklärte der früherer DDR-Oppositionelle. Mit dem Beginn des Mauerbaus sei für jeden offenkundig geworden, dass die DDR auf ungerechtfertigter staatlicher Gewaltanwendung gründete und "die SED zur Sicherung ihrer Macht über die Leichen Unschuldiger ging", so Vaatz.

Erinnerung an Maueropfer Chris Gueffroy

Über die genaue Zahl der Opfer des DDR-Grenzregimes herrscht auch fast 20 Jahre nach der Wiedervereinigung weiterhin Unklarheit. Die 'Zentrale Ermittlungsstelle Regierungs- und Vereinigungskriminalität' in Salzgitter spricht von insgesamt 872 Opfern an der innerdeutschen Grenze und an der Berliner Mauer. Laut 'Gedenkstätte Berliner Mauer' kamen allein 136 Menschen auf der Flucht von Ost- nach West-Berlin um.

Portrait des vermutlich letzten Maueropfers Chris Gueffroy (Foto: ullstein bild)

Chris Gueffroy

Im Anschluss an die zentrale Berliner Gedenkveranstaltung in der 'Kapelle der Versöhnung' gab es eine Kranzniederlegung am Denkmal für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft. Im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick wurde eine Straße nach dem Maueropfer Chris Gueffroy umbenannt. Der 20-Jährige wurde in der Nacht zum 6. Februar 1989 als vermutlich letzter DDR-Bürger bei einem Fluchtversuch nach West-Berlin erschossen.

Die drei wichtigsten Tage der DDR-Geschichte

Auch in Potsdam wurde mit mehreren Gedenkveranstaltungen an den Mauerbau erinnert, darunter an der Glienicker Brücke und an den letzten erhaltenen Originalstücken der innerdeutschen Grenze in Potsdam am Griebnitzsee. Pfarrer Rainer Eppelmann, der Vorsitzende der 'Stiftung Aufarbeitung', nannte neben dem 13. August 1961 auch den 17. Juni 1953 und den 9. Oktober 1989 als herausragende Daten der DDR-Geschichte.

Das seien die drei Tage, über die "jeder Schüler in Deutschland Bescheid wissen sollte". Der niedergeschlagene Volksaufstand und der Mauerbau seien die beiden "traumatischen Ereignisse" der zweiten Diktatur in Deutschland. Am 9. Oktober 1989 hätten dagegen die Ostdeutschen ihre Angst verloren und seien in Massen auf die Straße gegangen, sagte Eppelmann.

Seine Stiftung hatte bereits am Donnerstag ihre neue Ausstellung "Die Mauer. Eine Grenze durch Deutschland" vorgestellt. Die Dokumentation soll im kommenden Jahr zum 50. Jahrestag des Mauerbaus vor allem in Schulen und öffentlichen Einrichtungen gezeigt werden.

Die Erinnerung wachhalten

Archiv: Junge vor einer Absperrung aus Stacheldraht mit einer Ausgabe des Extrablatts der Berliner Morgenpost, Schlagzeile: Ost-Berlin ist abgeriegelt (Foto: ullstein bildarchiv)

Berliner Junge 1961

Am größten ehemaligen innerdeutschen Grenzübergang Marienborn stellten 200 Schüler aus den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Niedersachsen ihre Projekte vor. Sie haben sich in Hörspielen, Ausstellungen und Zeitzeugengesprächen mit der deutschen Teilung auseinandergesetzt. Anschließend führten Jugendliche Gleichaltrige über das Gelände der 'Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn'.

Sachsen-Anhalts Kultusministerin Birgitta Wolff (CDU) mahnte die Kinder und Jugendlichen zur Wachsamkeit. "Die Message (Botschaft) dieses Ortes ist: Wenn ein Staat glaubt, es nötig zu haben, seine Bürger einzusperren, dann ist etwas faul." Die Kinder sollten aus den Erfahrungen der vergangenen Generationen lernen, kritisch sein und wenn nötig auf die Straße gehen oder sich anderweitig engagieren. Den Projekttag mit dem Titel "Aus der Vergangenheit für die Gegenwart lernen" soll es am historischen Grenzübergang künftig jährlich geben.

Autor: Tobias Oelmaier (mit dpa/apn/epd)
Redaktion: Sandra Petersmann

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