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Aktuell Europa

Gedenken an das Massaker in Norwegen

Fünf Jahre nach den Terroranschlägen in Norwegen kämpfen die Menschen immer noch mit der Aufarbeitung des Traumas. Die Hinterbliebenen der 77 überwiegend jungen Todesopfer leiden noch immer an den Folgen.

Norwegen Huldigung an die Opfer der Attacke in Utoya Foto: (c) picture-alliance/AP Photo/J. O. Nesvold

Norwegen gedenkt der Opfer des Attentates vor fünf Jahren

Es war der 22. Juni 2011, als der Rechtsextremist Anders Breivik in norwegischen Hauptstadt Oslo seine Taten begann. Im Regierungsviertel zündete er eine Bombe, acht Menschen starben. Den Lieferwagen mit dem Sprengstoff hatte der Attentäter vor dem Gebäude geparkt, in dem sich auch das Büro des damaligen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg befand. Gemeinsam mit vielen anderen Menschen stand der heutige NATO-Generalsekretär wieder vor diesem Hochhaus. "Menschen zu treffen, die den 22. Juli erlebt haben, und einander Trost zu spenden, das ist gut", sagte der Sozialdemokrat.

Norwegen Huldigung in Oslo an die Opfer der Attacke in Utoya Foto: (c) Reuters/NTB SCANPIX/A. Braastad

Trauergottesdienste im ganzen Land: Norwegen zeigt sich immer noch erschüttert

Jugendliche lasen die Namen der 77 Toten vor, deren Leben der Massenmörder an ausgelöscht hatte. "Es tut so weh, die Liste mit den Namen zu hören", sagte der Chef der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei (AUF),Mani Hussaini. "Es ist, als würde die Liste nie enden." Es waren vor allem Mitglieder der AUF, die ums Leben kamen, während sie ein Sommerlager auf der Insel Utøya besuchten. 69 Menschen erschoss Breivik dort, nachdem er von Oslo aus dort hingefahren war.

Kerzen in Herzform

"Die äußeren Spuren der Terroranschläge sind immer noch sichtbar, aber die schlimmsten Spuren haben die Anschläge in unserem Innern als Menschen hinterlassen", sagte die amtierende Ministerpräsidentin Erna Solberg bei der Gedenkzeremonie. Die Zeit heile nicht alle Wunden. In der Osloer Kathedrale fand im Anschluss ein Gottesdienst statt. Dort wurden 77 Kerzen in Herzform zum Gedenken an die Opfer entzündet.

Norwegen - Utoeya-Massaker - Kranzniederlegung von PM Erna Solberg, Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit Foto: alliance/dpa/V. Wivestad Groett

Auch Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit legten zum Gedenken an die Opfer Kränze nieder

Am Nachmittag gedachten Hinterbliebene der Opfer der Toten auf Utøya. Bei der Feier, die mit einer Schweigeminute begann, waren Ministerpräsidentin Solberg und Kronprinz Haakon dabei. Sie legten gemeinsam mit Angehörigen Kränze und rote Rosen nieder. Am Fähranleger vor dem Haupthaus der Insel lasen Jugendliche erneut die Namen der Getöteten vor. Auf der Insel erinnert ein Denkmal mit den Namen der Getöteten an die 69 Opfer. Außerdem ist rund um ein früheres Café-Gebäude, in dem Breivik 13 Menschen tötete, ein Schulungszentrum entstanden, das zum fünften Jahrestag der Anschläge eröffnet wurde. Dort sollen sich Jugendliche über die Geschehnisse des 22. Juli informieren und über Themen wie Extremismus diskutieren können.

"Das Vermissen ist spürbar"

"Viele von uns haben einen leeren Stuhl am Esstisch. Es gibt viele überlebende Jugendliche unter uns, die den größten Alptraum ihres Lebens erlebt haben", sagte Lisbeth Kristine Røyneland von der Selbsthilfegruppe der Hinterbliebenen, die ihre 18-jährige Tochter verlor. "Die Trauer und das Vermissen werden für uns noch spürbarer, weil die Gesellschaft um uns herum viel schneller nach vorne blickt, als wir Betroffenen dazu fähig sind." Nach Angaben der Selbsthilfegruppe können fast zwei Drittel der Mütter, die auf Utøya ein Kind verloren haben, noch nicht oder nur teilweise wieder arbeiten.

Breivik wurde ein Jahr nach den Anschlägen zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Als Motiv gab er an, Norwegen gegen den Islam und einen "Kulturmaxismus" verteidigen zu wollen.

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