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Aktuell Deutschland

Gedenken an Befreiung von KZ Dachau

Vor 70 Jahren wurde das Konzentrationslager Dachau befreit. Der denkwürdige Tag wurde genutzt, um eine Replik des gestohlenen Lagertors mit der zynischen Aufschrift "Arbeit macht frei" einzubauen.

Kardinal Reinhard Marx sagte bei einem Gedenkgottesdienst in Dachau, das Lager offenbare die "ungeschminkte Form des Grauens, das der Nationalsozialismus über die Welt gebracht hat". Gemeinsam mit anderen Konzentrationslagern sei Dachau das Konzentrat eines menschenmordenden Regimes.

Kardinal Reinhard Marx (Foto: DW)

Kardinal Reinhard Marx in Dachau

Den Gottesdienst in Dachau zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers nahe der bayerischen Landeshauptstadt feierte der Erzbischof von München und Freising gemeinsam mit Hunderten Pilgern, darunter vielen aus Polen. Mit 40.000 Inhaftierten stellten Polen die größte Gruppe der Gefangenen im KZ Dachau. Marx würdigte in seiner Predigt die deutsch-polnische Aussöhnung nach den Gräueln des Nazi-Regimes. "Wir danken Gott für das Geschenk der Versöhnung, das unsere Völker in den vergangenen Jahrzehnten empfangen haben."

"Arbeit macht frei"

Der Besuch der polnischen Pilger und der Einbau der Replik des Lagertors bildeten den Auftakt eines Gedenkwochenendes. Unbekannte hatten aus der KZ-Gedenkstätte im vergangenen November das Originaltor mit der zynischen Aufschrift "Arbeit macht frei" gestohlen. Vor allem den Überlebenden war es ein Anliegen, dass das Tor zum 70. Jahrestag wieder komplett ist.

Gedenkgottesdienst in der KZ-Gedenkstätte Dachau (Foto: DW)

Gedenkgottesdienst in der KZ-Gedenkstätte Dachau

US-Präsident Barack Obama erinnerte in einer schriftlichen Erklärung an die Befreiung Dachaus durch US-Truppen. "Dachau ist eine Lektion über die Evolution der Dunkelheit, wie ungehemmte Intoleranz und ungehemmter Hass außer Kontrolle geraten können", heißt es in dem Schreiben. Zum zentralen Gedenkakt am Sonntag werden 2000 Besucher erwartet, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und mehr als 100 Zeitzeugen aus Europa, den USA und Israel.

200.000 Häftlinge in 12 Jahren

Das Konzentrationslager Dachau wurde am 22. März 1933, knapp zwei Monate nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, errichtet und bestand als einziges Lager während der gesamten zwölf Jahre der NS-Herrschaft. Es diente als Modell für alle späteren NS-Konzentrationslager. Zu den Gefangenen zählten neben politischen Regimegegnern bald auch Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Menschen, die die Nationalsozialisten als "Asoziale" und "Kriminelle" verfolgten.

Im Lager Dachau waren rund 200.000 Menschen inhaftiert. Die Zahl der Todesopfer ist bis heute nicht ganz klar. Lagerunterlagen listen knapp 32.000 Tote auf. Historiker gehen aber davon aus, dass im Lager Dachau mehr als 40.000 Menschen starben.

US-Truppen befreiten am 29. April 1945 rund 32.000 Überlebende des Lagers. Auf Initiative von Überlebenden entstand 1965 die KZ-Gedenkstätte. Jährlich besuchen rund 800.000 Menschen aus der ganzen Welt diesen Ort.

qu/gri (dpa, afp, epd)

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