1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Asien

Gedenken an Armenier auch in der Türkei

Auch in der Türkei gibt es Gedenkfeiern und Kundgebungen zum 100. Jahrestag der Massaker an den Armeniern. Präsident Erdogan sprach den Nachfahren der Opfer sein Beileid aus.

"An diesem Tag, der für unsere armenischen Bürger eine besondere Bedeutung hat, gedenke ich aller osmanischen Armenier mit Respekt, die unter den Bedingungen des Ersten Weltkrieges ihr Leben verloren haben", erklärte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan. "Ich spreche ihren Kindern und Enkeln mein Beileid aus." Der Staatspräsident sprach im Zusammenhang mit den Massakern von "traurigen Ereignissen". Erdogans Erklärung wurde anlässlich eines Gedenkgottesdienstes in Istanbul veröffentlicht.

Erdogan: "Ich teile euren Schmerz"

"Ich möchte noch einmal zum Ausdruck bringen, dass ich euren Schmerz aufrichtig teile", hieß es in der Mitteilung weiter. "Ich möchte auch, dass Ihr wisst, dass die Tore unserer Herzen den Enkeln der osmanischen Armenier auf der ganzen Welt weit offen stehen."

Erdogan machte deutlich, dass sein Beileid nicht nur Armeniern gelte. "Mit Erbarmen und Respekt gedenke ich aller osmanischen Bürger gleich welcher ethnischen und religiösen Identität, die während dieses Krieges unter ähnlichen Bedingungen ihr Leben verloren haben."

Minister nimmt an Gedenkgottesdienst teil

Der Gedenkgottesdienst, mit dem an die getöteten Armenier erinnert wurde, fand im armenischen Patriarchat in Istanbul statt. Als erster türkischer Regierungsvertreter nahm EU-Minister Volkan Bozkir an einer derartigen Zeremonie teil.

Gedenkgottesdienst in Istanbul (Foto: AFP/Getty Images/Y. Akgul)

Gedenkgottesdienst im armenischen Patriarchat

In der Metropole Istanbul demonstrierten tausende Menschen für die Anerkennung der Gräueltaten an den Armeniern vor 100 Jahren im Osmanischen Reich als "Völkermord". Der Protestmarsch zog am Freitagabend durch die zentrale Einkaufsmeile Istiklal Caddesi. Er endete kurz vor dem Taksim-Platz, den die Polizei gegen Demonstranten abgeriegelt hatte. Teilnehmer des Marsches riefen "Wir sind alle Armenier". An der Spitze des Protestmarsches trugen Demonstranten ein Plakat mit der Aufschrift: "Der Völkermord dauert an." Die Istanbuler Polizei, die für ihr häufig brutales Auftreten gegen Demonstranten regelmäßig in der Kritik steht, hielt sich zurück. Die meisten Polizisten trugen keine Helme. Weder Wasserwerfer noch Tränengas kamen zum Einsatz.

Zuvor hatten in Istanbul rund 100 Nachfahren von Opfern und andere Sympathisanten der Toten gedacht. Sie gingen mit Bildern der am 24. April 1915 verhafteten Armenier zu den Häusern, aus denen diese damals abgeholt wurden, und legten Blumen nieder

Gedenkfeier zu m 100. Jahrestag des Beginns der Massaker an den Armeniern (Foto: AFP/Getty Images/Y. Akgul)

Die Kundgebungsteilnehmer trugen Bilder mit den am 24. April 2015 verhafteten Armeniern bei sich

Die türkische Regierung wehrt sich vehement gegen die Bezeichnung Völkermord für die Massaker an den Armeniern. Sie räumt aber ein, dass damals Unschuldige getötet wurden. Während nach armenischen Angaben 1,5 Millionen Menschen ums Leben kamen, geht die Türkei von deutlich weniger Opfern aus.

Erinnerung an Schlacht von Gallipoli

Indes verlegte die Regierung in Ankara das Gedenken an die legendäre Schlacht von Gallipoli vor 100 Jahren um einen Tag vor - und erinnert daran nun ebenfalls an diesem Freitag.

Gedenkstätte in Gallipoli (Foto: Reuters/O. Orsal)

Diese Gedenkstätte in Gallipoli erinnert an die Schlacht

Die Schlacht war eine der verlustreichsten des Ersten Weltkriegs, in dem die Türkei an der Seite des Deutschen Reiches kämpfte. Mit dem Ziel, die Kontrolle über den Seeweg zum Schwarzen Meer zu erlangen, landeten im April 1915 mehr als 250.000 Briten, Australier, Neuseeländer und Franzosen auf der Halbinsel Gallipoli nördlich der Dardanellen.

Die taktisch überlegene osmanische Armee schlug die Angreifer zurück. Bis zu 187.000 alliierte Soldaten wurden getötet oder verwundet, die Verluste der Osmanen wurden mit bis zu 360.000 Mann angegeben. Mustafa Kemal Pascha, osmanischer Kommandant auf Gallipoli, begründete später als Atatürk die Türkei als Republik.

gri/kle/wl (dpa, afp)

Die Redaktion empfiehlt