1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Musik

Geburtstag am Dirigentenpult

Er ist ein Stardirigent von Weltrang, hat sich im Wende-Herbst 1989 in Leipzig politisch engagiert und war sogar schon für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch: Kurt Masur wird 80.

Kurt Masur hebt den Daumen

Kurt Masur wird 80

Während andere ihren Geburtstag in aller Ruhe begehen, kennt Kurt Masur auch an diesem Tag nur eins: das Dirigentenpult. Am Mittwoch (18.7.), wenn er sein 80. Lebensjahr vollendet, ist es das in der Royal Albert Hall in London, wo Bruckners 7. Symphonie und Tschaikowskys Serenade für Streichorchester auf dem Programm stehen.

Erwartet werden bis zu 8000 Menschen aus allen Teilen der Erde, die den Stardirigenten Masur feiern wollen. Masur wird - einzigartig in der Musikgeschichte - das London Philharmonic Orchestra und das Orchestre National de France gemeinsam dirigieren.

Auf Umwegen zum Dirigieren

Zum Dirigieren kam der im schlesischen Brieg geborene Sohn eines Ingenieurs über Umwege. Masur, gelernter Elektriker, wollte eigentlich Konzertpianist werden. Eine Versteifung seiner Finger zerstörte diesen Traum. So ging er als Dirigent nach Halle, Erfurt, Dresden, Schwerin, Berlin, gastierte in mehreren europäischen Ländern und wurde 1970 Gewandhauskapellmeister in Leipzig.

26 Jahre stand Masur am Pult des Leipziger Orchesters und prägte dessen besonderen, dunklen Klang. Bei rund 1000 Konzerten stand er in Leipzig am Pult, 900 Konzerte dirigierte er bei Tourneen. 1981 erfüllten ihm die DDR-Oberen sogar den Traum eines neuen Gewandhauses.

Politiker wider Willen

Die Leipziger Sechs im Herbst 1989 an einem Podium, Archivfoto

1989: Masur (3. v.r.) mit den Unterzeichnern eines Aufrufs gegen Gewalt

Im Wende-Herbst 1989 wurde Kurt Masur zum Politiker wider Willen. In den Wirren der Montagsdemonstration vom 9. Oktober gehörte er zu den Unterzeichnern eines Aufrufs zur Gewaltlosigkeit und öffnete das Gewandhaus für Diskussionen.

Als Held sieht sich der hoch gewachsene Maestro mit schlohweißem Haar und Bart aber nicht: "Ich war nur einer von denen, die ihre Angst überwunden haben." In Anerkennung seiner Verdienste wurde er Ehrenbürger der Stadt Leipzig, später war er sogar als möglicher Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch.

"Mein Motor ist die Musik"

Blick über die Publikumsreihen auf die Bühne im Palast der Republik, Quelle: dpa

1976: Masur mit dem Gewandhausorchesters im Palast der Republik

Masur blieb dennoch der Musik treu. Als Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra (1991-2002) errang er große Erfolge. Heute ist Masur Chef des Orchestre National de France und Präsident der 2003 gegründeten Internationalen Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung.

Trotz des hohen Alters tourt der Maestro neun Monate im Jahr um die Welt. Eigentlich, gibt der Dirigent zu, würde er am Mittwoch doch viel lieber im Stillen feiern, nur mit seiner japanischen Ehefrau Tomoko und den Kindern. Aber ans Aufhören denkt er auch mit 80 Jahren nicht. "Mein Motor ist die Musik. Soll ich etwa aufhören und auf den Tod warten? Das würde Dinge erzeugen, die für einen gläubigen Christen wie mich eine Sünde wären."