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Aktuell Nahost

Geburtskirche wird Weltkulturerbe

Gegen den Widerstand Israels hat die UN-Kulturorganisation Unesco die Geburtskirche in Bethlehem auf die Liste des Weltkulturerbes genommen. Es ist der erste Weltkulturerbe-Titel für die Palästinenser.

Geburtskirche Bethlehem (Foto: AP Photo/Nasser Shiyoukhi, File)

Geburtskirche Bethlehem

Die Unesco hat die Geburtskirche Jesu Christi und den Pilgerweg in Bethlehem in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Das Weltkulturerbe-Komitee der UN-Kulturorganisation stimmte im russischen St. Petersburg mehrheitlich und überraschend für den Antrag der Palästinenser.

Damit erhalten die Palästinenser acht Monate nach ihrer umstrittenen Aufnahme als Vollmitglied in die Unesco erstmals einen der begehrten Weltkulturerbe-Titel. Die Entscheidung fiel mit 13 Ja- und sechs Neinstimmen bei zwei Enthaltungen.

Zweierlei Deutung

Die Palästinenser begrüßten das Votum umgehend. Dem palästinensischen Volk sei damit sein "Recht auf kulturelle Selbstbestimmung" gegeben worden, so der palästinensische Unesco-Delegierte. Sajeb Erakat, der palästinensische Unterhändler im Nahost-Friedensprozess, sprach von einem "historischen Tag". Die Entscheidung sei ein "weiterer Schritt auf dem Weg zur internationalen Anerkennung eines Palästinenserstaates in den Grenzen von 1967" mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Israel wertete das Votum des Weltkulturerbe-Komitees dagegen als "politische Entscheidung". Die israelische Regierung hatte das Dringlichkeitsverfahren kritisiert, weil damit suggeriert werde, dass Israel die heilige Stätte nicht schütze. Israel und die USA hatten schon vergangenes Jahr heftigen Widerstand gegen die Aufnahme eines palästinensischen Staates als Vollmitglied in die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur geleistet.

Kirche vor dem Verfall?

Die Palästinenser hatten einen Dringlichkeitsantrag gestellt, die Geburtskirche als Weltkulturerbe anzuerkennen. Zur Begründung hieß es, das Bauwerk zerfalle und sei seit rund 50 Jahren nicht mehr restauriert worden. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos) hatte allerdings in einem Gutachten bestritten, dass eine schnelle Entscheidung nötig ist.

Die Geburtskirche gilt als eines der ältesten Gotteshäuser des Christentums. Sie wurde im vierten Jahrhundert unter dem römischen Kaiser Konstantin errichtet. Beim Samaritaneraufstand von 529 wurde sie jedoch stark beschädigt, so dass sie der römische Kaiser Justinian I. im 6. Jahrhundert neu erbauen ließ. Religiösen Überlieferungen wurde in der Grotte unter der Kirche Jesus geboren.

det/gd (afp, dpa)