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Politik

Gebt mir eure Eliten

Die US-Regierung setzt konsequent auf Einwanderung - solange sie sich ihre Immigranten selbst aussuchen darf.

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Freiheitsstatue in New York

"Give me your tired, your poor, your huddled masses yearning to breathe free." "Gib mir deine müden, deine armen, deine niedergedrückten Massen, die sich danach sehnen, frei zu atmen." Seit 1883 prangen diese Zeilen von Emma Lazarus auf dem Sockel der New Yorker Freiheitsstatue. Für Millionen von Einwanderern wurden sie zum ersten Willkommensgruß ihrer neuen Heimat.

Die Verheißung auf eine bessere Zukunft für Entrechtete und Unterdrückte gehört zum Gründungsmythos der USA. Wer von einem klassischen "Einwanderungsland" spricht, denkt in erster Linie an die Vereinigten Staaten. Und der Trend zur Immigration hält unvermindert an: Eine Studie der UNO prophezeit, dass sich die Einwohnerzahl der USA auf Grund der Einwanderung von 283 auf fast 400 Millionen vergrößern wird. Jeder zehnte US-Bürger ist heute im Ausland geboren, ein Prozentsatz, der zuletzt während der großen Einwanderungswellen der 30er Jahre erreicht wurde.

Eine Million Green Cards pro Jahr

Doch längst sind es nicht mehr die Armen und Unterdrückten, die in großer Zahl einwandern, sondern gut ausbildete Fachkräfte und ihre Familien: Die US-Regierung vergibt jährlich ungefähr eine Million Green Cards. Sie sichern im Gegensatz zu Deutschland ein dauerhaftes Bleibe- und Arbeitsrecht. Zwei Drittel der Green-Card-Inhaber sind Familiennachzügler, weitere 100.000 Flüchtlinge. Den Rest rekrutieren die Behörden gezielt für den Arbeitsmarkt. Bei Spitzen im Bedarf stellen sie außerdem so genannte "H1-B-Visas" aus, begrenzte Aufenthaltsgenehmigungen für sechs Jahre.

Dass die Einwanderung von ausländischen Eliten die Position der einheimischen Wirtschaft stärkt, ist jenseits des großen Teiches unumstritten. Dabei spielen Herkunft und kulturelle Orientierung der Immigranten eine eher untergeordnete Rolle. "Eine Leitkultur-Debatte wäre bei uns unzulässig", sagt Doris Meissner, die ehemalige Chefin der US-Einwanderungsbehörde. Allerdings fürchten Teile der Bevölkerung, dass Zuwanderer Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen könnten. Die republikanische Partei und die Gewerkschaften machen sich bisweilen zum Fürsprecher solcher Ängste.

Infrarot-Kameras und Bewegungsmelder

Ein weitaus heikleres Thema ist die illegale Einwanderung, vor allem aus dem benachtbarten Mexiko. Die Südgrenze der Vereinigten Staaten gleicht in weiten Abschnitten einem Hochsicherheitstrakt: Automatische Infrarot-Kameras und elektronische Sensoren registrieren jede Bewegung. An anderen Stellen besteht die Grenze allerdings nur aus lose gespanntem Stacheldraht. So gelangen jedes Jahr schätzungsweise 300.000 Menschen ohne gültige Papiere über den Rio Grande in die USA.

Bis Mitte der 90er Jahre stuften amerikanische Politiker die illegale Masseneinwanderung aus dem Süden als "Bedrohung der nationalen Sicherheit" ein. Im vergangenen Jahr deutete sich dann eine Wende in der Einwanderungspolitik an: George W. Bush verabredete mit seinem mexikanischen Kollegen Vicente Fox, der Zuwanderung aus dem südlichen Nachbarland einen "ordentlichen Rahmen" zu geben. Dabei hatte er auch die Wählerstimmen der "Hispanics" im Auge, der stark wachsenden spanischsprachigen Gemeinde in den USA.

Der 11. September hat diese Bestrebungen vorerst gestoppt: Die Regierung Bush will nun schärfer gegen die illegale Einwanderung vorgehen. (jf)

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  • Datum 20.03.2002
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