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Politik

Gebremste US-Ambitionen in Afrika

Afrika ist zur Priorität für die US-Politik geworden. Dafür sollte ein neues Militär-Regionalkommando geschaffen werden. Doch wenige Monate vor dem Start bleibt Unklarheit über Ziele und Ressourcen des Projekts.

Mann in Anzug hinter Podium, im Hintergrund, zwei Flaggen (20.2.08, Accra - Ghana, Quelle: dpa)

Priorität Afrika: US-Präsident Bush bereiste den Kontinent im Februar

Auf der Karte der Strategen im US-Verteidigungsministerium war Afrika lange Zeit wenig mehr als ein weißer Fleck. Bis Februar 2007. Da verkündete George W. Bush die Schaffung eines neuen Regionalkommandos der US-Streitkräfte, das sich ausschließlich um den afrikanischen Kontinent kümmern sollte. Anvisiert war gleich der große Wurf – eine Institution, die in militärisch-ziviler Kooperation den Kontinent nachhaltig fördern, stabilisieren, sicherer machen sollte.

Doch etwas mehr als vier Monate vor dem offiziellen Start für Africom – so der Name des neuen Regionalkommandos – sind die Ansprüche bescheidener geworden. Seine Arbeit nimmt das Africom-Hauptquartier am 1. Oktober 2008 in Stuttgart auf, wo Africom unter Verantwortung des ebenfalls dort angesiedelten europäischen Regionalkommandos (Eucom) aufgebaut wird. Und bis auf weiteres wird die Zentrale in Stuttgart bleiben. Das machten Africom-Offizielle bereits im Februar deutlich.

Bessere Afrika-Logistik über Europa

Militär mit Barret (29.9.06, Stuttgart, Quelle: dpa)

Im schwäbischen Hauptquartier: General William Ward kommandiert Africom

Dass es gleichsam um militärische und zivile Hilfe gehen soll, hatte das US-Militär mit einem Novum versucht zu unterstreichen: Erstmals ist eine Zivilistin eine von zwei gleichberechtigten Stellvertretern des Regionalkommando-Chefs. Wie sich die militärisch-zivile Zusammenarbeit gestalten soll, scheint jedoch wenige Monate vor dem Startschuss immer noch unklar. Das berichtet die US-Zeitung "Christian Science Monitor" unter Berufung auf Africom-Vertreter und Verteidigungsexperten.

Eine schwäbische Schaltzentrale für das amerikanische Afrika-Engagement sieht man bei Africom nicht als Problem. Sprecher Vincent Crawley sagt, dass Regionalkommando-Zentralen in der Regel nicht im Zielgebiet beheimatet seien. Mit Ausnahme von Eucom sind die Hauptquartiere alle in den USA. Und "weil die (Flug-)Verbindungen zwischen afrikanischen Staaten häufig nur über Europa laufen, ist es für die Africom-Arbeit sogar logistisch sinnvoller, das Hauptquartier zunächst in Europa zu belassen". Auch die militärisch-zivile Hierarchie ist Crawley zufolge nicht in Frage gestellt: "Das US-Militär wird in Afrika nur eine unterstützende Rolle spielen." Diplomatisches und ziviles Engagement stünden im Vordergrund.

Schlechte Koordination, fehlende Ressourcen

Alles auf Kurs also? Beobachter sind anderer Ansicht. "Die erste Ankündigung eines neuen Regionalkommandos war viel zu enthusiastisch", sagt Alex Vines, Direktor des Afrika-Programms am Think Tank "Chatham House" in London. "Zu dem Zeitpunkt gab es keine zureichende Koordination mit afrikanischen Staaten. Auch die Ressourcenfrage ist ungeklärt", sagt er.

US-Kongress Frontansicht (undatiert, Washington D.C., Quelle: Illuscope)

Im kommenden Jahr soll der US-Kongress mehr als fünf Mal soviel Geld locker machen wie bisher

Bei den Finanzen geben sich die US-Militärs überaus optimistisch: Im laufenden Jahr hat Africom nach eigenen Angaben rund 75 Millionen Dollar im Budget. Für das kommende Finanzjahr habe das Pentagon den Kongress um 392 Millionen Dollar gebeten, heißt es auf der Africom-Webseite. Doch eine klare Antwort darauf "muss bis nach den Präsidentschaftswahlen warten", so Vines.

Afrikanische Zweifel

Africom hätte in Afrika ein Problem mit der "öffentlichen Wahrnehmung", umschreibt Crawley eine weitere Herausforderung. Matthias Basedau vom GIGA-Institut für Regionalstudien in Hamburg wird deutlicher: "Westliches Engagement wird vor dem Hintergrund der Kolonialvergangenheit in Afrika kritisch beäugt", sagt der Afrika-Experte. Die Chinesen, die in Afrika immer stärker investieren, hätten da einen eindeutigen Vorteil.

Tatsächlich sind afrikanische Zweifel an den amerikanischen Motiven ein wichtiger Grund, warum etwa die Hauptquartier-Frage bislang ungelöst geblieben ist. Gefährdet Africom die Souveränität afrikanischer Nationen? "Nein", lautet die Antwort auf der Africom-Webseite der meistgestellten Fragen. Entsteht Africom als Antwort auf die jüngsten Ereignisse in Darfur oder Somalia? "Nein." Ist Africom der US-Versuch Zugang zu Rohstoffen zu bekommen oder den Chinesen Paroli zu bieten? Wieder "Nein".

Widerstreitende Motive

Mann in blauem Overall steht vor Ölanlagen und Rohren (undatiert, Nigeria, Quelle: AP)

Energiesicherheit: Afrikanische Rohstoffe werden für die USA immer wichtiger

Dass die in den Fragen implizierten Zusammenhänge zumindest eine Rolle spielen, ist dennoch nicht von der Hand zu weisen. Natürlich gehe es für die USA auch um Fragen der Energiesicherheit, sagt Matthias Basedau. "Denn bis 2015 soll nach Planung in Washington ein Viertel des amerikanischen Erdöl- und Gasbedarfs aus Afrika gedeckt werden." Alex Vines verweist lediglich auf die US-Militäraktionen in Somalia und am Horn von Afrika.

Anderseits habe Präsident Bush die Hilfsgelder für die Länder Afrikas um ein Mehrfaches aufgestockt, so Vines. Das unterstreiche, dass die USA ein Interesse daran hätten, sich mehr für die Entwicklung des Kontinents zu engagieren.

Viele Ziele und ein Vermittlungsproblem

Ob die USA in Afrika eine eigene Agenda verfolgen und, wenn ja, welche das ist, wird weiter diskutiert werden. Klar ist, dass bereits die Umsetzung der offiziell von Africom benannten Ziele die Amerikaner vor Probleme stellt. Die anvisierte Zusammenarbeit zwischen Militär, zivilen Regierungsstellen und Nichtregierungsorganisationen habe es in dem Umfang noch nicht gegeben, gibt auch Africom-Sprecher Crawley zu.

Durch dieses weite Aufgaben-Spektrum fehlt es bisweilen auch an einem Fokus, der für die Vermittlung der US-Ziele so wichtig wäre. So benennt Crawley "die militärische Komponente von Gesundheits- und Anti-Aids-Programmen" als einen Aspekt des Africom-Engagements. Das klingt bestenfalls schwer verständlich.

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