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Filme

Gebranntes Theaterkind: Ulrich Noethen

Zur Bühne hat der Schauspieler ein gespanntes Verhältnis. Warum das so ist, verrät der Münchener im Deutsche Welle-Interview. Derzeit ist Noethen mit dem Film "Schattenwelt" in den Kinos.

Porträt Ulrich Noethen mit Bart (dpa)

Ulrich Noethen

DW-WORLD.DE: Herr Noethen, Sie haben beim Theater angefangen. Sie sind dann zum Fernsehen gewechselt und dann zum Kino. Arbeiten Sie derzeit eigentlich am liebsten fürs Kino? Oder ist das nur eine Phase?

Ulrich Noethen: Ich hoffe, dass das eine Phase ist. Nicht Hoffnung in dem Sinne, dass ich sage, es möchte doch bitte bald vorüber sein. Sondern es besteht die Hoffnung, dass ich irgendwann auch die Zeit und den Raum haben werde, Theater zu machen. Theater ist auf eine Art viel

zeitintensiver. Ich bin allerdings ein bisschen ein gebranntes Kind. Ich war zuletzt im Ensemble des Schiller-Theaters in Berlin, als es dann geschlossen wurde. Und die Erfahrung, die ich in den Spielzeiten davor gemacht habe, die waren keine angenehmen. Das hat mir das Theater für einen längeren Zeitraum nicht vergällt, aber doch etwas unangenehm gemacht.

Beim Film Willkommen

Petrie und Noethen in einer Szene des Filmes Schattenwelt (Salzgeber Filmverleih)

Derzeit mit "Schattenwelt" im Kino (neben Franziska Petri)

Zum Drehen kam ich zuerst zum Fernsehen, später dann auch zum Kino. Und da hatte ich immer den Eindruck, man ist hier auf eine andere Art willkommen als in all diesen Jahren im Schiller-Theater-Ensemble. Deshalb habe ich die ganzen Jahre sehr, sehr gerne gedreht. Ich merke jetzt aber, dass der Wunsch, wieder an einer künstlerischen Theaterproduktion mitzuwirken, mich sehr reizt. Es ist etwas ganz Besonderes, den Bogen über einen ganzen Abend zu spannen, sich in einer anderen

Intensität noch mal um die Figur, um eine Inszenierung, um das Ensemble-Spiel zu bemühen. Das möchte ich wieder haben.

...das Adrenalin ins Polster schwitzen

Wie würden Sie den Unterschied zwischen Fernsehen und Kino für sich definieren?

Ulrich Noethen: Es gibt mehrere Unterschiede. Der Hauptunterschied: Ich habe eine andere Form der Vorbereitung beim Theater. Die Probenzeit zieht

sich über einen längeren Zeitraum hin als beim Film und beim Fernsehen. Beim Film benötige ich eine Vorbereitung, die ich selber für mich zu Hause mache, vielleicht auch in Gesprächen mit dem Regisseur.

Vor der Kamera wird nicht in dem Sinne probiert wie beim Theater, wo Szenen geprobt werden, aneinander gehängt werden, wo der Ablauf stimmen muss, wo sich Sachen wieder verschieben, wo man die Möglichkeit hat darüber

zu schlafen. Das kann sich setzen, während beim Film, beim Fernsehen, oft die Sachen mehr aus dem Handgelenk geschüttelt werden, was auch eine Fähigkeit ist. Das ist der Unterschied in der Probenarbeit.

Ulrich Noethen im Film Der Untergang als Heinrich Himmler (Constantin)

Spielte gleich zweimal Heinrich Himmler, hier in "Der Untergang"

Natürlich ist es auch ein großer Unterschied, dass Schauspieler auf der Bühne den direkten Kontakt zum Publikum haben. Das fehlt auf der Leinwand. Wenn es eine Premiere im Kino gibt, dann sitze ich eben auch dabei und habe keine Möglichkeit mit der Aufregung, die ich jetzt habe, irgendwie umzugehen. Das Adrenalin muss sich sozusagen in die Polster schwitzen, während ich auf der Bühne damit umgehen kann.

Großer Erfolg mit den "Comedian Harmonists"

1997 hatten Sie Ihren Kinodurchbruch mit "Comedian Harmonists". Sehen Sie das eigentlich auch so, dass das ein ganz entscheidender Film für Sie war?

Ja, natürlich! Das Wort "Durchbruch" passt aber nicht so. Einen "Durchbruch" gibt es doch dann, wenn man längere Zeit an einer Sache gearbeitet hat, und es dann plötzlich gelingt in Erscheinung zu treten. Bei mir war es einfach ein fulminanter Start. Es war mein erster Kinofilm und ich hatte das große Glück gehabt, eine tolle Rolle in einem sehr schönen Film zu bekommen. Damit habe ich auch gleich einen Bundesfilmpreis bekommen. Also besser hätte es nicht laufen können, der sogenannte "Durchbruch".

Was Ulrich Noethen über den Reiz von Debütfilmen zu sagen hat, wie er über die deutsche Sprache denkt, warum er gern noch mehr arbeiten würde und auf welchen seiner Filme er besonders Stolz ist, all das verrät Noethen im ausführlichen DW-Interview zum Hören - einfach unten anklicken:

Das Gespräch führte Jochen Kürten

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