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Afrika

"Gbagbo und Ouattara müssen verhandeln"

Sie leben in Deutschland; ihr Herz schlägt für die Elfenbeinküste. Jean-Marie Dekpai und Aziz Diabaté unterstützen ihren Präsidentschaftskandidaten aus der deutschen Diaspora. Politisch sind sie Gegner, privat Freunde.

Gbagbo und Ouattara (Bild: AP/DW)

Wer ist der rechtmäßige Präsident? Gbagbo (links) und Ouattara

Seit zwei Wochen hat die Elfenbeinküste zwei Präsidenten und zwei Regierungen. Eigentlich war die Hoffnung auf einen demokratischen Neuanfang im Land groß - das war vor der Stichwahl Ende November. Jetzt steckt die Elfenbeinküste in einer tiefen Krise. Der alte Präsident Laurent Gbagbo will die Macht nicht aus der Hand geben; auch wenn die Wahlkommission Alassane Oauttara als Sieger der Abstimmung bekanntgegeben hat. Die Nation teilt sich in Anhänger von Gbagbo und in Ouattara-Unterstützer.

Auch in Deutschland haben die meisten Ivorer eine klare Meinung zu ihrem Präsidenten. "Für mich ist Laurent Gbagbo der legitime und legale Präsident der Elfenbeinküste. Darüber braucht man gar nicht zu diskutieren, sagt Jean-Marie Dekpai. Er verteidige Gbagbos Kampf für die Souveränität, die Freiheit und für die Demokratisierung in der Elfenbeinküste. Jean-Marie Dekpai lebt seit vielen Jahren in der Nähe von Bonn. Politisch engagiert er sich aber noch immer für seine Heimat. Dekpai verteidigt in Deutschland als Mitglied der Front Patriotique Ivoirien (FPI) die Politik von Laurent Gbagbo.

Wunsch nach Wandel

Aziz Diabaté (Bild: Christine Harjes)

Unterstützt Ouattara: Aziz Diabaté

Dekpais Landsmann Aziz Diabaté sieht die aktuelle Lage in der Heimat völlig anders: "Die Ivorer haben entschieden. 54 Prozent haben gesagt, Alassane Ouattara soll die Elfenbeinküste während der nächsten fünf Jahre regieren." Die Ivorer bräuchten einen Wandel, sagt Diabaté. "Diesen Wandel haben sie jetzt mit der Person Alassane Ouattara beschlossen. Er macht ihnen bessere Angebote als der alte Präsident."

Zwischen Jean-Marie Dekpai und Aziz Diabaté gibt es viele Gemeinsamkeiten: Sie leben und arbeiten beide seit Jahren in Deutschland, beide haben in Deutschland BWL studiert, beide sind Ende 30. Und beide fühlen sich politisch eng der Heimat verbunden. Der große Unterschied: Dekpai unterstützt den alten Präsidenten Laurent Gbagbo, Diabaté den Herausforderer Alassane Ouattara. Aziz Diabaté ist der offizielle Vertreter von Ouattaras Partei RDR in Deutschland. Seit der Krise um das Wahlergebnis setzt Diabaté von Köln aus alles daran, Ouattara als Präsident zu unterstützen. Er versuche seine Verbindungen in die deutsche Politik zu nutzen, sagt Diabaté. Außerdem versucht er, der deutschen Öffentlichkeit die Lage in seinem Heimatland zu erklären. "Ich gebe ein Interview nach dem anderen. Für die Ivorer ist das Ganze schon komplex und für die Deutschen erst recht."

Einfluss auf die deutsche Politik

Jean-Marie Dekpai (Bild: Dekpai)

Unterstützt Gbagbo: Jean-Marie Dekpai

Auch Jean-Marie Dekpai engagiert sich von Deutschland aus für seinen Kandidaten. Die Internationale Gemeinschaft hat den Herausforderer Alassane Ouattara anerkannt. Für Dekpai eine große Ungerechtigkeit. Er versucht über die deutsche Politik Einfluss auf die Vereinten Nationen zu nehmen. "Wir haben Guido Westerwelle einen Protestbrief geschrieben, in dem wir die aktuelle Lage beschrieben haben und skizziert haben, welche Möglichkeiten es gibt, um die Krise zu lösen", sagt Dekpai. "Wir organisieren einen ganz friedlichen Protest. Damit zeigen wir, dass wir nicht die gewalttätigsten in der Elfenbeinküste sind."

Gewalttätig sind die Auseinandersetzungen zwischen Anhängern beider Lager in der Elfenbeinküste schon seit Wochen. Bei Zusammenstößen sind seit Bekanntgabe des Wahlergebnisses schon mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. In Deutschland werden die Diskussionen zwischen den Sympathisanten von Gbagbo und denen von Oauttara zwar immer hitziger - trotzdem gibt es in der Diaspora keine wirklichen Probleme zwischen beiden Lagern. "Die Beziehungen sind herzlich. Ich verstehe mich den Leuten von Laurent Gbagbo sehr gut. Das sind meine Brüder", sagt Diabaté. Und in diesem Fall stimmt ihm auch sein politischer Gegner Jean-Marie Dekpai zu: "Wir müssen miteinander leben. Und wir müssen unsere Intelligenz nutzen, um dieser Krise zu entkommen."

Gewalt in der Elfenbeinküste (Bild: AP)

Wege aus der Krise

Doch wie genau kann nun die Elfenbeinküste der Krise entkommen? Eine Frage, die die Internationale Staatengemeinschaft, die Afrikanische Union und auch den westafrikanischen Staatenbund ECOWAS beschäftigt. Eine Frage, auf die Jean-Marie Dekpai natürlich wieder eine ganz andere Antwort hat als Aziz Diabaté: "Wir Ivorer bitten Ouattara an den Verhandlungstisch zurückzukehren", sagt Dekpai. Ouattara solle mit den Konfrontationen aufhören, damit die Elfenbeinküste aus der Krise herauskomme. "Ouattara und Gbagbo - das ist vorübergehend. Die Elfenbeinküste aber bleibt."

Verhandlungen müssen her - da sind sich die beiden einig. Aber anders als Jean-Marie Dekpai fordert Aziz Diabaté Zugeständnisse von Gbagbo: Ein Kompromiss sei gut. Aber man dürfe keine falschen Kompromisse machen, sagt Diabaté. "Die Krise ist momentan sehr beunruhigend. Wir fordern Laurent Gbagbo auf, seinen Patriotismus zu beweisen, er soll beweisen, dass er die Elfenbeinküste wirklich liebt. Und wenn das der Fall ist, dann muss er anerkennen, dass die Ivorer ihre Meinung gesagt haben. Wenn sich die Mehrheit für jemanden entschieden hat, dann muss er das akzeptieren."

UNO, Afrikanische Union und die Staatengemeinschaft ECOWAS haben bereits klargemacht: Für sie ist Alassane Ouattara der legitime Präsident. Sollte Laurent Gbagbo trotzdem weiter am Amt des Staatschefs festhalten, muss er mit Sanktionen rechnen. Die meisten Ivorer hoffen noch auf eine friedliche Einigung, aber die Angst vor einem neuen Bürgerkrieg nimmt zu.

Autorin: Christine Harjes

Redaktion: Michaela Paul