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Welt

Gbagbo bäumt sich noch mal auf

Alles sah so aus, als sei der Despot schon besiegt. Doch der abgewählte Präsident der Elfenbeinküste scheint wieder Boden gut zu machen. Verhandlungen über seinen Rückzug waren möglicherweise nur ein Trick.

Der abgewählte Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo (Foto: AP)

Der Machthaber will sich dem internationalen Druck nicht beugen

Die jüngste Kampfpause der Einheiten von Laurent Gbagbo war nach Einschätzung der Vereinten Nationen ein Ablenkungsmanöver. Den Kämpfern sei es offenbar ausschließlich darum gegangen, ihre Stellungen zu festigen, sagte der Leiter der UN-Friedensmission, Alain Le Roy, am Freitag (08.04.2011, Ortszeit) in New York.

Die Vertrauten des abgewählten Präsidenten der Elfenbeinküste, die zuletzt mit UN-Vertretern über eine friedliche Übergabe der Macht in dem westafrikanischen Land gesprochen hatten, wollten damit Le Roy zufolge nur Zeit gewinnen. Am Dienstag hatten drei Generäle Gbagbos Verhandlungen über dessen Rückzug geführt. Doch nur wenig später weigerte sich der Machthaber in einem Fernsehinterview, die Macht an seinen Rivalen, den international als Staatschef anerkannten Alassane Ouattara, abzugeben. Kurz darauf wurden die Verhandlungen für gescheitert erklärt.

Kontrolle über zwei Bezirke in Abidjan

Ouattaras Truppen kontrollieren inzwischen den größten Teil des Landes. Die Soldaten Gbagbos gewinnen aber anscheinend wieder an Terrain. Nach UN-Angaben haben sie in der Millionenmetropole Abidjan mittlerweile die vollständige Kontrolle über die Bezirke Plateau und Cocody zurückerobert. Die Einheiten seien bis auf einen Kilometer auf das Hauptquartier von Ouattara vorgerückt, hieß es.

In Cocody befindet sich die Präsidentenresidenz. Gbagbo hält sich dort in einem Bunker verschanzt. Versuche von Ouattaras Soldaten, ihn gewaltsam herauszuholen, blieben bislang ohne Erfolg.

Streitkräfte noch schwer bewaffnet

Weißer UN-Panzer in Abidjan (Foto: picture alliance)

Die UN wollen die Zivilisten vor Angriffen von Gbagbos Truppen schützen

Die Kämpfer Gbagbos sollen auch weiterhin über schwere Waffen verfügen, obgleich Truppen der Vereinten Nationen und Frankreich einen Teil des Arsenals zerstört hatten. "Wenn sie sagen, dass sie keine schweren Waffen mehr haben, stimmt das nicht. Sie haben Geschosswerfer, Panzer und Panzerfäuste und setzen sie gegen ihre eigene Zivilbevölkerung ein", sagte Le Roy. Die UN-Einheiten seien seit Montag nicht mehr offensiv vorgegangen, als sie Kampfhubschrauber einsetzten, um den Einsatz der Waffen gegen Zivilisten zu verhindern.

Vorschläge von Ouattaras Kämpfern, den belagerten langjährigen Machthaber "auszuhungern", lehnte Le Roy, der Chef aller UN-Soldaten ist, ab. Die UN-Mission in der Elfenbeinküste (UNOCI) habe kein Mandat für derartige Maßnahmen, betonte er. Auf die Frage, ob man Gbagbo mit Wasser und Lebensmitteln versorgen würde, sagte er: "Vielleicht." Bislang sei dazu aber noch keine Entscheidung gefallen.

Am Freitagnachmittag wurde die französische Botschaft in Abidjan zum zweiten Mal innerhalb von 48 Stunden unter Artilleriebeschuss genommen. Wie die Botschaft mitteilte, wurde das Gebäude von zwei Granatwerfern und einer Rakete getroffen, die von Stellungen der Truppen Gbagbos abgefeuert wurden.

EU will Sanktionen lockern

Zwei Hände greifen in Kakaobohnen

Die Elfenbeinküste ist einer der größten Kakaoproduzenten der Welt

Auf Bitten Ouattaras will die Europäische Union einen Teil der gegen die Elfenbeinküste verhängten Wirtschaftssanktionen wieder aufheben. Ein Sprecher von EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton bestätigte in Brüssel, dass Ouattara die EU um die Aufhebung bestimmter Strafmaßnahmen gebeten habe. Er hoffe, dass man der Bitte bald werde entsprechen können.

Medienberichten zufolge soll es sich unter anderem um Sanktionen handeln, die die Hafenaktivitäten in Abidjan und San Pedro betreffen. Über die beiden Häfen laufen beträchtliche Kakao-Exporte des Landes.


Autor: Thomas Grimmer (afp, dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Walter Lausch

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