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Wirtschaft

Gazprom will Preise für Europa um 15 Prozent erhöhen

Trotz gesteigerter Exporteinnahmen ist der russische Gaslieferant finanziell angeschlagen. Jetzt sollen die Europäer ab nächstem Jahr mehr Geld zahlen. Die Gasversorger pochen auf langfristige Lieferverträge.

Rohre einer Gaspipeline, die sich bis zum Horizont erstrecken

Bald Streit ums Gas?

Der russische Gasproduzent Gazprom will seine Exportpreise für Europa im kommenden Jahr um etwa 15 Prozent erhöhen. Das sehe das konzerninterne Budget für 2007 vor, bestätigten Gazprom-Kreise in Moskau einen Bericht der russischen Wirtschaftszeitung "Wedomosti". Der Preis für europäische Versorger solle demnach von derzeit etwa 250 Dollar (190 Euro) je 1000 Kubikmeter Gas auf 293 Dollar ansteigen. Offiziell teilte Gazprom mit, man könne keine internen Zahlen vor der Sitzung des Aufsichtsrates am Mittwoch kommentieren.

Preise teilweise vervierfacht

Außenansicht des Gazprom-Hauptquartiers in Moskau

Das Hauptquartier von Gazprom in Moskau

Für das ehemals sowjetische Weißrussland, durch das ein Teil der Gazprom-Exporte in Richtung Westen fließt, sieht das Budget eine Vervierfachung der Preise von derzeit 50 Dollar auf 200 Dollar je 1000 Kubikmeter Gas vor. Der drastische Anstieg des Gaspreises war bereits im Frühjahr 2006 von Gazprom angekündigt worden und hatte schon damals zu Spannungen mit der weißrussischen Regierung geführt. Die drei Baltenrepubliken Lettland, Litauen und Estland sind ebenfalls von Preiserhöhungen betroffen.

Durch die Preisanhebungen möchte der Gazprom-Konzern seine Exporteinnahmen um etwa 20 Prozent auf die Rekordhöhe von 46 Milliarden Dollar steigern. Darüber hinaus soll die Exportmenge für die Abnehmer in Europa von 151 Milliarden Kubikmeter auf knapp 158 Milliarden Kubikmeter erhöht werden.

Experten und Gasversorger sind überrascht

Experten und Gasversorger zeigten sich von den Gaspreiserhöhungen vor dem Hintergrund der Prognosen für den Ölpreis erstaunt. Die Pläne machten einen "aggressiven" Eindruck, urteilte die Investmentbank Deutsche UFG in Moskau. "Internationale Gasverträge sind wie ein Buch mit sieben Siegeln. Nur ganz wenige Personen bekommen die Verträge zu sehen", kommentierte eine Moskauer Analystin, die anonym bleiben wollte, die Preispolitik von Gazprom.

Die größten deutschen Gasversorger teilten mit, in Deutschland werde Gas wegen geltender langfristiger Lieferverträge nicht teurer. "Wir haben mit Gazprom langfristige Gasbezugsverträge, in denen der Preis an Wettbewerbsenergien gebunden ist. Damit folgen auch die Importpreise für russisches Gas der Ölpreisentwicklung", betonte ein Sprecher des deutschen Importeurs E.ON Ruhrgas. Deutschland bezieht derzeit ein Drittel seines Gases von dem russischen Staatskonzern.

Verluste trotz Rekordpreise

Trotz der deutlichen Erhöhung von Exporteinnahmen droht dem weltweit drittgrößtem Energiekonzern einmal mehr ein Gesamtdefizit, da das vom Kreml kontrollierte Unternehmen Erdgas im Inland zu weniger als einem Fünftel des Exportpreises verkaufen muss. Noch in der Vorwoche hatte Präsident Wladimir Putin eine Angleichung der subventionierten russischen Inlandspreise an das Weltmarktniveau vor der Präsidentenwahl 2008 abgelehnt. Nach "Wedomosti"-Angaben soll der Inlandspreis für Erdgas im kommenden Jahr aber ebenfalls erhöht werden - auf umgerechnet 49 Dollar je 1000 Kubikmeter. Der niedrige Preis ist ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für die russische Industrie.

Keine Lieferschwierigkeiten

Anlage zur Erdgasaufbereitung im Nordwesten Russlands: ein riesiges Areal von Rohren und Tanks

Gasanlage in Russland

Der Kreml dementierte jüngste Berichte über mögliche Lieferengpässe für russisches Gas in den kommenden Jahren auf Grund der mangelhaften Erschließung neuer Vorkommen. Die Regierung werde den Inlandsverbrauch von Gas reduzieren, kündigte Putins Berater Igor Schuwalow in einem Interview mit der Londoner "Financial Times" an. Die heimische Industrie solle verstärkt auf Wasserkraft, Atomkraft und Kohle zurückgreifen. Russland bleibe der verlässlichste Energielieferant für die Europäische Union, sagte Schuwalow. (tl)

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