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Wirtschaft

Gazprom plant größtes Gaslager Europas

2011 soll das erste Gas aus Russland durch die Ostsee-Pipeline nach Deutschland fließen. Dort soll im Nordosten des Landes der größte Gasspeicher Europas entstehen. Die deutschen Reaktionen bleiben zwiespältig.

orange Pipeline (Quelle: AP)

Russisches Gas für Westeuropa

Wie ein Fremdkörper steht der Bohrturm mit dem großen Kompressor auf einem Hügel inmitten wogender Getreidefelder. Der Klatschmohn blüht, es gibt einen Zufahrtsweg, der mit Betonplatten belegt ist, noch aus der DDR-Zeit. Mehr ist hier nicht zu sehen – kurz hinter dem Ortsausgang von Hinrichshagen, einer kleinen Gemeinde nördlich von Waren an der Müritz. Hier möchte Gazprom Germania einen unterirdischen Gasspeicher bauen. Der soll das Erdgas aufnehmen, das über die 1220 Kilometer lange "North-Stream" Pipeline aus Russland in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommmern anlandet. So plant es zumindest das russisch-deutsche "North-Stream"-Konsortium, das vom russischen Gaskonzern Gazprom geführt wird.

Platz für fünf Milliarden Kubikmeter Gas

Neben dem Bohrturm, der ein paar Meter in den blauen Himmel ragt, stehen Container, davor steht Maik Mattheis, Projektleiter bei Gazprom Germania. Er leitet die Bohrarbeiten, mit denen das Gestein bis in eine Tiefe von 700 Meter erkundet werden soll: "Wir reden von einem Sandstein, dessen Poren anstelle von Wasser mit Gas gefüllt werden. Wir denken, dass die Struktur hier bis zu fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas aufnehmen kann."

Damit wäre es das größte Gaslager in Europa. 20 Millionen Euro sollen allein die Probebohrungen kosten. Wenn das Lager dann errichtet werden kann, sind weitere 380 Millionen fällig. Doch Deutschland hat für Gazprom eine strategische Bedeutung, wie Bernhard Woelki, der Pressesprecher von Gazprom Germania sagt. "Wir wollen den westeuropäischen und insbesondere den deutschen Markt sicher mit Erdgas versorgen."

Unverständnis über Kritik

Mann in Anzug vor blauem Hintergrund mit Schriftzug Gazprom (7.5.2008, Berlin, Quelle: dpa)

Gute Geschäftszahlen: Gazprom Germania-Geschäftsführer Hans-Joachim Gornig vor der Presse

120 Mitarbeiter arbeiten in Berlin in der Zentrale von Gazprom Germania. Rund 30 Tochter-, Gemeinschafts- und andere Unternehmen gehören zu dem Konzern, der selbst eine hundertprozentige Tochter der russischen Gazprom ist. Es gibt eine Beteiligung an Wingas und ein Joint-Venture mit Wintershall, der Öl- und Gastochter der BASF. Die Geschäfte laufen gut. Von Deutschland aus vermarktet Gazprom Germania das Erdgas in 24 Länder Europas und Zentralasiens. Der letzte Geschäftsbericht weist ein Umsatzplus von knapp 21 Prozent auf rund 7,5 Milliarden Euro aus. "Wir werden weiter wachsen", ist sich Woelki sicher. Schließlich wird in der EU Prognosen zufolge in den nächsten 30 Jahren 50 Prozent mehr Gas gebraucht.

In Deutschland wird der Gasverbrauch bereits zu mehr als einem Drittel aus Russland gedeckt. Dass das Bedenken auslöst, will Woelki nicht verstehen. "Wir liefern seit 35 Jahren Erdgas aus Russland. Es hat nie einen Tag Lieferausfall aus Russland gegeben." Sein Unternehmen wolle Deutschland nun zu einer Drehscheibe für den Erdgashandel in ganz Westeuropa machen. "Deswegen verstehen wir nicht ganz die Vorwürfe oder Vorurteile, die wir von westlicher Seite hören", sagt Woelki

Sponsoring und Imagepflege

Zwei Männer in Anzügen halten ein blaues Trikot (10.10.2006, Dresden - Deutschland, Quelle: AP)

2006 unterzeichnete Russlands damaliger Präsident Putin (r.) den Gazprom-Sponsoring-Vertrag mit Bundesliga-Verein Schalke

Imagepflege gehört daher mittlerweile wie selbstverständlich zum Programm. Gazprom Germania tritt gerne als Sponsor auf, wie beispielsweise beim Fußball-Bundesligaverein Schalke 04. Auch im mecklenburgischen Hinrichshagen will das Unternehmen punkten. Landrätin Bettina Paetsch macht sich zwar einerseits darüber Gedanken, wie sich Tourismus und Gaswirtschaft vertragen, andererseits freut sie sich darüber, "dass man auch bereit ist, Unterstützung zu gewähren in finanzieller Hinsicht und wir auch als Region davon über Sponsoring und gemeinsame Projekte profitieren".

Ein paar hunderttausend Euro sollen aus der Kasse des Unternehmens fließen – wenn der Speicher in Hinrichshagen tatsächlich gebaut werden kann. Das endgültige "Ja" oder "Nein" soll 2009 fallen, allerdings nicht bei Gazprom Germania in Berlin. Solche Entscheidungen, so heißt es bei der Projektleitung, die fallen immer noch in Moskau.

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