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Politik

Gaza-Räumung notfalls mit Gewalt

Bis um Mitternacht hatten die Siedler Zeit, freiwillig zu gehen: Etwa 4000 ließen die Frist verstreichen. Um den Abzug aus dem Gazastreifen durchzusetzen, sei nun die Anwendung von Zwang nötig, sagte ein Polizeioffizier.

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Nicht alle räumten ihre Häuser fristgerecht


Die israelischen Streitkräfte haben am Mittwochmorgen (17.8.2005) mit der Zwangsräumung jüdischer Siedlungen im Gazastreifen begonnen. Begleitet von Bulldozern rückten Truppen in vier Ortschaften ein. Zunächst sollten mindestens 7 der 21 Siedlungen geräumt werden. Die Armee befürchtet, dass ein harter Kern von Ultranationalisten zur Gewalt bereit ist, um eine Räumung der Siedlungen zu verhindern. Bis zu 5000 Abzugsgegner sollen sich in den Gaza-Streifen eingeschlichen haben, um den dortigen Widerstand zu stärken. Etwa die Hälfte der insgesamt 8500 jüdischen Siedler verließ der Regierung zufolge das Gebiet freiwillig.

Organisierter Widerstand

Ungefähr 4000 jüdische Siedler und weitere 4500 Demonstranten sollen sich derzeit noch im Gazastreifen aufhalten. Die Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass zwei Drittel der Siedler bereits ihre Häuser verlassen haben. Alle anderen Personen seien extra angereist und haben sich in den Siedlungen verschanzt, um den Abzug zu stören. Die Streitkräfte bemühten sich um ein behutsames Vorgehen, sagte der für Gaza zuständige Kommandeur, Generalmajor Dan Harel.

Die Siedlung Newe Dekalim, die als das Zentrum des Widerstands gilt, soll nach Angaben der Streitkräfte als eine der ersten Siedlungen zwangsgeräumt werden. Vor der Synagoge von New Dekalim setzten militante Gegner des israelischen Abzugs Müllcontainer in Brand. In der Siedlung Morag trugen Soldaten die Teilnehmer einer Sitzblockade vor dem Eingang der Siedlung weg. Mehrere Bewohner verschanzten sich auf den Dächern von Häusern. "Mehrere Tausend sind hier, mehrere Tausend auf dem Weg", sagte der Polizeioffizier über die Anzahl der Sicherheitskräfte in Newe Dekalim. In der Siedlung hatte es mehrfach schon Zusammenstöße gegeben.

Freiwilliger Rückzug

Regierungsberater Eval Giladi sagte, es sei möglich, alle Siedlungen binnen 48 Stunden zu evakuieren. Dazu standen 14.000 Sicherheitskräfte bereit. Ein Militärkonvoi erreichte am Morgen die Siedlung Ganei Tal, ohne auf Widerstand zu treffen. Mehr als 100 Fahrzeuge, die von einem Militärlager aus Richtung Gazastreifen aufgebrochen waren, wurden dagegen von rund 50 Demonstranten mit Blockaden aufgehalten. Polizisten und Soldaten drängten die Aktivisten von der Straße. Einige Bewohner von Ganei Tal erklärten, sie erwarteten, dass die Siedlung bis zum Nachmittag freiwillig aufgegeben werde. Bis Mittwochmorgen hatten nach amtlichen Angaben hatten 832 von 1550 registrieren Siedlerfamilien den Gazastreifen zum Ablauf einer Frist um Mitternacht verlassen.

Vier Siedlungen sind bereits vollständig leer: Dugit, Nissanit, Peat Sadeh und Bedolah. An den israelischen Rückzug nach fast 40 Jahren Besatzung knüpft sich die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Nahost-Friedensprozesses. Die Palästinenser erhalten mit dem Gaza-Streifen erstmals Land zurück, das sie für einen eigenen Staat beanspruchen. (arn)

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