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Kultur

Gaza in Berlin? - wie ein junger Israeli für seine Herkunft Prügel einsteckte

Der Israeli Yoni Yahav setzt sich seit Jahren für den Frieden zwischen Palästinensern und Juden ein. In Berlin schlägt ihn ein Palästinenser

Der Graefe-Kiez in Berlin-Kreuzberg ist bunt. Es geht multikulturell zu. Deutsche, Russen, Asiaten, Türken, Araber - und Juden leben hier. Seit Februar 2014 auch Yoni Yahav. "Berlin hat eine offene und freie Atmosphäre, wo Leute so sein können, wie sie sind", sagt der 31-Jährige. Doch den jungen Israeli zog es noch aus anderen Gründen in die deutsche Hauptstadt - er hält den Holocaust auch nach drei Generationen für nicht verarbeitet: "Da ist eine spezielle Verbindung zwischen Israel und Deutschland. Deutsche und Juden teilen die gemeinsame Erinnerung und wohl auch das gemeinsame Trauma."

Völkerverständigung als Lebensaufgabe

Gazastreifen Nahostkonflikt 29.7.2014

Wird der Gaza-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern auch in Berlin ausgetragen?

Yoni Yahav stammt aus Jerusalem-West. Die Eltern, sagt er, seien konservativ-religiös. Er selbst hält eher Distanz zur eigenen Religion. Als Schüler besuchte er ehemalige deutsche Konzentrationslager in Polen - ein Schlüsselerlebnis. Er beschloss, sich für die Völkerverständigung einzusetzen. Er unterstützte Friedens- und Bildungsprojekte in Ost-Jerusalem. Er macht mit bei den "Combatants for Peace", einer israelisch-palästinensischen Friedensinitiative. "Es ist immer besser, miteinander zu reden statt zu kämpfen", sagt Yoni Yahaf.

In Givat Haviva, einem israelischen Zentrum für Friedensstudien, lernte er Arabisch. Das Geld dafür gaben zur Hälfte seine Eltern. Den Rest finanzierte das israelische Militär. Die Streitkräfte brauchten arabisch sprechende, jüdische Soldaten, erklärt Yahav. Vier Jahre diente er bei der Armee. Danach studierte er Politik - "Middle Eastern Studies" - in Jerusalem. In Berlin möchte er seine Studien vertiefen. Doch Yoni Yahaf wollte auch die Hauptstadt der einstigen Täter kennen lernen, die "heute ein so angenehmer Ort gerade auch für Israelis ist". Bis Berlin für ihn am 24. April 2014 plötzlich zur Konfliktzone wurde.

Am Abend dieses Tages wollte er sein Fahrrad vor dem Haus anschließen, als ihn eine Gruppe palästinensischer Jugendlicher ansprach. Sie fragten ihn, woher er komme. Yahav antwortete, dass er Israeli sei. Darauf beschimpften ihn die Jungen, wie der Polizeibericht festhält, unflätig. Tags darauf bemerkte er, dass Teile am Fahrrad fehlten. Wieder tauchten die Jugendlichen vom Vorabend auf. Yoni Yahav stellte sie zur Rede. Ein Wort gab das andere. Einer der Jugendlichen schlug zu. Die Polizei kam und ermittelt nun wegen eines antisemitischen Hintergrunds. Yahaf musste zum Arzt. Für kurze Zeit reisten er und seine Freundin nach Israel.

Sich als Jude nicht verstecken

Inzwischen aber sind beide wieder in Berlin. Während ihrer Abwesenheit hatte der Täter zwei Mal an ihrer Wohnungstür geklingelt. Er wollte sich mit Pralinen und Blumen entschuldigen. Eine Kommilitonin hütete die Wohnung und nahm die Geschenke entgegen. Täter und Opfer haben sich bis heute zwar von weitem gesehen, eine Aussprache steht aber noch aus. "Ich glaube dem Palästinenser", sagt Yahav, "dass es ihm wirklich leid tut."

Yahav möchte sich, nach dem, was geschehen ist, nicht verstecken. Wird er das nächste mal gefragt, woher er stammt, will er wieder sagen: "Ich bin jüdischer Israeli." Allerdings einer, der sein Land liebt und mit den Palästinensern im Frieden leben möchte.