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Afrika

Gaye: "Die Krise in Zentralafrika muss für Deutschland Priorität haben"

In der Zentralafrikanischen Republik flammen die Kämpfe wieder auf. Ein UN-Soldat wurde getötet. Im DW-Interview spricht sich der UN-Sonderbeauftragte Babacar Gaye für mehr Unterstützung aus - auch aus Deutschland.

DW: Herr Gaye, nach der Bildung einer Übergangsregierung Ende August war es in der Zentralafrikanischen Republik zunächst ruhiger geworden. Am 15. September hat das Mandat Ihrer Mission, der MINUSCA, offiziell begonnen. Doch nun sind die Kämpfe in der Hauptstadt Bangui wieder aufgeflammt. Ein Konvoi der UN-Truppe wurde in einen Hinterhalt gelockt, ein pakistanischer Offizier wurde dabei getötet. Was unternimmt die MINUSCA, um die Gewalt einzudämmen?

Babacar Gaye: Das ist die Frage, die uns immer wieder gestellt wird, auch von Seiten der Zivilbevölkerung. Warum kann nicht alles mit dem Zauberstab der Blauhelme geregelt werden? Ich verstehe, dass sich die Bevölkerung diese Frage stellt. Und ich kann den Menschen sagen: Wir haben die Gewalt sehr gut kontrollieren können. Sie hat nicht die Ausmaße erreicht, die sie früher hatte. Das ist dank der gebündelten Anstrengungen der internationalen Truppen, aber auch der Anstrengungen der nationalen Streitkräfte möglich - auch wenn die sehr geringe Kapazitäten haben. Wir haben die Gewalt eindämmen können. Das spiegelt sich in der geringen Zahl der Toten wider, auch wenn jeder Tote ein Toter zu viel ist. Was ich nicht beantworten kann, ist die Frage, warum ein Menschenleben hier so wenig wert ist und man Leichen vor den Büros internationaler Organisationen platziert. Warum gibt es in dieser Stadt immer noch so viel Gewalt? Warum zirkulieren noch immer so viele Waffen in der Stadt? Warum diese schuldvolle Stille? Diese Fragen können nur von den Zentralafrikanern beantwortet werden. Die internationalen Truppen können nur handeln und versuchen, die Gewalt einzudämmen und die Ordnung wiederherzustellen.

Viele der Menschen in Bangui haben den Eindruck, dass die MINUSCA nur auf den Hauptstraßen patrouilliert und nicht in die Stadtviertel geht, in denen es zu Gewaltausbrüchen kommt. Bräuchte die UN-Mission eine schnelle Einsatztruppe mit einem robusten Mandat?

Babacar Gaye Foto: Niu Xiaolei

Babacar Gaye

Darüber zu entscheiden, ist Sache des Chefs der UN-Polizei. Er muss die Situation einschätzen und entscheiden, wieviele Kräfte er zur Verfügung stellen will. Aber dass so viel über diese Stadtviertel berichtet wird, hängt auch damit zusammen, dass wir dort präsent sind. Die UN-Soldaten haben Warnschüsse abgegeben und konnten so Schlimmeres verhindern. Das Mandat der MINUSCA sieht vor, dass die Soldaten schießen dürfen, wenn sie sich selbst verteidigen oder die Zivilbevölkerung schützen müssen.

Die Regierung der Zentralafrikanischen Republik hat die MINUSCA gebeten, ihre Truppenstärke zu verdoppeln. Haben Sie dieser Bitte entsprochen?

Ich habe keine formelle Bitte erhalten. Aber es ist wahr, die Präsidentin hat sehr stark darauf gedrungen, dass wir alles tun, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Und genau das machen wir gerade.

Sie haben an die Konfliktparteien appelliert, das Waffenstillstandsabkommen zu respektieren, das im Juli geschlossen wurde.

Wir sehen doch, dass es in der Stadt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Und die sind nicht spontan, sie wurden sogar vorher angekündigt. Der politische Prozess muss so schnell wie möglich wiederbelebt werden, und alle Beteiligten müssen sich einbringen. Nur dann sind Frieden und Stabilität in diesem Land möglich.

Was erwarten Sie von einem Land wie Deutschland?

Ich erwarte von Deutschland als bilateralem Partner und als Mitglied der Europäischen Union, dass es die Krise in der Zentralafrikanischen Republik als besonders dringlich behandelt. Deutschland und die EU unternehmen sehr große Anstrengungen, um Demokratie und Entwicklung zu fördern. Die Krise in der Zentralafrikanischen Republik hat bereits zu Problemen in den Nachbarländern geführt. Damit sie nicht noch mehr terroristische Gruppen anzieht, muss diese Krise dringend eingedämmt werden. Die Übergangsregierung benötigt politische Unterstützung, und die Menschen brauchen humanitäre Hilfe. In diesen Bereichen wäre es sehr wünschenswert, wenn Deutschland die Zentralafrikanische Republik weiterhin aufmerksam und großzügig betrachtet.

Deutschland gehört nicht zu den Truppenstellern der MINUSCA. Unterstützt die Bundesrepublik die UN-Mission in einer anderen Form?

Sicherlich hat Deutschland Anteil an den Hilfen der EU. Aber bilateral wäre noch viel möglich. Ich appelliere an Deutschland, die Zentralafrikanische Republik bei der Umsetzung der Wahlen, bei der Wiederherstellung des Rechtsstaats und bei der humanitären Hilfe zu unterstützen.

Wie ist die aktuelle Lage in Bangui?

Die Situation ist angespannt. Die Gewalt ist etwas abgeebbt, aber sie kann jeden Moment wieder ausbrechen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Tendenz zur Stabilisierung anhält, oder ob die jüngsten Ereignisse nur der Auftakt eines neuen Gewaltausbruchs waren.

Babacar Gaye ist UN-Sonderbeauftragter für die Zentralafrikanische Republik.

Das Interview führte Eric Topona.

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