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Aktuell Deutschland

Gauck ruft zu Zivilcourage gegen Rassismus auf

Zehn Jahre nach dem vermutlich von der Neonazizelle NSU verübten Nagelbombenanschlag in Köln haben Zehntausende ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt. Auch Bundespräsident Gauck kam und rief zu Zivilcourage auf.

Bei einer Kundgebung in der Nähe des Anschlagortes betonte Joachim Gauck auch mit Blick auf Fehler der Ermittlungsbehörden: "Mehr als zehn Jahre lang haben die Mitglieder einer rechtsextremistischen Bande unerkannt rauben, morden und Anschläge wie den in der Keupstraße tätigen können."

Ohne Angst verschieden sein

Köln beantworte den Hass der Wenigen mit dem Mitgefühl und der Solidarität der Vielen, sagte Gauck. Das dreitägige Kölner Gedenkfest am Pfingstwochenende unter dem Motto "Birlikte - Zusammenstehen" sei ein Geschenk für ganz Deutschland. Es gehe um ein "Land, in dem wir ohne Angst verschieden sein können". Jeder könne und müsse dazu im Alltag seinen Beitrag leisten.

So gelte es beispielsweise, nicht mitzulachen über einen rassistischen Witz und nicht mitzumachen bei übler Nachrede, sagte Gauck. "Wir zeigen, wie wir in unserem Land leben wollen: respektvoll und friedlich. Wir sind verschieden. Aber wir gehören zusammen", sagte Gauck im Kölner Stadtteil Mülheim, wo in der Keupstraße am 9. Juni 2004 eine mit Nägeln gespickte Bombe explodiert war.

22 Menschen wurden bei dem Anschlag, hinter dem die rechtsextremistische Terrororganisation NSU vermutet wird, zum Teil schwer verletzt. Die Polizei hatte einen rechtsextremistischen Hintergrund jahrelang ausgeschlossen und die Täter in der türkischen Gemeinschaft vermutet.

Auch ein Treffen mit Frisör Yildirim

Gauck traf bei seinem Besuch in Köln auch den Frisör Özcan Yildirim, vor dessen Salon die Bombe gezündet worden war. Er sei dankbar, dass Yildirim nach dem Anschlag nicht weggezogen, sondern in Deutschland geblieben sei, sagte Gauck. Anschließend unterhielt er sich in einem Restaurant unter Ausschluss der Medien mit anderen Bewohnern der Straße.

Der Bundespräsident erinnerte an das Leid der Opfer nicht nur durch den Terrorakt, sondern auch durch die falschen Verdächtigungen. "Wir denken heute auch daran, wie viele Betroffene sich später alleingelassen oder sogar als Verdächtige behandelt fühlen mussten, wie viel Misstrauen damals gesät wurde", sagte er. Auch er habe erst spät erkannt, "dass ein menschenfeindlicher Fanatismus umgeschlagen war in Mord - ein böses Erwachen war das!"

Gauck würdigte in diesem Zusammenhang ausdrücklich seinen Amtsvorgänger Christian Wulff, der eine erste Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt angeregt hatte, die 2012 in Berlin stattfand.

Viel Prominenz zum Abschluss

Zum dreitägigen deutsch-türkischen Kulturfest in Köln waren mehrere zehntausend Menschen gekommen. An der zentralen Abschlusskundgebung am Pfingstmontag nahmen neben Gauck auch prominente Musiker wie die Kölner Gruppe BAP, Udo Lindenberg und Peter Maffay teil. Sie konnten allerdings nicht mehr auftreten, da die Veranstaltung wegen eines Unwetters zwei Stunden früher als geplant abgebrochen werden musste.

haz/wl (dpa, epd)