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Aktuell Deutschland

Gauck: Kultur und Demokratie gegen Hass und Gewalt

2014 war ein Jahr freudvoller Momente, zugleich aber auch ein Jahr des Terrors und Leids. In seiner Weihnachtsansprache plädiert Bundespräsident Gauck für ziviles Engagement und Mitmenschlichkeit.

Bundespräsident Joachim Gauck zieht in seiner Weihnachtsansprache eine zwiespältige Bilanz des Jahres 2014. "Wir stehen am Ende eines Jahres, das uns viel Grund zur Freude bietet: Deutschland hat mehr Arbeit als je zuvor, es ist im Ausland beliebt wie nie, und Fußball-Weltmeister sind wir auch. Zugleich aber blicken wir zurück auf ein Jahr voller Friedlosigkeit, auf Kriege, Bürgerkriege, Terror und Mord, sogar unter Berufung auf die Religion."

Fast täglich höre man von getöteten Menschen und sehe das Elend unzähliger Flüchtlinge. "Wenn wir dann die weihnachtliche Botschaft hören: 'Friede auf Erden!', so klingt sie in diesem Jahr besonders dringlich. Denn wir spüren: Kein Friede ist selbstverständlich."

Frieden stiften, Leid lindern, Zukunft bauen

Der Friede, der etwa in Deutschland herrsche, sei im Gegenteil etwas Kostbares, sagt Gauck. Und das habe Konsequenzen: "Wo wir dazu beitragen können, dass Frieden erhalten oder gestiftet, dass Leid gelindert und eine bessere Zukunft gebaut werden kann, sollten wir alles tun, was in unserer Macht steht. Unsere Kultur, unsere Demokratie steht gegen Unfrieden, Hass und todbringende Gewalt."

In seiner Weihnachtsansprache führt Gauck aus, dass eine menschliche Gesellschaft die tägliche Achtung voreinander und das tägliche Achtgeben aufeinander brauche, um friedvolles Miteinander zu schaffen. "Dieses Gebot kennen auch alle Religionen, es verbindet und verpflichtet uns alle."

Mitgefühl statt Abschottung

Ein deutliches Zeichen für die Menschlichkeit in Deutschland sieht der Präsident "darin, dass es mittlerweile so viel Bereitschaft gibt, Flüchtlinge aufzunehmen." Er würdigte in diesem Zusammenhang vor allem das Engagement der zahlreichen Helfer, die sich um diese Menschen kümmern.

Und mit einem kritischen Blick auf die rechtspopulistischen Organisatoren der "Pegida"-Bewegung fügt Gauck an: "Dass wir mitfühlend reagieren auf die Not um uns herum, dass die Allermeisten von uns nicht denen folgen, die Deutschland abschotten wollen, das ist für mich eine wahrhaft ermutigende Erfahrung dieses Jahres."

Ängste ernst nehmen, aber mutig sein

Er erinnert daran, dass Ermutigung - neben dem "Frieden auf Erden" - die zweite weihnachtliche Botschaft ist. Gauck, der jahrelang als evangelischer Pastor tätig war, erinnert an die Worte der Bibel: "Der Gott, der der Welt in der Gestalt eines kleinen Kindes erschienen ist, will jede Furcht von uns nehmen. 'Fürchtet euch nicht!': Das möchte ich in diesem Jahr allen zurufen, die sich durch die Entwicklung in der Welt beunruhigt fühlen, die besorgt sind, dass wir auf etliche Fragen noch keine Antworten kennen."

Zwar solle man Ängste ernst nehmen, ihnen aber nicht folgen. Denn Angst erschwere es, Lösungswege zu erkennen. Stattdessen solle man die Weihnachtsbotschaft "auch als Aufforderung verstehen, unseren Werten, unseren Kräften und übrigens auch unserer Demokratie zu vertrauen. Und wir haben es doch schon erfahren: Wer sich den Herausforderungen stellt, findet auch Lösungen." Die friedliche Revolution in der DDR vor 25 Jahren erinnere daran, dass sich die Verhältnisse zum Besseren wenden lassen.

Dank an die Helfer im Ausland

Ängste - da macht sich der Bundespräsident in seiner Ansprache keine Illusionen - gebe es immer. "Aber wir wissen auch: Das zu leben, was wir das Humane nennen, ist tatsächlich unsere große Menschenmöglichkeit.

Dies erfahren wir immer wieder." Er erinnert an die ehrenamtlichen oder professionellen Helfer, die sich auch an Weihnachten in der Nachbarschaft, im Krankenhaus oder im Heim um Mitmenschen kümmern. "Ich denke auch an Menschen, die in den Ebola-Gebieten Afrikas tätig sind. An die vielen Entwicklungshelferinnen, an Soldaten, an Ärztinnen – an alle, die aus dieser Welt und aus unserem Land einen besseren Ort machen."

Gauck schließt seine Rede mit einem Aufruf: "Wir alle können einen Beitrag leisten, damit der Wärmestrom lebendig bleibt, ohne den die Welt kalt und friedlos wäre: Indem wir uns engagieren, wenn unsere Mitmenschen Hilfe brauchen. Indem wir Bedrohten Frieden und Verfolgten Schutz bieten. Dazu kann uns die weihnachtliche Botschaft Mut zusprechen."