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Weihnachtsansprache

Gauck: "Keine Feindbilder schüren"

Wut und Zorn über den Terror dürfen nicht in Hass und Gewalt umschlagen. Das fordert Bundespräsident Gauck in seiner Weihnachtsansprache. Er ruft stattdessen zu Augenmaß und Achtung auf.

Die traditionelle Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten steht in diesem Jahr ganz unter dem Eindruck des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz am 19. Dezember. Zwölf Menschen kamen ums Leben und 53 wurden verletzt, etliche schwer, als der mutmaßliche Attentäter Anis Amri mit einem schweren Lastwagen in die Menschenmenge fuhr. "Die vielen Toten und Verletzten auf einem Berliner Weihnachtsmarkt haben uns zutiefst erschreckt und verstört", so Joachim Gauck. Die Menschen spürten nun Wut und Zorn, Angst und Ohnmacht.

Gefühle, von denen man sich aber nicht beherrschen lassen dürfe und schon gar nicht dürften Wut und Zorn jetzt in Hass und Gewalt umschlagen. Stattdessen gehe es darum, zusammenzurücken und die Mitmenschlichkeit zu verteidigen. Wer "empfindsam, zugewandt und hilfsbereit" sei, der könne Wut und Zorn "in Kräfte verwandeln, die dem Hass, der Gewalt und der Verachtung des Anderen wehren", sagt Gauck in seiner letzten Weihnachtsansprache als Bundespräsident, die im Schloss Bellevue aufgezeichnet wurde.

Politische Auseinandersetzung mit Augenmaß

Worte, aus denen die Sorge vor einer Radikalisierung der Gesellschaft deutlich herauszulesen ist. Vor allem auch durch die politische Auseinandersetzung in der Flüchtlingspolitik. "Gerade in Zeiten terroristischer Attacken sollten wir die Gräben in unserer Gesellschaft nicht vertiefen, weder Gruppen pauschal zu Verdächtigen noch Politiker pauschal zu Schuldigen erklären", so Joachim Gauck.

Deutschland Anschlag mit LKW auf Weihnachtsmarkt in Berlin (Reuters/F. Bensch)

Für "mehr Menschlichkeit und Mitgefühl" brennt die Kerze auf dem Breitscheidplatz

Das bedeute aber nicht, auf die politische Diskussion über die Ursachen und Folgen des Anschlags zu verzichten. Sowohl über die Flüchtlingspolitik als auch über die Sicherheit in Deutschland müsse es Auseinandersetzungen geben, aber mit Augenmaß und Achtung vor dem politischen Gegner. Für den ehemaligen evangelischen Pastor Gauck hat das auch etwas mit der christlichen Weihnachtsbotschaft zu tun. "Wir sollten uns gerade in diesen Tagen besinnen auf das, was Weihnachten ausmacht und über die Christen hinaus Teil unserer Kultur geworden ist."

Dank an Viele

Die Bürger ruft der Bundespräsident dazu auf, "Vertrauen in ihr Land" zu haben und alles dafür zu tun, damit die Gesellschaft ein "Ort des solidarischen Miteinanders" bleibe. "Auch gegenwärtig, da es mit ungelösten Problemen ringt". Er beschreibe damit "keine Wunschträume", so Joachim Gauck, sondern er rede "von der Wirklichkeit". Fortlaufend begegne er Menschen, die Deutschland "durch eigenes Wirken bewohnbarer, die es verlässlich, vertrauenswürdig" machten. Das geschehe sowohl im Beruf, in der Freizeit, der Familie oder im Ehrenamt. "Diese Menschen haben mich in meinen Jahren als Bundespräsident immer zuversichtlicher werden lassen."

Deutschland Brandenburger Tor erstrahlt in Schwarz-Rot-Gold (Reuters/R. Krause )

Das Brandenburger Tor erstrahlt in den Farben Schwarz-Rot-Gold

Lobend und auch dankend erwähnt der Bundespräsident insbesondere Krankenschwestern und Pfleger, Kindergärtnerinnen und Lehrer, Soldatinnen und Polizisten. Aber auch "engagierte Gewerkschafter und verantwortungsbewusste Unternehmer, Sozialarbeiterinnen und Quartiersmanager und alle, die dem Recht Geltung verschaffen". Auch den "vielen Ehrenamtlichen, die etwa Flüchtlingen helfen und damit zeigen, dass man das Fremde nicht ablehnen und abweisen muss, um das Eigene zu bewahren und zu leben" sei zu danken. Gerade in unsicheren Zeiten wisse die Gesellschaft das "zuverlässige Wirken" dieser Menschen zu schätzen. "Nicht weil sie etwas Außergewöhnliches tun, sondern weil sie das Gewöhnliche außergewöhnlich gut tun."

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