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Aktuell Europa

Gauck gedenkt SS-Opfern in Italien

Die SS verübte im August 1944 ein Massaker in der Toskana. Mit Joachim Gauck ist erstmals ein Bundespräsident nach Sant'Anna gereist. Er gedachte gemeinsam mit Italiens Staatspräsident Napolitano der etwa 560 Toten.

Bundespräsident Joachim Gauck und der italienische Staatschef Giorgio Napolitano haben bei ihrem Besuch in Sant'Anna di Stazzema gemeinsam an das schwere Kriegsverbrechen der Nationalsozialisten erinnert. In dem kleinen Bergdorf hatten am 12. August 1944, in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs, SS-Truppen innerhalb weniger Stunden alle Häuser zerstört und etwa 560 Menschen getötet.

Gauck reiste eigens zu dem Besuch der Gedenkstätte nach Italien. In einer kurzen Ansprache sagte Gauck: "Das Verbrechen, das hier stattgefunden hat, schreit bis heute zum Himmel". Es verletze das Empfinden für Gerechtigkeit tief, wenn Täter nicht überführt und bestraft werden könnten, weil die Instrumente des Rechtsstaats dies nicht zuließen.

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Italien: Gauck und Napolitano gedenken SS-Opfern

Das Massaker von Sant'Anna di Stazzema war eines der schlimmsten Nazi-Kriegsverbrechen in Italien. Viele Flüchtlinge hatten in dem abgelegenen Bergdorf nahe Lucca Zuflucht vor der Gewalt des Krieges gesucht. Am 30. Juli 1944 kam es in der Nähe des Dorfes zu einem Gefecht zwischen deutschen Truppen und italienischen Partisanen, das die Deutschen zum Rückzug zwang. Am 12. August gingen die Truppen der Waffen-SS mit großer Grausamkeit gegen die Bevölkerung vor. Nach Angaben von Augenzeugen wurden Hunderte Menschen erschossen oder mit Handgranaten umgebracht - vor allem Alte, Frauen und Kinder. Viele Männer waren geflohen und hatten sich in den Wäldern versteckt.

Sant'Anna wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem wichtigen deutsch-italienischen Ort der Erinnerung an die Gräueltaten deutscher Truppen in Italien während der Nazi-Zeit. Äußerst schwierig gestaltete sich die noch immer nicht abgeschlossene juristische Aufarbeitung dieses Kriegsverbrechens.

Täter weiter unbehelligt

Das Massaker wurde im Kalten Krieg lange verschwiegen und von Italiens Justiz nicht verfolgt. Die Akten lagerten bis zum Jahr 1994 in einem versiegelten, nicht zugänglichen Schrank der Militärstaatsanwälte in Rom, dann auch der "Schrank der Schande" genannt. Ein Prozess fand danach zwar statt, zehn ehemalige SS-Angehörige wurden von einem Militärgericht in La Spezia im Juni 2005 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Da Deutschland aber keine eigenen Staatsbürger ausliefert, hatte das Urteil für die mutmaßlichen Täter keine Konsequenzen. So leben denn auch einige von ihnen bis heute unbehelligt in der Bundesrepublik.

Lange Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft wurden 2012 eingestellt. Die Staatsanwaltschaft hatte im Oktober vergangenen Jahres entschieden, es könne nicht mit ausreichender Sicherheit nachgewiesen werden, dass es sich bei dem Massaker der Panzergrenadierdivision "Reichsführer SS" um eine "befohlene Vernichtungsaktion gegen die Zivilbevölkerung" gehandelt habe. Den Beschuldigten könne keine noch nicht verjährte strafbare Beteiligung nachgewiesen werden. Dagegen legte ein Überlebender des Massakers im Januar Beschwerde ein.

qu/nem (dpa, afp)

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