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Aktuell Europa

Gauck erinnert in Prag auch an Vertreibung

Nazi-Gräuel aber auch die Vertreibung der Sudetendeutschen haben das deutsch-tschechische Verhältnis belastet. Bundespräsident Gauck blickt in Theresienstadt und Prag in Vergangenheit und Zukunft.

Bundespräsident Joachim Gauck hat am zweiten Tag seines Staatsbesuchs zusammen mit dem tschechischen Präsidenten Milos Zeman das frühere Konzentrationslager und Ghetto in Theresienstadt besucht, in dem während der Nazi-Besatzung Zehntausende ums Leben kamen.

Gauck betonte, er wolle mit dem Besuch zeigen, dass Deutsche sich an Schuld und Verbrechen der Nazizeit erinnerten. "Aber das sind heute andere Deutsche", sagte er. Theresienstadt war nach der Wannseekonferenz 1942 auch ein Durchgangslager für mehr als 100.000 Juden aus Deutschland und anderen europäischen Ländern, die später in die Vernichtungslager im Osten transportiert wurden.

Gauck erinnert an Vertreibung

Zuvor hatte Gauck in einer Rede an der Karls-Universität in Prag an die deutsche Besatzung des Landes im 2.Weltkrieg, an die Verbrechen Nazi-Deutschlands aber auch an die Vertreibung der Sudetendeutschen erinnert.

"Es ist gar keine Frage, dass die Geschichte der tschechisch-deutschen Beziehungen auch eine Geschichte des Leids ist." Deshalb erscheine es manchmal "wie ein Wunder", dass beide Länder den Mut zu Verständigung und Versöhnung gefunden hätten, betonte der Bundespräsident.

Zum Schicksal der Sudetendeutschen nach dem 2. Weltkrieg sagte der Bundespräsident: "Flucht, Vertreibung, Zwangsaussiedlung, ethnische Säuberung - wie immer Sie es nennen mögen." Nach den nationalsozialistischen Verbrechen und der Befreiung 1945 hätten die Deutschen in der Tschechoslowakei ihre Heimat verlassen müssen - "Schuldige und Unschuldige zugleich".

Gauck erinnerte aber auch an die vielen Tschechen, die ihren deutschen Mitbürgern 1945 Schutz geboten hätten, und daran, dass Tschechien 2005 seine Anerkennung gegenüber sudetendeutschen Widerstandskämpfern und Verfolgten des Naziregimes zum Ausdruck gebracht habe.

Bundespräsident Joachim Gauck (r) hält am im Karolinum der Karls-Universität in Prag eine Rede zu Europa ( Foto: dpa)

Bundespräsident Gauck bei seiner Rede in der Prager Karls-Universität

"Vorbild Havel"

Der Bundespräsident, der in der ältesten Universität Mitteleuropas mit einer Gedenkmedaille ausgezeichnet wurde, würdigte den Widerstand der Tschechen gegen die Nazis ebenso wie gegen das kommunistische Regime. Er erinnerte an die Selbstverbrennung des Studenten Jan Palach 1969 und an den Dissidenten und späteren Präsidenten Vaclav Havel, den er ein "großes Vorbild" nannte. Havel habe mitgeholfen, eine friedliche Zukunft von Tschechen und Deutschen in einem gemeinsamen Europa möglich zu machen.

Am Mittwoch besucht Gauck ein Werk des zum Volkswagen-Konzerns gehörenden Autobauers Skoda und kehrt nach einer Diskussion mit Schülern und Intellektuellen am Abend nach Berlin zurück.

re/uh (dpa, ap)