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Aktuell Deutschland

Gauck erinnert an DDR-Flüchtlinge in Marienfelde

Viele DDR-Flüchtlinge kamen mit einem Koffer in den Westen, andere mit noch weniger. Um ihnen zu helfen, wurde vor 60 Jahren in Marienfelde eine Notaufnahme eröffnet. Bundespräsident Gauck kam zum Erinnerungstag.

Marienfelde verkörpere eines der schmerzhaftesten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte, betonte Bundespräsident Joachim Gauck. Täglich seien Tausende geflohen, die wenigsten hätten Abschied nehmen können. "Es kam, wer sich nicht abfinden wollte und konnte mit Bevormundung und Unterdrückung, mit Unrecht und Leid."

Bundespräsident Joachim Gauck beim Empfang in Marienfelde (Foto: (picture-alliance/dpa)

Bundespräsident Gauck beim Empfang in Marienfelde

In der heutigen Erinnerungsstätte hob Gauck dabei auch die Integrationsleistung der alten Bundesrepublik hervor, die bis 1989 neben vier Millionen DDR-Flüchtlingen auch die doppelte Anzahl an Vertriebenen, Hunderttausende von Aussiedlern und Millionen von ausländischen Arbeitskräften aufgenommen habe. "Viele von uns haben also im weiteren Sinne eine Migrationsgeschichte", unterstrich Gauck. "Das sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn wir heute wieder über Flüchtlinge und Zuwanderer sprechen."

Das schmale Tor zur Freiheit

Am 14. April 1953 hatte der damalige Bundespräsident Theodor Heuss das Flüchtlingswohnheim eröffnet. Das sogenannte schmale Tor zur Freiheit im einstigen West-Berlin passierten bis zum Ende der DDR nach Angaben der Erinnerungsstätte 1,35 Millionen DDR-Flüchtlinge und Übersiedler aus Osteuropa.

Für Flüchtlinge aus der DDR war Marienfelde die erste Station, in der sie zunächst untergebracht und versorgt wurden. "Wer über Ost-Berlin in den Westen kam, durchlief Marienfelde", betonte die Leiterin der Erinnerungsstätte, Bettina Effner.

Zimmer im Aufnahmelager Marienfelde, Dauerausstellung Text: Verschwunden und vergessen. Flüchtlingslager in West-Berlin. Ausstellung in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde. Suchbegriffe: Flüchtlingslager, Flüchtlinge, DDR, Marienfelde Aufgenommen am 03.08.2011 von Nikita Jolkver und von mir auch freigegeben für DW.

Fürs erste nur ein karges Zimmer - dafür aber in Freiheit

Lange Warteschlangen vor dem Lager

Sie ergänzte: "Das Flüchtlingswohnheim war in den ersten Jahren chronisch überbelegt" und das zeigen auch die Fotos in der Dauerausstellung. Zu sehen sind lange Schlangen am Eingang des Notaufnahmelagers. 26 Wohnblocks wurden errichtet. Behörden und Institutionen richteten Büros ein, um den Flüchtlingen Irrwege durch die Stadt zu ersparen.

Ehepaare bekamen in den 50er Jahren im Monat acht Mark Taschengeld, viele Berliner spendeten Kleidung. Nach dem Mauerbau 1961 riss der Zustrom ab. Eine Flucht aus der DDR wurde durch den Bau der Mauer nahezu unmöglich. 1984 wurde es allerdings noch einmal sehr eng im Notaufnahmelager. In diesem Jahr hatte die DDR-Führung schlagartig 30.000 Bürger ausreisen lassen.

haz/rb (dpa, epd)

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