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Aktuell Kultur

Gauck eröffnet Historikertag

Gewinner und Verlierer - das ist das Motto des 50. Deutschen Historikertags. Bundespräsident Gauck fordert bei der Eröffnung, für die Errungenschaften der Vergangenheit zu kämpfen - und auch den Verlierern zuzuhören.

50. Deutscher Historikertag Von rechts: der Vorsitzende des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, Martin Schulze Wedel, Bundespräsident Joachim Gauck, der Vorsitzende des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands, Ulrich Bongermann, und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) (Foto: Picture-alliance/dpa)

Von rechts: der Vorsitzende des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, Martin Schulze Wedel, Bundespräsident Joachim Gauck, der Vorsitzende des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands, Ulrich Bongermann, und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)

In seiner Festrede an der Universität Göttingen widmete sich Joachim Gauck der Bedeutung von Geschichte für unser Leben heute. "Lange vor uns sind die Kämpfe ausgetragen worden, die auch uns heute noch Freiheiten schenken, für die wir selber nicht streiten mussten. Lange vor uns sind Leistungen erbracht worden, aufgrund derer wir heute Wohlstand, Frieden und Sicherheit genießen", sagte er. Die Errungenschaften seien aber zerbrechlich und müssten immer wieder verteidigt und erneuert werden.

Zwar seien wir nicht verantwortlich für die Vergangenheit, aber für den Umgang mit ihr. "Wir sind sozusagen kognitive Geschichtsgewinner. Oder vielmehr: Wir können es sein, wenn wir bereit sind, zu lernen und genau hinzuschauen", sagte Gauck mit Blick auf die Weltkriege des letzten Jahrhunderts.

Plädoyer für ausgeglichene Geschichtsschreibung

Damit man etwas aus der Geschichte lernen könne, dürfe man sie aber nicht nur aus der Sicht der Sieger erzählen. Auch die Geschlagenen müssten zu Wort kommen. "Es liegt auch an uns, ob wir auf Kosten anderer siegen oder ob wir dafür sorgen, dass möglichst viele zu Gewinnern werden", so Gauck weiter. Auch die Verlierer müssten eine gerechte Chance bekommen.

Der Historikertag findet alle zwei Jahre an wechselnden Orten statt und zählt zu den größten geisteswissenschaftlichen Tagungen in Europa. Der diesjährige 50. Deutsche Historikertag an der Universität Göttingen beschäftigt sich noch bis Freitag mit den Gewinnern und Verlierern gesellschaftlicher Prozesse.

Die angekündigten Vorträge reichen von der Darstellung von Sieg und Niederlage in der Antike über mittelalterliche "Warlords" bis hin zum Thema Sexualität und Homosexualität im 20. Jahrhundert. Sportliche Veranstaltungen sollen ebenso thematisiert werden wie das Verhältnis des Internetlexikons Wikipedia zur Geschichtswissenschaft. Die Organisatoren erwarten über 3000 Teilnehmer aus dem In- und Ausland. Veranstaltet wird der Historikertag vom Verband der Historiker und Historikerinnen in Deutschland und dem Verband der Geschichtslehrer Deutschlands.

chr / sh (epd, 50. Deutscher Historikertag 2014)