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Das Erbgut des Menschen ist entziffert. Ein internationales Forscherteam hat die Aufschlüsselung des menschlichen Genoms abgeschlossen. Nun gilt es, den Sinn der entschlüsselten Erbinformationen richtig zu verstehen.

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Außerordentliche Möglichkeiten

Knapp drei Jahre nach der Veröffentlichung einer Arbeitsversion des menschlichen Bauplans haben Wissenschaftler der Human-Genom-Organisation (HUGO) nun die Zusammensetzung der menschlichen Gen-Sequenz zu 99,99 Prozent aufgeschlüsselt – so weit, wie unter den derzeitigen technischen Voraussetzungen möglich.

3 Milliarden Bausteine

DNS Modell, Genetik

DNA Molekül Modell

Die öffentlich geförderten Genom-Forscher aus den USA, China, Deutschland, Japan, Großbritannien und Frankreich haben ihr Ziel erreicht. Pünktlich zum 50. Jubiläumsjahr der Entdeckung des Erbmoleküls DNS (Desoxyribonukleinsäure) steht die endgültige Abfolge (fast) aller drei Milliarden Erbgut-Bausteine im Genom des Menschen nun fest.

Das Ergebnis der 13-jährigen Arbeit im Labor überreichte der Leiter des Nationalen Human-Genom-Forschungsinstitutes Francis Collins bei einer Feierstunde in Washington symbolisch der Öffentlichkeit. In einer gemeinsamen Stellungnahme betonten die Regierungschefs der beteiligten Länder, dass die Sequenz kostenlos und für jederman im Internet frei zur Verfügung stehe.

Maßgeschneiderte Medikamente

Menschliche Stammzellen

Arbeit im Labor

Von der Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes profitieren sollen besonders Patienten, Mediziner und die Pharmaindustrie. Mediziner hoffen auf die Identifikation von Erbanlagen für Krankheiten wie Krebs oder Diabetes. Sie versprechen sich eine effektivere Bekämpfung und die Entwicklung von maßgeschneiderten Medikamenten mit wenigen bis gar keinen Nebenwirkungen.

"Das menschliche Genom zu vervollständigen ist ein entscheidender Schritt auf einem langen Weg, aber die sich daraus ergebenden medizinischen Möglichkeiten könnten außerordentlich sein," sagte der Direktor des an dem HUGO-Konsortium beteiligten britischen Welcome Trust Sanger Institute, Allan Bradley, am Montag (14.4.2003) in London.

Aufschlüsselung für alle

Intensivstation

Intensivstation Krankenhaus

Bereits die Rohfassung des Erbgutes vor knapp drei Jahren hatte es Wissenschaftlern ermöglicht, eine Mutation zu entdecken, die eine tötliche Form von Hautkrebs hervorruft. Die Wissenschaftler der HUGO wollen die Kosten für individuelle Genom-Sequenzen in Zukunft soweit senken, dass jeder Interessent sein eigenes Erbgut für maximal 1000 Dollar (930 Euro) aufschlüsseln und auf Anlagen für bestimmte Krankheiten analysieren lassen kann.

Trotz des Erfolges beginnt für die Wissenschaftler jetzt die schwierigere Arbeit. Schließlich gilt es, den Sinn der rund 3 Milliarden Bausteine des Genoms auch zu verstehen. Denn bisher stehen die Buchstabenfolgen der Gene lediglich in einer langen Reihe auf den Computerservern der HUGO. Einer weitgehend automatischen Sequenzierung des Genoms folgt nun die hoch komplizierte Entwirrung der Bestandteile des Erbgutes.

Fragen über Fragen

Der renommierte Biologe Jens Reich warnt bereits vor überzogenen Erwartungen. "Es ist möglich, dass das Zusammenspiel der Gene so kompliziert ist, dass es sich prinzipiell nicht erfassen lässt," erklärt der Professor vom Max-Delbrück-Zentrum in Berlin. Auch Lee Rowen, Mitarbeiterin am Institut für Systembiologie in Seattle und verantwortlich für die Sequenzierung der Chromosomen 14 und 15 formuliert vorsichtig: "Das Genomprojekt wird nie beendet sein, weil die Grenzen des Erbgutes offen sind und weil die Antworten von heute nur neue Fragen aufwerfen." (mb)

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