1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Gastkommentar: Wer hat Angst vor der iranischen Bombe?

Ein Iran mit Atomwaffen wäre ein Albtraum: Es käme zu einem einen Rüstungswettlauf, die Ölpreise würden steigen und der Terrorismus zunehmen, meint Jeffrey Gedmin in seinem Gastkommentar.

default

Jeffrey Gedmin, Leiter des amerikanischen Aspen Instituts Berlin

Der US-Senator John McCain, ein Republikaner aus Arizona, kann sich im Konflikt mit dem Iran nur eine Sache vorstellen, die schlimmer wäre als die Anwendung militärischer Gewalt: Einen Iran mit Nuklearwaffen. Warum wäre eine iranische Atombombe so gefährlich?

Wozu braucht der Iran Atomkraft?

Die USA und Europa sind sich eigentlich einig. Teheran behauptet, es wolle Nukleartechnik ausschließlich zu friedlichen Zwecken nutzen. Keiner glaubt den Mullahs das. Das Land sollte genug Öl- und Gasvorräte haben, um seine Energieversorgung für einige hundert Jahre sicherzustellen. Es gibt weitere Gründe, der Regierung in Teheran zu misstrauen. Der Iran hat über 18 Jahre lang mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Katz und Maus gespielt. Man hört, dass der Iran in dem am Freitag erwarteten Bericht der IAEA schon wieder schlechte Noten bekommen wird.

Nuklearer Rüstungswettlauf

"Aber Indien, Pakistan und Israel sind doch auch Nuklearmächte", hört man oft. Warum also nicht der Iran? Folgt man dieser Logik (und lässt dabei für einen Moment außer Acht, dass sich der Iran durch die Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrages (NPT) verpflichtet hat, nicht an Atomwaffen zu arbeiten), sollte man Folgendes überdenken:

Erstens ist in dem Fall, dass der Iran an die Bombe gelangt, ein nuklearer Rüstungswettlauf zu erwarten. Saudi Arabien, Ägypten und die Türkei (und vielleicht auch Syrien, Algerien und der Irak) wären schwer davon zu überzeugen, dass für sie die Atombombe keine Option ist. Das war wohl einer der Hauptgründe dafür, dass Joschka Fischer den Gedanken an eine iranische Atombombe als schlimmsten vorstellbaren Albtraum bezeichnete.

Zweitens ist zu erwarten, dass ein ermutigter Iran sich noch mehr im Irak und in Afghanistan einmischt. Den Mullahs mag an Stabilität in der Region gelegen sein, aber sie haben bestimmt etwas gegen Demokratie und dem Westen freundlich gesonnene Regierungen. Kurzfristig wären mehr tote Amerikaner (und Deutsche) zu erwarten.

Höhere Ölpreise

Drittens wären höhere Ölpreise wahrscheinlich, warnt Henry Sokolski, Direktor des Nonproliferation Policy Education Centre in Washington. Sokolski traut einem atomaren Iran zum Beispiel zu, Saudi Arabien, den größten Erdöllieferanten der Welt, unter Druck zu setzen oder die Ölpreise vielleicht sogar durch eine Blockierung internationaler Seewege dramatisch nach oben zu treiben.

Schließlich könnte es zu verstärkter Terroraktivität kommen. Zum einen unterstützt der Iran weiterhin maßgeblich den palästinensischen Terrorismus. Aber die iranische Regierung hat in den 1980-er und 1990-er Jahren auch Anschläge in Europa verübt. Außerdem liegen Beweise vor, dass die Iraner erst vor kurzem - im Jahr 2004 - versuchten, Terrorgruppen bei der Auswahl von Zielen in den USA zu helfen.

Grund zur Sorge

Man hört immer wieder das Argument, der Iran habe aufgrund der US-Präsenz im Irak und in Afghanistan berechtigte Sicherheitsbedenken, die das Atomprogramm rechtfertigten. Ich bezweifle das. Der Iran arbeitete schon lange vor der Stationierung von US-Truppen in diesen beiden Ländern an der Bombe. Der iranische Präsident Ahmadinedschad will Israel von der Landkarte löschen. Die Mullahs verkünden, sie wollen den Iran zu einer regionalen Hegemonialmacht machen. Dem Präsidenten zufolge will der Iran noch mehr. Er spricht von der aufsteigenden islamischen "Supermacht" und dem herannahenden "Kampf der Kulturen." Wenn Wahnsinn und moderne Technologie zusammenfinden, besteht Grund zur Sorge.

Jeffrey Gedmin leitet das Aspen Institute Berlin, eine gemeinnützige, unabhängige Organisation für internationale Angelegenheiten und transatlantische Beziehungen. Der Politologe promovierte an der Georgetown Universität (Washington DC). Seine Artikel zu Außen- und Verteidigungspolitik sind in zahlreichen renommierten amerikanischen und europäischen Zeitungen und Zeitschriften erschienen.

Die Redaktion empfiehlt