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Welt

Gastkommentar: Wem nutzt der Wandel zwischen den USA und Kuba?

Die Aufnahme von Beziehungen zwischen Kuba und den USA ist als historisches Ereignis vergleichbar mit der kubanischen Revolution von 1959, meint Exil-Autor Amir Valle. Aber wer davon profitiert, ist noch nicht geklärt.

53 Jahre lang waren Kuba und die USA politische Feinde. Obwohl die Wirtschaftsblockade gegen die Insel noch lange nicht beendet ist und Kuba weiterhin auf der amerikanischen Liste der "Länder, die den Terrorismus unterstützen" steht, lässt die neue Politik der Annäherung die Menschen auf Kuba hoffen.

27.11.2014 DW Quadriga Amir Valle

Der kubanische Exil-Autor Amir Valle

Doch es gilt zwischen den Zeilen zu lesen: Staatschef Raúl Castro versicherte bereits, dass in den Verhandlungen mit Washington keinesfalls auf "kubanische Prinzipien" verzichtet worden sei. Die Voraussetzung für die neue Politik - der Austausch des auf Kuba inhaftierten US-Unternehmers Alan Gross gegen kubanische Häftlinge in den USA und die Rückkehr dieser "Kämpfer gegen den Imperialismus" - wurden in der kubanischen Presse als ein Sieg der Regierung gefeiert. So ist bis auf weiteres völlig unklar, ob und wie Kuba auf die Vorschläge von US-Präsident Obama reagieren wird - ganz gleich, ob es um Migration, das Gesundheitssystem, Verkehr, Handel oder den Informationsfluss zwischen den beiden Nationen geht.

Opposition besorgt

Schon in den vergangenen Monaten hatten sich wichtige Vertreter der kubanischen Exilanten besorgt darüber gezeigt, dass Obama "übermäßig entspannt" gegenüber der Insel wirke, was Kuba ganz anders erwidere. Sie verlangten von Kuba echte Offenheit für Dialog; die Freilassung von Alan Gross war dabei nur eine von vielen Forderungen an den Inselstaat. So bleibt die größte Sorge der Oppositionsgruppen auf der Insel und im Exil die fehlende Demokratie auf Kuba. Ob sich durch eine diplomatische Annäherung an die USA und vielleicht auch an Europa tatsächlich etwas grundlegend verbessert, bleibt abzuwarten.

Eine Aufhebung der Wirtschaftsblockade könnte zweierlei bewirken: Auf der einen Seite könnte sich die kubanische Wirtschaft positiv entwickeln und Kuba sich damit nach fünfzig Jahren endlich von den Fesseln des Embargos befreien. Andererseits könnte damit auch ein Regime gestärkt werden, das bisher jegliche Opposition unterdrückt hat.

Profitiert am Ende nur das Castro-Regime?

Die Annäherung beider Staaten hat Jubel bei denjenigen ausgelöst, die jahrelang dafür plädiert haben, dass Washington und Havanna ihre Feindseligkeiten überwinden müssten. Gleichzeitig hat sie aber diejenigen alarmiert, die befürchten, dass diese Entwicklung das Castro-Regime sowohl moralisch als auch wirtschaftlich stärken könnte. Damit wäre nur eines erreicht: Ein weicher Übergang von der alten zur neuen Herrschaft der Castro-Anhänger. Ohne jede Berücksichtigung der Opposition, die sich in den vergangenen beiden Dekaden entwickelt hat. Genau diesen Übergang aber bereitet das Castro-Regime seit fünf Jahren vor.

Amir Valle, Jahrgang 1967, ist kubanischer Schriftsteller und lebt - nachdem ihm die Rückreise in seine Heimat untersagt wurde - seit 2006 in Deutschland.

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