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Standpunkt

Gastkommentar: Keine militärische Rache an Nordkorea

Um den Tod des US-Studenten Otto Warmbier in Nordkorea zu sühnen, müssen Amerika und vor allem China dafür sorgen, dass Kim Jong-un vor Gericht gestellt wird, meint Peter Sturm von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Nordkorea US-Student Otto Warmbier zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt (Reuters/Kyodo)

Otto Warmbier im März vergangenen Jahres in Pjöngjang bei seiner Verurteilung zu 15 Jahren Arbeitslager

Vor gut 100 Jahren wäre die Sache kurz und schmerzvoll erledigt worden: Die Großmacht hätte ein Kanonenboot oder eine größere Einheit vor die Küste des renitenten kleinen Landes geschickt. Diese Einheit hätte dann einen Hafen oder eine andere wichtige Anlage in Trümmer geschossen und damit die "Ehre" der Großmacht verteidigt.

Von einer solchen "Lösung" kann Präsident Donald Trump im Fall des nach dem Aufenthalt in einem nordkoreanischen Gefängnis gestorbenen Studenten Otto Warmbier nur träumen. Wir sollten hoffen, dass er nicht einmal davon träumt, in Nordkorea irgendetwas in Trümmer schießen zu lassen. Zum einen aus grundsätzlichen Erwägungen, zum anderen deshalb, weil Nordkorea noch drei weitere Amerikaner als Geiseln festhält. Trump würde also Landsleute unmittelbar gefährden, wenn er sich zu einem Rachefeldzug entschlösse.

Sturm Peter Frankenberger Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Peter Sturm ist Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Nun ist freilich das, was mit Warmbier in Nordkorea veranstaltet wurde, ein strafrechtlich relevanter Tatbestand. Es handelt sich mindestens um unterlassene Hilfeleistung, wahrscheinlicher aber um Totschlag oder gar um Mord. Besonders schlimm ist der Fall deshalb, weil das angebliche Verbrechen Warmbiers selbst bei bösestem Willen nur als Lappalie anzusehen ist. Wer oder was genau dafür gesorgt hat, dass der Student in ein Wachkoma fiel und schließlich vor einigen Tagen starb, wissen nur die nordkoreanischen Behörden. Die politische Verantwortung aber trägt Staatsführer Kim Jong-un. Er stiftet seine Untergebenen durch tägliche Hetze gegen alles Ausländische letztlich zu Straftaten an. Deshalb sollte er sich dereinst vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten müssen.

Das klingt einstweilen utopisch, ist aber der einzig richtige Weg. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen einige Akteure über ihre Schatten springen. Donald Trump darf nicht einem - durchaus nachvollziehbaren - Instinkt zum Zurückschlagen folgen. Vor allem aber muss die Volksrepublik China einsehen, dass es in ihrem unmittelbaren Interesse liegt, das Regime in Pjöngjang zu verändern. Niemand wird Peking nämlich glauben, dass es konstruktiv an Konfliktlösungen mitarbeiten will, wenn es in seinem unmittelbaren Einflussbereich offenkundige Verbrechen straflos geschehen lässt. Alle Beteiligten müssen nur wollen.

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