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Gastkommentar: Hillary für die Demokraten

Mit Hillary Clinton schicken die US-Demokraten erstmals eine Frau ins Rennen um das Weiße Haus. Dass ihr Konkurrent dabei Donald Trump ist, könnte Clintons Vorteil sein, meint Volker Depkat.

Sie hat's geschafft: Hillary Rodham Clinton ist nun auch offiziell die Präsidentschaftskandidatin der Demokratischen Partei. Nach einem aufreibenden, lange Zeit offenen und in jeder Hinsicht hart geführten Vorwahlkampf gegen einen überraschend starken Bernie Sanders, hat der Parteitag der Demokraten in Philadelphia die ehemalige First Lady mit 2842 Stimmen, bei 1865 Stimmen für Sanders, nominiert.

Angesichts des kurzatmigen Hin und Her des Vorwahlkampfes, mit seinen vielen unvorhergesehen Entwicklungen und überraschenden Wendungen, ist es leicht zu vergessen, wie langfristig und gezielt Hillary Clinton diese Kandidatur vorbereitet hat. Ihre Ehe mit Bill Clinton war ungeachtet aller emotionalen Zuneigung immer auch eine politische Partnerschaft, die das Ziel hatte, die Karrieren beider systematisch voranzutreiben. Diese Arbeitsgemeinschaft war ungemein effizient - viel effizienter noch als die von Franklin D. und Eleanor Roosevelt in den 1920/30er Jahren.

Knallharter Karriereplan

Volker Depkat

Volker Depkat ist Professor für Amerikanistik an der Universität Regensburg

Zunächst stellte Hillary Clinton ihre eigenen Pläne hinten an, um die politische Karriere von Bill Clinton voranzutreiben, zunächst während seiner Zeit als Gouverneur in Arkansas, dann im Präsidentschaftswahlkampf 1992, und schließlich als First Lady zwischen 1993 und 2001. Gleichwohl blieb sie stets als eigenständiger politischer Akteur an der Seite von Bill sichtbar und aktiv. Sie war die "politischste" First Lady, die je im Weißen Haus residiert hat.

Nach dem Ende der Clinton-Präsidentschaft stellte Bill sich dann ganz in den Dienst der Karriere seiner Frau. Sie kandidierte erfolgreich für das strategisch wichtige Amt der Senatorin von New York, startete 2008 einen ersten Versuch, Präsidentin zu werden, stellte sich als dann Außenministerin loyal in den Dienst von Präsident Barack Obama, trat dann aber nach der ersten Amtsperiode so rechtzeitig zurück, dass sie ihre zweite Präsidentschaftskandidatur in Ruhe - und in gebührendem Abstand zu Obama - vorbereiten konnte.

Hillary wärmt die Herzen nicht

Diese beharrliche Zielstrebigkeit, die sie durch alle Krisen und Rückschläge hinweg zur Präsidentschaftskandidatin gemacht hat, ist zweifellos eine große Stärke Hillary Clintons und Ausweis ihrer Führungskraft. Sie ist aber auch der Grund dafür, warum sie von vielen als kalt, berechnend und opportunistisch gesehen wird.

Anders als Barack Obama vor acht Jahren wärmt Hillary Clinton die Herzen ihrer Wähler nicht. Es ist unvorstellbar, dass sie jemals so etwas wie den "Yes-We-Can"-Enthusiasmus des damals als Heilsbringer verehrten Obama lostreten könnte.

Kaum einer so unbeliebt wie Clinton

Im Gegenteil, niemand, der sich je um die amerikanische Präsidentschaft beworben hat, war im vornherein schon so unbeliebt wie Hillary Clinton, und es macht die Sache nicht besser, dass der Kandidat der republikanischen Partei, Donald Trump, kaum beliebter ist. Wenn die Amerikanerinnen und Amerikaner also für Hillary Clinton stimmen, dann geschieht das vom Kopf her, nicht aus dem Bauch heraus.

Mit der Nominierung Hillary Clintons beschert der Parteitag der Demokraten den USA innerhalb von acht Jahren ein zweites Mal das, was man dort "a first" nennt, ein historisches erstes Mal also. Nachdem sie vor acht Jahren zum ersten Mal einen Schwarzen als Präsidentschaftskandidaten nominierten, haben die Delegierten nun, nach 227 Jahren Präsidentschaftsgeschichte, die erste Frau aufs Schild gehoben.

Trump könnte die Mitte verschrecken

Allerdings werden nur die wenigsten Amerikanerinnen und Amerikaner im November für Hillary Clinton stimmen, weil sie eine Frau ist. Das hat zum einen damit zu tun, dass die Frage, was "Frau-Sein" im heutigen Amerika bedeutet, eine der wesentlichen Fragen ist, die das Land politisch polarisiert. Hillary Clinton steht für einen liberalen, auf volle Gleichstellung der Frau in allen Lebensbereichen drängenden Feminismus, der vom konservativen Lager bis aufs Messer bekämpft wird, und das keinesfalls nur von den Männern. Ins Auge sticht vielmehr, wie sehr Hillary Clinton im Lager der konservativen Frauen verhasst ist.

Hillary Clinton polarisiert - und das wäre unter normalen Umständen das sichere Ende ihrer Ambitionen auf das Präsidentenamt, denn die Wahlen in den USA wurden - bislang jedenfalls - stets in der Mitte entschieden. Es ist heuer nun aber so, dass die Republikaner mit Donald Trump jemanden nominiert haben, der mit seinem irrlichternden Populismus und polternden Narzissmus das Potential hat, die moderate Mitte - und darüber hinaus die verschiedenen nicht-weißen ethnischen Gruppen - regelrecht zu verschrecken. Das gibt Hillary Clinton die vor einem Jahr noch kaum für möglich gehaltene Chance, sich als Kandidatin des Ausgleichs, der politischen Vernunft, der staats'männischen' Erfahrung und der Mäßigung zu präsentieren. Gegen einen republikanischen Kandidaten der Mitte wie beispielsweise Jeb Bush oder Marco Rubio wäre das unmöglich gewesen. Das Rennen um das Weiße Haus ist überraschend offen, aber Hillary Clinton hat gute Chancen es zu gewinnen.

Volker Depkat ist Professor am Lehrstuhl American Studies an der Universität Regensburg.

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