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Standpunkt

Gastkommentar: Die Hungerkatastrophe im Jemen

Die Tragödie des jemenitischen Volkes zeigt, wie verhängnisvoll die saudisch-iranische Rivalität inzwischen über dem gesamten Nahen Osten lastet, meint Rainer Hermann von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Zu lange hat die Welt weggeschaut und hat nichts unternommen. Schließlich ist der Jemen weit weg und schließlich sind die Jemeniten zu arm, als dass von dort Flüchtlinge zu uns gelangen könnten. Die Weckrufe der Hilfsorganisationen verhallten ungehört. Die Welt schaute auch deswegen nicht hin, weil es kaum Fotos aus dem Bürgerkriegsland gibt.

Die größte Katastrophe seit Jahrzehnten

Der neueste Appell der Vereinten Nationen aber rüttelt gewaltig auf: Es müsse mit der größten Hungerkatastrophe seit Jahrzehnten gerechnet werden, mit Millionen von Opfern, erklärten die UN. Denn jeder vierte der 28 Millionen Jemeniten sei vom Hungertod bedroht - es sei denn, Saudi-Arabien öffne rasch den Luftraum für humanitäre Flüge und die Seehäfen für Frachtschiffe.

Autor Rainer Hermann (picture-alliance/dpa)

Rainer Hermann ist Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Saudi-Arabien hat gegen den Jemen ein umfassendes Embargo verhängt und hat dieses noch am vergangenen Wochenende verschärft. Der Grund dafür war, dass die jemenitischen Huthi-Rebellen eine iranische Rakete auf die saudische Hauptstadt Riad abgeschossen hatten. Seit das Königreich im März 2015 den Krieg gegen die Huthi-Rebellen begonnen hat, waren immer wieder Raketen aus iranischer Produktion mit kürzerer Reichweite auf saudische Städte niedergegangen. Diese Rakete auf Riad aber war zu viel, zumal die saudische Regierung behauptet, Kämpfer der ebenfalls von Iran unterstützten Hizbullah-Miliz hätten sie abgefeuert.

Die Zerstörung der Raketen, die auf Saudi-Arabien niedergehen, sind jedoch nichts gegen die Zerstörung, die der saudische Luftkrieg gegen den Jemen seit mehr als zwei Jahren anrichtet. Saudi-Arabien will verhindern, dass die Huthi-Miliz an seiner Südgrenze zu einer ständigen Bedrohung wird. Zu einer Bodenoffensive ist das Land aber nicht bereit. Der Luftkrieg allein hat die Huthis nicht vertrieben, aber er hat das Land und seine Bevölkerung in den Abgrund gestürzt.

Streit auf dem Rücken der Jemeniten

Saudi-Arabien und Iran tragen ihren Kampf um die Vorherrschaft in Nahen Osten auf dem Rücken der Jemeniten aus - eine Rivalität die inzwischen verhängnisvoll über dem gesamten Nahen Osten lastet. Jedoch hatten sich die Jemeniten zunächst selbst in einem Bürgerkrieg gestürzt. Dann ergriff Saudi-Arabien die Partei des prowestlichen Präsidenten Hadi, Iran aber die Partei der Huthi-Milizen und versorgte sie mit Waffen.

Die saudische Frage ist berechtigt, was Iran in diesem Teil der arabischen Welt zu suchen hat. Das rechtfertigt aber nicht das Leid, das in erster Linie die saudische Politik der jemenitischen Zivilbevölkerung zufügt.

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