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Gastkommentar: Deutschlands Wirtschaft braucht die Flüchtlinge

Für die deutsche Wirtschaft sind Asylbewerber und Flüchtlinge ein ungenutztes Potenzial, das schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden muss. Ein Gastkommentar von Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer.

Es ist sehr zu begrüßen, dass Bund und Länder die Flüchtlingspolitik ganz oben auf die politische Agenda setzen und weitere Schritte vereinbaren wollen.

Viele Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung nach Deutschland kommen, werden länger oder sogar für immer bei uns bleiben. Es ist im Interesse aller, alles zu tun, damit sich diese Menschen schnell in unseren Arbeitsmarkt integrieren können. Dies ist die notwendige Voraussetzung, damit sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und sich insgesamt in die Gesellschaft integrieren können.

Erleichterungen müssen her!

Die bereits von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Reformen für einen leichteren Arbeitsmarktzugang müssen rasch durch weitere Schritte flankiert werden, damit dieser auch praktisch gelingt. Dazu müssen Flüchtlinge vor allem von Anfang an beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützt und die dafür nötigen Finanzmittel bereitgestellt werden.

Ingo Kramer

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer

Der Zugang zum Arbeitsmarkt muss für Asylsuchende und Geduldete ohne Arbeitsverbot durch weitere Erleichterungen bei der so genannten Vorrangprüfung sowie eine Abschaffung des nicht mehr zeitgemäßen Beschäftigungsverbots in der Zeitarbeit vereinfacht werden. Gerade die Zeitarbeit kann in Fällen, in denen formale Qualifikationen fehlen oder noch nicht anerkannt sind, ein Weg sein, um mit praktischen Fertigkeiten und persönlichen Kompetenzen zu überzeugen.

Motivierte junge Menschen

Viele junge Menschen, die als minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland kommen, sind nicht nur bereit, sondern auch besonders motiviert, eine Ausbildung zu absolvieren. Gerade für sie darf das Asylverfahren keinen Lebensstillstand bedeuten. Zugleich gibt es viele Unternehmen, die händeringend junge Menschen für eine betriebliche Ausbildung suchen. Deswegen muss der Aufenthalt für Asylsuchende und Geduldete, die einen Ausbildungsplatz gefunden haben, grundsätzlich sichergestellt und der Zugang zu Förderinstrumenten der Berufsausbildung erleichtert werden.

Die Asylverfahren müssen weiter beschleunigt sowie die notwendigen finanziellen, personellen und strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden, damit eine gezielte Förderung, Beratung und Vermittlung in den Arbeitsagenturen und Jobcentern gelingen kann.

Ingo Kramer ist seit November 2013 Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Der 62jährige ist zudem Geschäftsführer der Firmengruppe J. Heinr. Kramer in Bremerhaven. Kramer ist verheiratet und hat vier Kinder.