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Sport

Gastgeber Österreich gilt als krasser Außenseiter

Meist werden die Gastgeber genannt, wenn die Favoriten vor großen Turnieren aufgezählt werden. Diesmal ist das anders. Von den Österreichern erwartet vor der EURO 2008 niemand, dass sie auch nur die Vorrunde überstehen.

Österreichs Nationalmannschaft vor dem Spiel gegen Deutschland (6.2.2008)

Luft nur für eine Halbzeit?
Österreichs Nationalmannschaft

Toni Polster

Toni Polster tritt auf die Euphoriebremse

Wer erinnert sich nicht an Reporter Edi Finger und sein "Tor! Tor! Tor! Tor! Tor! I wer narrisch!" Die Weltmeisterschaft 1978. Fingers Österreicher hatten gerade den Erzrivalen aus Deutschland mit 3:2 besiegt und damit aus dem Turnier geworfen. Der größte fußballerische Triumph des Alpenlandes in seiner Geschichte. Es waren die goldenen Jahre: Mit Koncilia im Tor, mit den Mittelfeldstrategen Schachner und Prohaska, mit Stürmer Krankl, der in jenem legendären Spiel gegen die Deutschen gleich zweimal traf.

Als Außenseiter zur eigenen EM

Danach kam nicht mehr viel. Die WM-Teilnahme zuletzt vor zehn Jahren in Frankreich. Vereinzelt ein paar gute Spieler: Die Bundesliga-Erfahrenen Andreas Herzog und Toni Polster waren die letzten, die es international zu Ansehen brachten. Einer wie der 95malige Nationalspieler Polster fehlt dem aktuellen Team. 44 Tore hat er geschossen. Seine Nachfahren wissen offenbar gar nicht, wie das geht. Deshalb hält Polster seine Österreicher für den "wahrscheinlich größten Außenseiter, der je bei einer EURO dabei war."

Luft nur für einen Halbzeit

Polster spielt auf Testspiel-Ergebnisse an, wie ein 1:1 gegen Malta oder ein 0:0 gegen Tunesien. Oder die schmerzliche 1:3-Heimniederlage gegen Mit-Gastgeber Schweiz im vergangenen Oktober. Wenn Österreich zuletzt positiv überraschte, dann nur für eine Halbzeit. Gegen Deutschland war das Team von Trainer Josef Hickerberger lange das Bessere - am Ende aber stand man mit leeren Händen und einem 0:3 da, gegen die Niederlande hatte man mit 3:0 geführt, aber in letzter Minute doch noch verloren.

Fussball WM 1978 Deutschland Österreich Cordoba

Die Sternstunde von Cordoba 1978: Die Österreicher bejubeln das Siegtor von Hans Krankl gegen Deutschland

Laut Toni Polster liegt die Ursache in den spielerischen Defiziten. Den immensen körperlichen Aufwand könne man nicht über 90 Minuten betreiben, und so gehe man dann in der zweiten Halbzeit regelmäßig kräftemäßig ein. "Aber die Mannschaft hat gesehen in diesen ersten 45 Minuten, dass wir eigentlich mithalten können. Und wenn wir das über 90 Minuten spielen können, was wir gegen Deutschland und Holland in der ersten Halbzeit gespielt haben, dann brauchen wir uns vor niemandem zu fürchten. Dann sind wir auch eine gute Mannschaft", macht er seinem Team Mut. Aber das Tempo über 90 Minuten durchzuhalten, wenn man sich nicht spielerisch verbessert, sei nahezu unmöglich, tritt er sofort auf die Euphoriebremse.

Besonders gegen Vorrundengegner wie Deutschland, Kroatien und Polen. Optimismus hört sich anders an: "Als Patriot, als Anhänger der Nationalmannschaft hofft man immer, dass vielleicht gerade bei der EURO der Knopf aufgeht, dass wir da vielleicht mit dem Publikum im Rücken mit der Euphorie einen Lauf bekommen, Selbstvertrauen bekommen. Aber ich glaube, es wäre vermessen, wenn man jetzt sagt: Wir überstehen diese schwere Gruppe.“

Realistische Selbsteinschätzung

Und das ist sicher keine Koketterie. Österreich liegt in der FIFA-Weltrangliste aktuell auf Rang 101. Hinter Neuseeland, den Vereinigten Arabischen Emiraten, hinter Island oder Mosambik. Der Fußball in Österreich liegt ausgerechnet jetzt auf dem Boden, wo man sich vor großem Publikum im eigenen Land präsentieren könnte.

Aber - auch 1978 hatte niemand damit gerechnet, dass ein Reporter mal narrisch werden müsste …. Ansonsten geht Österreich halt als das Land in der EM-Geschichte ein, in dem die Reporter besser sind als die Fußballspieler. Man erinnere sich an Edi Finger … Wie endete seine legendäre Reportage doch damals: "Und jetzt ist Aus, Ende, Schluss, Vorbei, Aus. Deutschland geschlagen, meine Damen und Herren!“

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