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Fokus Osteuropa

Gasstreit als Chance für Zentralasien?

Der russisch-ukrainische Gasstreit wird in Zentralasien aufmerksam verfolgt. Dort setzt man auf das Projekt Nabucco, mit dem man sich aus der Abhängigkeit von russischen Pipelines befreien will.

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Investitionen in moderne Anlagen nötig

Die zentralasiatischen Staaten, besonders Usbekistan und Turkmenistan, verkaufen ihre Energieträger vor allem an Russland. Von dort aus fließt ihr Gas weiter nach Westen. Nun könnten die zentralasiatischen Staaten von dem russisch-ukrainischen Gasstreit profitieren, meint der russische Zentralasien-Experte Arkadij Dubnow im Gespräch mit der Deutschen Welle. Sie hätten nämlich für das laufende Jahr mit Russland bereits Verträge mit sehr hohen Gaspreisen abgeschlossen. Dubnow erläutert: "Das turkmenische Gas wird nicht unter 300 Dollar pro 1000 Kubikmeter an Russland geliefert. Gasprom hat sich bereit erklärt, diesen Preis das ganze Jahr zu zahlen. Der Preis für Gas in Mitteleuropa aber ist an den Ölpreis gekoppelt. Dieser wird möglicherweise fallen. Daher ist nicht ausgeschlossen, dass Gasprom mit dem Einkauf von turkmenischem oder usbekischem Gas Verluste machen wird".

Chancen für Nabucco steigen

Der Experte macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: "Das Wichtigste ist, dass das Vertrauen in Russland und die Ukraine sinkt, während die Chancen für den Bau neuer Gasleitungen aus Zentralasien in Umgehung Russlands und der Ukraine steigen." Dubnow zufolge wird eine transkaspische Pipeline und deren Anbindung an das Nabucco-System immer wahrscheinlicher. Die turkmenische Führung werde in vollem Maße diese für sie günstige Lage ausnutzen. Aschgabad, aber auch Taschkent, wollen die Abhängigkeit vom russischen Abnehmer-Monopol überwinden, meint Dubnow.

Einfluss der EU sehr gering

Natalja Charitonowa ist Expertin beim Moskauer Zentrum zur Erforschung gesellschafts-politischer Prozesse im Postsowjetischen Raum. Sie rechtfertigt die russische Argumen-tation. "Gasprom hat erklärt, im ersten Quartal zentralasiatisches Erdgas zum Preis von 340 Dollar pro 1000 Kubikmeter zu beziehen. Somit ist die Forderung der Ukraine, den alten Preis von 250 Dollar beizubehalten, nicht zu begründen." Die EU verstehe, dass man in dieser Situation Russland und die zentralasiatischen Gaslieferanten in einem Zusammenhang sehen müsse, so die Expertin. Allerdings seien die Möglichkeiten der EU sehr gering, auf die zentralasiatischen Staaten einzuwirken.

Langfristige Projekte notwendig

Charitonowa ist überzeugt, dass die EU Turkmenistan und Usbekistan unter Druck setzen könnte, wenn es Alternativen zu den russischen Pipelines gäbe. Daher wären Investitionen in die Förderung von Energieträgern in Usbekistan und Turkmenistan sowie der Bau alternativer Pipelines eine Möglichkeit, Einfluss auf die zentralasiatischen Staaten zu nehmen. Auch die Infrastruktur der Region sei unterentwickelt. Was Usbekistan angeht, gibt es laut Charitonowa eine weitere Besonderheit: Das Land habe im Unterschied zu den anderen zentralasiatischen Ländern einen hohen Inlandsverbrauch. Um die Menge an Exportgas zu steigern, müsse Usbekistan die Fördermenge erhöhen. Das jedoch könne das Land aus eigener Kraft nicht schaffen. "Auch wenn in Usbekistan große Projekte umgesetzt werden würden, kann man erst in zehn bis 15 Jahren von einer realen Konkurrenz sprechen", unterstrich Charitonowa.

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