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Wirtschaft

Gaspipeline zwischen Iran und Europa bis 2007 entschieden

Der österreichische Energiekonzern OMV will mit der Nabucco-Pipeline Europa Gasvorkommen vor allem im Iran zugänglich machen. Russland ist darüber nicht erfreut. Ein Interview mit dem Geschäftsführer der OMV Gas.

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Im europäischen Erdgasnetz hat Österreich eine Schlüsselstellung

DW-WORLD: Im Gasstreit zwischen Russland und Ukraine haben sich die Wogen vorerst geglättet. Europa ist aber klar geworden, dass es sich nicht zu einseitig an Russland binden darf. Eigentlich müssten Sie sich doch über die Auseinandersetzung gefreut haben. Damit ist ihr Projekt Nabucco, eine Pipeline, die von den Gasfeldern des Iran über die Türkei und den Balkan nach Westeuropa führen soll, wieder ins Gespräch gebracht worden.

Otto Musilek: Über so einen Konflikt kann sich eigentlich niemanden freuen. Das Nabucco-Projekt wurde gestartet schon vor dieser kleinen Meinungsverschiedenheit zwischen Russland und der Ukraine. Glaubt man den Prognosen wird der Gasbedarf in Europa enorm ansteigen – um schätzungsweise 400 Milliarden Kubikmeter bis zum Jahr 2020. Russland wird alleine dafür nicht aufkommen können. Wir haben das Nabucco-Projekt gestartet in dem Bewusstsein, dass wir neue Quellen und alternative Transportrouten brauchen, um diesen enormen Bedarf an Erdgas zu decken.

Aber Sie müssen sich doch gefreut haben, dass beispielsweise der EU-Energiekommissar Andris Piebalgs Ihr Projekt in der Öffentlichkeit wieder so ins Gespräch gebracht hat.

Das freut mich sicherlich. Mit der EU stehen wir seit Beginn des Projektes in Kontakt. Die EU hat auch die Machbarkeits-Studie gefördert. Wir haben dafür ja von der EU Geld bekommen. Die EU ist interessiert an neuen Quellen und Routen. Es hat mich gefreut, dass Piebalgs von sich aus unser Projekt verstärkt in der Presse nennt.

Wie ist der aktuelle Stand des Nabucco-Projekts: Können Sie mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, dass die Pipeline gebaut wird?

Nein, das kann ich nicht 100 Prozent sagen. Wir haben die Machbarkeitsstudie fertiggestellt, wir haben die Trasse festgelegt, wir haben bereits eine Unzahl von Vorarbeiten geleistet. Der Grund, weshalb wir noch nicht 100 Prozent sagen können, dass die Pipeline realisiert wird, beruht auf der Tatsache, dass wir es in gewissem Maße schwer haben. Wir als Nabucco-Projektentwickler sind ein Netzbetreiber und kein Produzent oder Vermarkter von Erdgas. Deshalb ist es unsere Aufgabe, Produzenten und Vermarkter zu finden, die mit uns einen Transportvertrag abschließen. Die Pipeline kann maximal bis zu 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr transportieren. Damit der Spatenstich erfolgen kann, brauchen wir ein Transportvolumen von mindestens 8 Milliarden Kubikmeter jährlich.

Und wie weit sind Sie jetzt?

Wir sind mitten in Verhandlungen mit Produzenten und Vermarktern. Solche Vertragsverhandlungen dauern einige Zeit. Wir haben uns eine Deadline gesetzt, um den Termin der Inbetriebnahme im Jahr 2011 einhalten zu können. Es muss bis Ende 2007 die Entscheidung fallen, ob wir bauen oder nicht. Das ist der Point of No Return. Wir sind hier auf einem guten Weg in den Verhandlungen und die aktuellen Ereignisse helfen uns ein bisschen das Ganze zu beschleunigen.

Können Sie Partner nennen, mit denen Sie Verhandlungen führen?

Es gibt konkrete Partner, aber ich bitte um Verständnis, dass ich sie nicht nennen kann. Es gibt sowohl auf Seite der Produzenten als auch auf der Seite der Vermarkterseite Gespräche.

Sind da auch deutsche Unternehmen dabei?

Selbstverständlich. Der deutsche Gasmarkt ist ein großer, den brauchen wir, um Verträge abzuschließen.

Lesen Sie im zweiten Teil, ob die Nabucco-Pipeline in Konkurrenz zur deutsch-russischen Ostseepipeline steht.

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