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Aktuell Deutschland

Gasofen löste Brandkatastrophe aus

Die Ursache des verheerenden Brandes in der Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt mit 14 Todesopfern war der Austritt von Gas. Dies stellten Spezialisten bei ihren Ermittlungen fest.

Die Ursache für eine der schlimmsten Brandkatastrophen in Deutschland seit Jahrzehnten ist gefunden: Die Ermittlungsbehörden teilten auf einer Pressekonferenz in Titisee-Neustadt mit, das Feuer in der Behinderten-Werkstatt in der Schwarzwald-Kommune sei durch eine Gasverpuffung ausgelöst worden.

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Katastrophe war ein Gasunfall

Gas sei aus der Flasche eines Heizgeräts in der Werkstatt ausgetreten und habe sich entzündet. Warum es unkontrolliert austrat, sei noch unklar. "Die Ermittlungen sind insofern nicht abgeschlossen", sagte Staatsanwalt Peter Häberle. Nach derzeitigem Kenntnisstand spreche alles für ein Unglück, betonte Häberle. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Tat, etwa Brandstiftung. Eine Sonderkommision mit 60 Polizeibeamten arbeitet an der Aufklärung des Geschehens.

Feuerwehrmänner vor der brennenden Behindertenwerkstatt (Foot: dpa)

Feuerwehrmänner vor der brennenden Behindertenwerkstatt

Bei dem Brand in der Caritas-Einrichtung waren am Montag (26.11.2012) zehn behinderte Frauen im Alter von 28 bis 68 Jahren, drei Männer im Alter von 45 bis 68 Jahren sowie eine 50-jährige Betreuerin ums Leben gekommen. Neun Menschen wurden verletzt. In der Werkstatt arbeiteten knapp 130 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung.

Papst gedenkt der Opfer

Die Brandkatastrophe löste weit über die Region hinaus Trauer und Entsetzen aus. Der Papst schickte nach Angaben des Freiburger Erzbistums ein Beileidstelegramm. "Papst Benedikt XVI. gedenkt der bei diesem tragischen Unfall ums Leben gekommenen Menschen in seinem Gebet und versichert den Angehörigen der Opfer seine tief empfundene Anteilnahme", heißt es darin. In Titisee-Neustadt wurde der Weihnachtsmarkt abgesagt. Für Samstag ist ein Gedenkgottesdienst in der baden-württembergischen Stadt geplant.

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Staatsanwaltschaft zur Ursache

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen kündigte als Konsequenz aus dem Unglück an, alle ihre Sicherheitsstandards auf den Prüfstand zu stellen. Der Vorstandsvorsitzende Günter Mosen betonte aber zugleich, dass es bereits jetzt umfassenden Arbeitsschutz gebe. "Ich glaube, dass unsere Werkstätten alles tun, um die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten."

Die Deutsche Hospiz Stiftung verlangte, soziale Einrichtungen innerhalb der nächsten vier Jahre verpflichtend mit selbsttätigen Sprinkleranlagen auszurüsten. Was für deutsche Flughäfen gelte, müsse erst recht für Einrichtungen der Pflege- und Behindertenfürsorge gelten, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Fast 300.000 Arbeitsplätze für Behinderte

In Deutschland gibt es rund 720 Hauptwerkstätten mit 2500 Betriebsstätten für behinderte Menschen. Sie bieten mehr als 290.000 Plätze an. Diese stehen erwachsenen Menschen mit geistigen, psychischen und schweren körperlichen Behinderungen offen. Die katholische Organisation Caritas betreibt nach Angaben von Ende 2010 bundesweit 219 Hauptwerkstätten, in denen 37.700 Menschen mit Behinderungen beschäftigt sind.

wl/se (dpa, afp, dapd, rtr, kna, epd)

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