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Aktuell Europa

Gasleck an havarierter Plattform in der Nordsee geortet

Nach Angaben des Plattformbetreibers Total befindet sich das Leck an seiner Gasplattform "Elgin" vor Schottland in 4.000 Metern Tiefe. Unterdessen warnen Experten vor einer Explosion. Zwei Löschschiffe stehen bereit.

Einem Total-Sprecher zufolge kommt das Gas aus einer Gesteinsformation 4.000 Meter unter dem Meeresboden, trete aber ungefähr 25 Meter über der Wasseroberfläche aus. "Das Leck befindet sich am Kopf der Bohrung, am oberen Ende des Bohrlochs", sagte der Sprecher.

Behörden: Bisher nur geringe Umweltauswirkungen

Leckgeschlagen sei eine Leitung, die bereits vor einem Jahr versiegelt worden sei. Derzeit sei es schwierig abzuschätzen, wie viel Gas austrete, fügte der Sprecher hinzu. Nach dem Grund für das Leck wird nach Angaben des Sprechers weiter geforscht. Ein Tauchroboter soll nun den Zustand des Meeresbodens untersuchen. Die schottische Regionalregierung stuft bislang die Umweltauswirkungen des Gaslecks als gering ein.

Zuvor hatte der Konzern mitgeteilt, aus der Luft sei ein Film von fast fünf Quadratkilometern um die Plattform herum entdeckt worden. Es handele sich dabei um kondensiertes Gas. Diese Substanz enthält auch Öl. Das Gasleck auf der Plattform war am Sonntag bemerkt worden. In der Folge wurden alle 238 Mitarbeiter von der Förderplattform etwa 240 Kilometer vor der Küste von Aberdeen in Sicherheit gebracht.

Experten warnen vor drohender Explosion

Von der "Elgin"-Plattform werden sechs Gasbohrungen koordiniert, davon wurde in fünfen bis vor wenigen Tagen Gas gefördert. Die Bohrungen gehen bis in eine Tiefe von fast 6.000 Metern unter dem Meeresgrund. Das Gas schießt unter hohem Druck und bei hoher Temperatur an die Oberfläche. Das Meer ist am Standort der Plattform nur rund 100 Meter tief.

Logo des französischen Energiekonzerns Total (Foto: AP)

Der französische Konzern bezeichnet die Lage als "stabil"

Über der Plattform wird weiter Gas abgefackelt. Experten warnen deshalb vor einer drohenden Explosion, wenn das durch das Leck austretende Gas mit der Flamme in Kontakt kommt. Der Energieriese betont jedoch, die Explosionsgefahr sei gering, da der Wind das Gas von der Fackel fortwehe. Die Gasfackel werde vermutlich noch einige Tage brennen, bis "alles Gas aus dem System" verbrannt sei, sagte der Sprecher, der die Lage als "stabil" bezeichnete. In einem Umkreis von fast vier Kilometern um den Unglücksort wurde eine Sperrzone verhängt.

Konzern rüstet sich für den Notfall

Außerhalb des Sperrgebiets um die Gasplattform stehen für den Notfall zwei Löschschiffe bereit. Ein weiteres Schiff ist mit einem Unterwasser-Roboter ausgestattet, der mit einer Kamera das Leck an der Plattform untersuchen soll. Noch steht aber nicht fest, wann er zum Einsatz kommt.

Neben dem Verschließen der Gasquelle durch Schlamm, dem sogenannten Kill, prüft Total zwei weitere Optionen. Möglich sei, dass der Gasaustritt von selbst versiege, sagte der Sprecher. Alternativ könne ein Entlastungsloch gebohrt werden. Dies könnte jedoch bist zu sechs Monate dauern. Ein Expertenteam ist inzwischen in Schottland gelandet.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger warnte in diesem Zusammenhang vor einer raschen Zunahme der Explosionsgefahr, sollten sich die derzeit günstigen Windverhältnisse ändern. Total müsse das Leck "in den nächsten Tagen stoppen", sagte er im Deutschlandfunk

Kosten von bis zu zehn Milliarden im Falle einer Explosion

Unterdessen wurde das wirtschaftliche Ausmaß des Gaslecks für den französischen Konzern deutlicher. Das Unternehmen hatte nach dem Einbruch seines Aktienkurses zwischen sieben und neun Milliarden Euro Marktkapitalisierung verloren. Darüber hinaus könnten auf den Energiekonzern nach ersten Schätzungen von Analysten im Falle einer Explosion Kosten von bis zu zehn Milliarden Dollar zukommen.

Bleibt die gefürchtete Explosion aus, die Reparatur zieht sich aber über Monate hin, fielen rund drei Milliarden Dollar an. Sollte es Total gelingen, das Leck schnell in den Griff zu bekommen und die Produktion würde lediglich für zwei Wochen ausfallen, könnte der Ölmulti nach Einschätzung von Analysten mit Ausgaben von 150 Millionen Dollar davonkommen.

GD/sti (dapd, dpa, rtr, afp)

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