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Politik

Ganz schön obszön

Die amerikanische Medienkontrollbehörde FCC hat die Regeln für Kraftausdrücke in Radio und Fernsehen etwas gelockert. Umgehend hagelte es Proteste - und Spott. Udo Bauer berichtet aus Washington.

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Man muss einmal irgendwo im englischen Sprachraum gelebt haben, um die typischen Flüche richtig schätzen zu lernen. Irgendwann wird man feststellen, dass ein sattes "Fuck!" (gerne auch als Adjektiv "fucking") – an richtiger Stelle und in Maßen eingesetzt - etwas Befreiendes haben kann. Zumindest verleiht es dem Gesagten Nachdruck, egal, ob es im Zustand der Wut oder der Freude geäußert wird.

Im Grunde ist das so genannte "F-Wort" mittlerweile gänzlich seiner sexuellen Bedeutung verlustig gegangen, es sei denn, es wird ausdrücklich darauf angespielt. Man muss es von daher der US-Medienbehörde FCC hoch anrechnen, dass sie sich dieser Erkenntnis nicht gänzlich entzieht und ihre strengen Regeln für das, was man einem gottesgläubigen und gleichermaßen prüden amerikanischen Mediennutzer zumuten kann, etwas lockert und dem Zeitgeist anpasst. Jedenfalls ein bisschen.

Genau an diesem bisschen stoßen sich jetzt F-Wort-Hasser und F-Wort-Nutzer gleichermaßen, nur aus unterschiedlichen Gründen. Die Federal Communications Commission hatte nämlich veranlasst, dass das F-Wort in der Form des Adjektives, also "fucking", durchaus zumutbar sei, nicht hingegen der Ausdruck "fuck" (was ist das eigentlich: ein Verb, ein Subjektiv oder gar ein Imperativ?).

Live ist nicht live

Ein Beispiel: Die "Billboard Music Awards" vergangenen Mittwoch (10. Dezember 2003). Die Starlets Nicole Richie (Tochter von Lionel) und Paris Hilton (Hotel-Erbin und Partylöwin) hatten ihren großen Auftritt. Die beiden verwöhnten Gören plauderten aus dem Nähkästchen von den Dreharbeiten ihrer Reality-TV-Serie "The Simple Life", in der sie bei einer Bauernfamilie aus Arkansas einquartiert sind. Originalton Nicole Richie: "Habt ihr mal probiert, Kuhscheiße aus der Prada-Handtasche zu entfernen? Das ist gar nicht mal so fucking einfach!" Der TV-Zuschauer daheim konnte das Wort "Scheiße" nicht hören, weil die Sendeverantwortlichen es durch einen Piepston eliminiert hatten, das Wort "fucking" aber ging unzensiert in die Welt hinaus. Dazu muss man wissen, dass keine einzige Live-Sendung in Amerika wirklich live ausgestrahlt wird, sondern mit einer Verzögerung von fünf Sekunden, damit der Mann am so genannten "Dump Button" genug Zeit hat, alle verbotenen Obszönitäten zu verklappen, sprich: entweder zu überpiepsen oder gleich ganz zu löschen.

Den Schädel rasieren

Kurz darauf hagelte es Proteste bei den Verantwortlichen des Fernsehsenders Fox und bei der FCC. Fox zog es vor, sich sofort zu entschuldigen, und sprach von einem Systemfehler, den man künftig ausschließen wolle. Außerdem habe man ja sofort am Sendetag die zeitversetzten Sendungen für die Westküste "bereinigt". Die FCC jedoch verteidigte ihre neue Regel mit der Begründung, das gescholtene F-Wort beziehe sich ja eindeutig nicht auf eine sexuelle Handlung. Diese Begründung wiederum erzürnte wertkonservative Politiker vom Kapitolshügel. Der Republikaner Dough Ose will gemeinsam mit anderen politisch korrekten Gesinnungsgenossen die neue Regel unter dem Vorwand des Jugendschutzes gleich wieder eliminieren lassen und droht der FCC mit Konsequenzen: "Wenn ihr hier Haare spalten wollt, dann rasiere ich Euch den Schädel!"

Bei den politisch Inkorrekten in Amerika hingegen stößt die FCC auf nichts als Spott. So zeigte neulich die notorisch vulgäre Cartoon-Serie "South Park" eine Episode, in der ein Lehrer seinen Schülern einen "gebräuchlichen Fluch" gestattet. Nicht ohne hinzuzufügen, dass dieser Fluch aber nur als Substantiv oder Adjektiv benutzt werden dürfe. Die Schüler schauten daraufhin völlig perplex aus der Wäsche – zum ersten Mal hatten sie etwas gemeinsam mit konservativen amerikanischen Politikern.

  • Datum 18.12.2003
  • Autorin/Autor Udo Bauer, Washington D. C.
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  • Permalink http://p.dw.com/p/4SkL
  • Datum 18.12.2003
  • Autorin/Autor Udo Bauer, Washington D. C.
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