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Nach der Tragödie von Medellin

Ganz Chapecó trauert in Grün und Weiß

Weltweit wurde an diesem Samstag in den Fußballstadien der Opfer der Flugzeugkatastrophe in Kolumbien gedacht. Im brasilianischen Chapecó nahmen Tausende Fans Abschied von den verunglückten Spielern.

Zum Schluss stimmten die Fans unter Tränen noch einmal in die "Chape, Chape"-Jubelgesänge ein, mit denen sie gewohnt sind, ihren Club Chapecoense hochleben zulassen. Alle Namen der Toten waren verlesen worden, für jedes Opfer ließ man einen weißen Luftballon steigen. Soldaten trugen 50 Särge in die Arena der brasilianischen Stadt, wo rund 20.000 Menschen ergriffen Abschied nahmen. Zehntausende versammelten sich nahe dem Vereinsgelände. Es regnete in Strömen, die Trauernden schützten sich mit Plastikfolien und Schirmen. Weinende Menschen lagen sich in den Armen.

Brasilien Chapeco Fans Trauer Spieler Chapecoense (Reuters/P. Whitaker)

Auf offenen Lastwagen werden die Särge durch ​die Stadt gefahren

Fast das ganze Team des brasilianischen Clubs Chapecoense war ums Leben gekommen auf dem Weg zum Finale um den Südamerika-Cup. Die gecharterte Maschine war am Montagabend (Ortszeit) kurz vor der Landung im kolumbianischen Medellín abgestürzt. 71 Menschen starben, sechs überlebten: drei Spieler, zwei Crewmitglieder, ein Journalist. Ihr Zustand ist inzwischen stabil. Der Umstand, dass die Maschine wegen Treibstoffmangels abgestürzt ist, macht das Schicksal für viele noch schwerer ertragbar.

Bürgermeister Luciano Buligon, der wegen eines anderen Termins den Flug mit der Elf und den Betreuern nach Medellín verpasst hatte, dankte ausdrücklich den Kolumbianern für die große Anteilnahme. Brasiliens Präsident Michel Temer war bei der Ankunft der Leichen am Flughafen gewesen, um den Opfern der Tragödie die letzte Ehre zu erweisen. Entgegen seiner ursprünglichen Pläne - er ist als Treiber der Amtsenthebung von Vorgängerin Dilma Rousseff umstritten und wird immer wieder ausgepfiffen - war er auch im Stadion bei der Trauerfeier, hielt sich aber im Hintergrund.

Auch FIFA-Präsident Gianni Infantino nahm teil. Im Gedenken an die Opfer gab es weltweit vor Spielanpfiff eine Schweigeminute, viele Fußballmannschaften liefen mit Trauerflor auf. Aus vielen Ländern gibt es Anteilnahme.

In Chapecó, einer von europäischen Einwanderern geprägten Stadt im Bundesstaat Santa Catarina, steht die Zeit still. Wie es nun weitergeht, ist unklar. Eigentlich stünde in einer Woche das letzte Saisonspiel in der ersten Liga gegen Atlético Mineiro aus Belo Horizonte in der heimischen Arena Condá an. Andere brasilianische Clubs haben Spieler angeboten.

Nach Medienberichten hat der Club mit bisher rund 5000 Mitgliedern mehr als 13.000 neue Anträge auf Mitgliedschaft bekommen. 

SC/jj (dpa, afp, APE)