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Kultur

Gans geheim

Auch Spione haben Hunger. Der Bundesnachrichtendienst veröffentlicht ein eigenes Kochbuch und entdeckt dabei die Öffentlichkeitsarbeit.

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James Bond wäre begeistert

"Meine Herren, wir haben wieder mal einen sehr heiklen Auftrag!", begann der "Alte", wie er von seinen Leuten genannt wurde. Nervös ging er in seinem stickigen Büro auf und ab ... Was dann passiert ist auf Seite 23 des Buches "Topf Secret" nachzulesen - herausgegeben vom Bundesnachrichtendienst (BND).

Schwierigkeitsgrad: heikel

August Hanning

Der neue Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning

In Pullach hat man nach Jahrzehnten der strengsten Geheimhaltung nämlich die Öffentlichkeitsarbeit entdeckt. August Hannes, Präsident des BND, ist daran nicht gerade unbeteiligt. Sein Auftrag: Imagewandel der Behörde. Schwierigkeitsgrad: heikel. Einen ersten Beitrag weg vom Schlapphutimage, hin zum Bild des modernen Informationsdienstleisters soll ein Kochbuch leisten. 108 Seiten "Geheimrezepte", gespickt mit Agenten-Anekdoten, gewürzt mit landeskundlichen Informationen. Fan-Artikel wie bedruckte Unterhosen, Taschenmesser und Adventskalender werden folgen.

"Wir wollen Neugier wecken, damit der Bürger nicht mehr fremdelt", sagt Claudia Nitz, Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. Und Neugier wecken die Pläne wirklich. Schließlich hat sich der Auslandsnachrichtendienst mit jeglicher Öffentlichkeitsarbeit bisher vornehm zurückgehalten. Erst seit 1996 weist beispielsweise ein Schild vor der Zentrale in Pullach überhaupt auf die Existenz der Behörde hin. Jetzt ist sogar ein Besucherzentrum geplant. Galt selbst die Waschordnung für Dienstwagen als vertrauliche Verschlußsache, plaudern Mitarbeiter inzwischen über ihre internationalen Lieblingsrezepte.

Mörser am Mekong Delta

Nach Kochbüchern für Filmfanatiker, Singles, Zuckerkranke und Gerichtsmediziner sind nun also die Geheimdienstfreaks dran. "Speisen, Spannung und Spione", verspricht "Topf Secret". Und erste Fanpost kommt nach Angaben von Pressesprecherin Nitz sogar schon aus entlegensten Teilen der Welt. "Das Feedback von Presse und Privatleuten ist generell sehr positiv," erzählt sie im Gespräch mit DW-WORLD.

Vorbild für die Rezeptsammlung ist das 1997 vom amerikanischen Geheimdienst CIA veröffentlichte Buch "Spies, Black Ties & Mango Pies". Unmengen von Hobbyköchen und Freizeitagenten waren von der Mischung aus internationalen Rezepten und Schilderungen aus dem Spitzelalltag begeistert. Und wer wäre nicht entzückt während des Zwiebelschälens von hektischen Fluchten aus Libyen oder Mörsergranaten am Mekong Delta zu lesen?

Von Bayern nach Bagdad

Etwas betulicher gestalten sich die Geschichten der Pullacher Beamten. Und trotz lukullischer Rezepte lokaler Köstlichkeiten von Bagdad bis Bayern, muten die ergänzenden Schilderungen aus dem Spionagealltag teilweise auch recht abstrus an. "Der Flug von Laos aus war ein Sinnenschmaus" heißt es da beispielsweise. Und auch die Beschreibung von "Prachtexemplare[n] afrikanischer Lebensfreude" hätte dem ein oder anderen Korrektor vielleicht übel auffallen sollen.

Verkauf von Fan-Artikeln mit BND-Logo

Der Bundesnachrichtendienst will mit dem Verkauf von Fan-Artikeln mit BND-Logo sein biederes Schlapphut-Image ablegen.

Den Rezepten für nigerianische Fisch-Pfeffersuppe, für malaysische Rinderlende in Kokosmilch oder israelische Purim-Taschen sollte dies aber nicht weiter hinderlich sein. Ausgestattet mit BND-Kochbuch, BND-Schürze und BND-Taschenmesser steht einer erfolgreichen (Koch-)Mission dann auch nichts mehr im Wege. Vielleicht mixen Sie sich vorher noch schnell einen Martini. Mister Bond wäre begeistert.

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