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Asien

Gandhis Lehren inspirieren bis heute

Mehr als sechzig Jahre nach seinem Tod erscheinen die Thesen Mahatma Gandhis noch immer zeitlos und kraftvoll. Gandhi ist unvergessen und Indien stolz auf seinen "Bapu", wie er als Vater der Nation auch genannt wird.

Portrait Gandhi im Alter, lächelnd, mit Nickelbrille (Foto:AP)

Nickelbrille, Baumwollkleider und das verschmitzte Lächeln waren Gandhis Markenzeichen

Mahatma Gandhis Leben und Werk sind zum Mythos geworden. Seine Popularität ist ein weltweites Phänomen. Von Martin Luther King, Nelson Mandela und dem Dalai Lama bis hin zu Aung San Suu Kyi: sie alle sehen sich gerne als "Gandhis Erben" und bezeichneten Mahatma Gandhi als Inspiration und Mahnung zugleich. Und selbst der amerikanische Präsident Barack Obama verkündet stolz, er sei ein "Gandhianer" - auch wenn für viele dieser Vergleich hinkt.

Doch Mahatma Gandhi, perfekt verkörpert von Ben Kingsley im Oskar-gekrönten Film von Richard Attenborough, war nicht immer der verklärte, strahlende Held, der noch heute auf allen indischen Banknoten prangt. Auch er hatte seine dunklen Seiten. Er haderte vor allem in jungen Jahren mit sich selbst und soll seiner Ehefrau Kasturba gegenüber zu Begin seiner Ehe oft zornig und befehlshaberisch aufgetreten sein. Seine Entwicklung zum geistigen und politischen Führer der indischen Unabhängigkeit war ein Prozess. Das macht ihn für viele so menschlich und faszinierend.

Universelle Thesen

Gandhis Thesen überzeugen, sind widerspruchsfrei und stimmig - und daher noch heute modern, sagt der amerikanische Gandhi-Forscher Michael Nagler: "Er hatte den Mut, gegen den Trend der Zeit zu gehen. Er schaffte es, eine lang vergessene Weisheit wiederzuentdecken und diese so zu verpacken, dass sie in unserer modernen Zeit eingesetzt werden konnte, für alle verständlich war." Damit machte er eine der größten Entdeckungen der Menschheitsgeschichte: "Nämlich, dass Gewaltlosigkeit als Waffe von jedem Menschen weltweit praktiziert werden kann und das auch noch in jeder Situation".

Gandhi arbeitet an seinem Spinnrad, 1931 (AP Photo)

Selbstbestimmtes Leben bedeutete für Gandhi auch, seine Baumwollkleider selbst herzustellen

Gandhis Lehre ruht auf drei Säulen. Diese sind: Gewaltlosigkeit (ahimsa), das beharrliche Festhalten an der Wahrheit (satyagraha) und die individuelle und politische Selbstbestimmung (swaraj). Die respektvolle Anrede Mahatma, "große Seele", mochte Gandhi selbst nicht besonders. Er wollte versöhnen und beschäftigte sich eingehend mit den Lehren Buddhas und des Propheten Mohammed. Er war der Meinung, dass der wahre Glaube die Angehörigen der verschiedenen Glaubensrichtungen vereint: "Alles was ich sehe ist, dass sich Leben inmitten des Todes behauptet, die Wahrheit inmitten der Unwahrheit und das Licht inmitten der Dunkelheit. Daraus entnehme ich, dass Gott das Leben ist, die Wahrheit und das Licht. Und er ist Liebe. Er ist das höchste Gut."

Steiniger Lebensweg

Gandhi wird am 2. Oktober 1869 in Porbandar im indischen Bundesstaat Gujarat als Mohandas Karamchand Gandhi geboren. Er ist zunächst sehr schüchtern und kein guter Schüler. Nach dem Jurastudium in London und ersten wenig erfolgreichen Versuchen als Rechtsanwalt in Mumbai, reist er 1893 nach Südafrika. Selber diskriminiert wegen seiner Hautfarbe, gründet er die Zeitung "Indian Opinion", um den 60.000 Indern dort ein Sprachrohr zu geben.

Gandhi mit 25 Jahren, im Anzug, mit verschränkten Armen (Foto: DW)

Gandhi um 1894 als junger Rechtsanwalt in Südafrika

Plötzlich wird aus dem einst so schüchternen Gandhi ein unbequemer Gegner: nicht nur im Gerichtssaal, sondern auch in der Politik. 1914 kehrt er nach Indien zurück und übernimmt 1920 die Führung der Kongresspartei. 1930 dann seine spektakulärste Aktion: Mit einem Salzmarsch protestiert Gandhi dagegen, dass Inder weder Salz herstellen noch es verkaufen dürfen und es zudem noch von den Engländern besteuert wird. 1942 wird Gandhi verhaftet, weil er die sofortige Unabhängigkeit Indiens fordert. Insgesamt verbringt er Jahre im Gefängnis.

Gandhis selbstloser Einsatz ist bis heute beispiellos, meint die Soziologin Ranjana Kumari aus Neu Delhi: "Natürlich ist es im Zeitalter des Kapitalismus und der Globalisierung, wo auch Indien immer materialistischer wird, schwierig, die Grundwerte von Gandhi zu achten und zu praktizieren." Nur wenige könnten das schaffen, so Kumari: "Aber wenn nur ein Prozent der Menschen in Indien dies täten, würde es sehr helfen. Ansonsten gedenken wir Gandhis eben nur am 30. Januar, seinem Todestag, und am 2. Oktober, seinem Geburtstag."

Anhaltende Faszination

Blumenmosaik zu Ehren Gandhis (Foto: AP)

Blumen zu Ehren Gandhis - bis heute wird er in Indien verehrt

1947 wird Britisch-Indien von Großbritannien unabhängig. Das Land wird in das mehrheitlich hinduistische Indien und das mehrheitlich muslimische Pakistan geteilt, zu dem noch das heutige Bangladesch gehört. Gandhi verspricht den Muslimen die Gleichberechtigung in Indien. Dafür wird er von dem Hindunationalisten Nathuram Godse am 30. Januar 1948 ermordet.

Für die einen ist Gandhi noch immer eine Ikone, fast schon ein Heiliger. Andere finden seine Thesen irrelevant. Und doch ist er mehr als 60 Jahre nach seinem Tod unvergessen: Inspiration und Mahnung zugleich.

Autorin: Priya Esselborn
Redaktion: Ana Lehmann