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Kultur

Games und Girls – Frauen spielen anders

Von Tetris bis Zelda - jeder dritte Deutsche spielt am Computer. Fast die Hälfte davon sind Frauen. Da die ganz andere Erwartungen an Spiele haben als Männer, sucht die Branche jetzt händeringend nach Entwicklerinnen.

Cornelia Geppert strahlt, als sie die Tür zu ihrem Reich öffnet. In einem Licht durchfluteten Altbau im Berliner Stadtteil Schöneberg arbeitet sie gemeinsam mit sechs Mitstreitern an einer neuen Welt: bunt wird sie sein, komplex und geheimnisvoll - und rein virtuell. Cornelia Geppert ist Game Designerin. Sie entwickelt Computerspiele für einen immer weiter wachsenden Markt.

Jeder dritte Deutsche spielt regelmäßig am Computer oder an einer Konsole - Tendenz steigend. Das Klischee vom lichtscheuen und pickeligen Nerd, der sich mit Ballerspielen die Nächte um die Ohren schlägt, hat dabei ausgedient. Gespielt wird über alle Altersgruppen und soziale Schichten hinweg, vor allem aber ist inzwischen jeder zweite Gamer eine Frau und Frauen haben andere Erwartungen an Computerspiele als Männer.

Frauen wollen mehr als nur Geballer

Statt Nervenkitzel und Konkurrenzkampf stehen bei ihnen oft Entspannung und Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund. Deshalb sind bei Frauen vor allem die sogenannten "Social Games" beliebt. In soziale Netzwerke wie Facebook integriert, können sie gemeinsam mit Freunden und Bekannten gespielt werden. Hier besiedeln vor allem weibliche Gamer unentdeckte Welten, bewirtschaften virtuelle Bauernhöfe oder befreien Fantasieorte von bösen Geistern.

Spieleentwicklerin Cornelia Geppert am PC (Foto: Theresa Tropper)

Cornelia Geppert und "der beste Job der Welt"

Einfach nur geballert wird in solchen Spielen selten: "Frauen ist die Atmosphäre eines Spieles sehr wichtig, die muss angenehm sein", sagt Geppert. Dabei spielten Details eine wichtige Rolle, etwa die Geräusche oder die Lichtstimmung. Sie selbst spielt seit ihrer Kindheit alle Arten von Computerspielen, von Tetris bis Resident Evil. "Auch martialische Spiele, bei denen ich meine Gegner abschlachten muss", erklärt Geppert "aber wenn dabei die Sonne schön scheint, macht mir das Spaß."

Frauen in der Gamesbranche: "Ein bisschen wie exotische Tiere"

Eine Herausforderung für die Spieleindustrie, denn entwickelt werden die meisten Spiele von Männern. Der Anteil der Frauen in der Branche ist in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, dem Bundesverband der Unterhaltungsindustrie (BUI) zufolge aber liegt er noch immer bei nur rund 20 Prozent. Damit sich das schnell ändert, wirbt die Branche gezielt um weiblichen Nachwuchs. Die Jobperspektiven sind gut: Deutschlandweit gibt es etwa 250 Unternehmen, die Computerspiele entwickeln oder veröffentlichen. Neue Leute, vor allem Programmierer, sind immer gesucht – denn hunderte Stellen sind derzeit unbesetzt.

Spieleentwickler im Büro von Jo-Mei (Foto: Theresa Tropper)

Das Kreativ-Team von "Jo-Mei"

Um diese Lücke zu schließen, soll vor allem die Ausbildung verbessert werden. Mittlerweile bieten mehr als 40 private und öffentliche Einrichtungen Studien- oder Forschungs-Schwerpunkte zum Thema Games an. Die älteste davon ist die Games Academy in Berlin. Hier hat auch Cornelia Geppert vor zehn Jahren den Einstieg in die Branche geschafft. Mit 18 Jahren bewarb sich die gelernte Comiczeichnerin für ein Stipendium an der Privatschule - und wurde als eine von nur zwei Frauen zur Game Designerin ausgebildet. "Damals gab es noch nicht viele Frauen in der Branche", erinnert sich Geppert, "wir waren ein bisschen wie exotische Tiere." Dass die meisten ihrer Kollegen Männer waren und sind, hat sie nie gestört.

Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Boris Munser hat sie heute ihr eigenes kleines Unternehmen - "Jo-Mei" - und mit "Koyotl" das erste Spiel, das sie selbst entwickelt haben. Warum nicht mehr Frauen in ihrer Branche arbeiten, kann sie nicht verstehen. "Gemeinsam mit einem Team erschaffe ich eine völlig neue Welt - und die Leute haben Spaß daran", schwärmt die Game Designerin. "Für mich ist das der beste Beruf der Welt."

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