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Tennis

Game, Set, Cash: Wimbledon und das Geld

147.000 britische Pfund. Den Betrag nimmt 2017 aus Wimbledon mit. Umgerechnet etwa 166.000 Euro bekommt jeder Spieler, der in London die vierte Runde erreicht. So viel Transparenz gibt es nicht immer.

Wimbledon Tennis Championships (Getty Images/J. Finney)

Die Namen der Gewinner eingraviert auf dem Pokal - für Wimbledon-Sieger nur ein kleinerer Teil der Belohnung

Nein, zu diesem Thema möchte sich der Turnierdirektor nicht äußern, teilt die Pressestelle freundlich, aber bestimmt mit. Was sie den Tennisspielern denn so zahlen müssten, damit sie bei einem Turnier wie Halle, München, Stuttgart oder Hamburg vorbeischauten, war unsere Frage. Sicher, es gibt ja die Preisgelder, nicht nur für den Sieger. Doch in den VIP-Räumen sprechen alle davon: Ohne Bonus-Zahlungen sind die Topspielerinnen und -spieler der Szene nur schwer zu bekommen. 

Dann ist die Bude voll

Die Rechnung ist ganz einfach. Hat man, wie 2015 die Organisatoren der BMW Open in München, einen Super-Profi wie Andy Murray in der Stadt, ist die Bude voll. Man muss sich dann um den Ticket-Verkauf keine Gedanken mehr machen, zumal ein Star andere gute Spieler anzieht. Wer damals den Turnierchef Michael Mronz nach den Beträgen fragte, bekam - auch von ihm keine Auskunft. Nicht unter einer Million, hörte man. Offiziell aber - kein Kommentar. 

Wimbledon Tennis Championships (Getty Images/AFP/L. Neal)

Der Vorjahressieger in London war auch bei den BMW Open in München schon gern gesehen: Andy Murray

Die Top-Profis haben es inzwischen einfach, satte Tarife aufzurufen. Denn die großen und mittelgroßen Events der Saison locken sie mit ordentlichen Prämien. Der "All England Lawn Tennis & Croquet Club" (AELTC) hat in diesem Jahr die Gesamtsumme seiner Preisgelder in Wimbledon um 12,5 Prozent erhöht. 31,6 Millionen Pfund, umgerechnet fast 36 Millionen Euro. Die beiden Wimbledon-Sieger im Einzel nehmen 2017 jeweils (hier herrscht tatsächlich Gleichberechtigung) 2,2 Millionen Pfund mit, an die unterlegenen Finalisten geht die Hälfte. Der Rest der Preisgeldsumme wird unter die Doppel-, Mixed- und Rollstuhl-Tennis-Teilnehmer aufgeteilt - und eben an alle, die wie Kerber vorzeitig ausscheiden.  

35.000 Pfund für den Anfang 

Für das große Heer der mehr oder weniger namenlosen Tennisprofis kann schon das Erreichen der ersten Runde eines Grand Slams ein "warmer Regen" sein. Hat man das Hauptfeld durch seine Platzierung in der Weltrangliste, durch eine Wild Card des Veranstalters, durch ein "protected ranking" (die eingefrorene Ranglistenposition aufgrund einer Verletzung) erreicht oder weil man sich durch die Qualifikation gekämpft hat, stehen in London in jedem Fall 35.000 Pfund auf dem pay cheque.

Wimbledon Tennis Championships (picture-alliance/dpa/P. Klaunzer)

Im Hauptfeld von Wimbledon? Dann sind die Kosten schon einmal gedeckt

Viel Geld? Für die Vielzahl der unbekannteren Spieler eher nicht. Wer nicht unter den ersten 200 auf der ATP-Rangliste (der Männer) oder dem WTA-Ranking (der Frauen) steht, hat in der Regel Mühe, jahrelang die Kosten zu tragen: Flüge, Hotels, Verpflegung, Trainer, Physiotherapeuten und so weiter, und so fort. Manche Tennisprofis werden reich, wenn sie zum Beispiel Serena Williams oder Maria Scharapowa heißen. Die meisten werden es eher nicht.

Wer es genauer wissen will, der kann sich bei den Spieler-Gewerkschaften ATP und WTA, die längst die einflussreichen Organisatoren und Herrscher der jeweiligen "Tour" sind, im Internet über jeden einzelnen Sportler schlau machen. Ein Beispiel? Stefanie Voegele aus der Schweiz. Die 27-jährige ist seit 2006 Tennis-Profi, zur Zeit Nummer 195 der Weltrangliste und in diesen Jahren auf ein gesamtes Preisgeld von 1,8 Millionen Dollar gekommen. Wohlgemerkt: kein Gewinn, sondern der Umsatz einer weltweit agierenden Ich-AG. In den Jahren 2013, 2014, 2015 und 2016 schied sie jeweils in der ersten Runde von Wimbledon aus. Aber immerhin, erste Runde.

WTA Tennis Damen Australian Open 2017 (Imago/GEPA pictures/M. Hauer)

Stefanie Voegele ist als Tennis-Profi eigentlich nur in Ihrer Schweizer Heimat bekannt

Womit wir wieder im Londoner Stadtteil SW19 wären. Die Ladies und Gentlemen des AELTC sind im übrigen auch sehr transparent, was den eigenen Gewinn angeht. Im vergangenen Jahr erzielte das Turnier einen Überschuss von 34,39 Millionen Pfund, nicht zuletzt durch eine geschickte weltweite Vermarktung der TV- und sonstigen Rechte. Die Verwendung des Gewinns ist streng geregelt: Zum einen für die klammheimliche Modernisierung der traditionsreichen Anlage, zum anderen für den britischen Tennisverband, die Lawn Tennis Association (LTA), sowie für eine Stiftung mit dem Ziel, den Sport in Großbritannien zu fördern. Dies ist einer der Gründe, warum die Nachwuchsarbeit dort gut funktioniert und der oft über Geldmangel klagende Deutsche Tennis-Bund neidvoll in Richtung London oder auch Paris schielt, wo der Verband ebenfalls vom Grand Slam-Erfolg von Roland-Garros profitiert.

Schläger, T-Shirts, Uhren, Kaffeemaschinen, Champagner, Schokolade ...

Und die Großverdiener des Sports sorgen dafür, dass die Arenen dort stets gut gefüllt sind. Niemand mag sich daher einen Rücktritt eines Roger Federer vorstellen. Dabei hat der neben den Turniererlösen noch eine ganze Armada finanzstarker Unterstützer: seinen Schlägerhersteller, seinen Bekleidungsausstatter, einen Luxus-Uhrenhersteller (der auch zu den Wimbledon-Finanziers gehört), einen Kaffeemaschinen-Bauer, eine Bank, einen Champagner-Fabrikanten, einen führenden Anbieter Schweizer Schokolade, eine deutsche Automarke und noch einige andere. Die ATP meldet zudem: 104 Millionen Dollar Preisgeld bislang. RF - längst eine der kostbarsten Sportlermarken weltweit.

Wimbledon Championships 2017 | Andy Murray vs. Dustin Brown (Reuters/T. O'Brien)

Hier spielt man immer vor vollem Haus: Dustin Brown auf dem Centre Court

Auf der anderen Seite: Spieler, die es nicht oder nicht ganz geschafft haben. Zum Beispiel nicht in den abgesicherten Kreis der männlichen Tennis-Profis, die folgende Voraussetzungen erfüllen: fünf Jahre unter den Top-125-Spielern mit den meisten Turnierteilnahmen und den meisten Ranglistenpunkten. Diese Sportler haben dann nach dem Karriere-Ende Anspruch auf eine Rente der Spielervereinigung ATP. Deren Sprecher Simon Higson bestätigt der Deutschen Welle, dass an diese Ex-Profis dann jährlich 50.000 US-Dollar ausgeschüttet werden. Es gibt einige Tennis-Trainer auf deutschen Anlagen, die früher Weltenbummler waren und heute traurig sind, die Rentenregelung knapp verpasst zu haben.

 

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