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Aktuell Afrika

Gambia: Nach 27 Jahren wieder Hinrichtungen

Menschenrechtler und die Opposition sind schockiert: In Gambia sollen neun Menschen hingerichtet worden sein. In den kommenden Wochen sollen weitere Todesurteile vollstreckt werden.

Der gambische Präsident Yahya Jammeh hat offenbar seine Drohungen wahr gemacht: In der Nacht zum Freitag habe er neun Menschen, darunter eine Frau, hinrichten lassen. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International unter Berufung auf vertrauenswürdige anonyme Quellen.

In den kommenden Tagen sollen noch mehr Menschen in dem westafrikanischen Land hingerichtet werden, so Amnesty. Zwar hat die gambische Regierung die Tötungen nicht bestätigt, aber ein Sicherheitsbeamter berichtete, dass alle 47 Todeskandidaten in den Gefängnissen an einen Ort gebracht worden seien.

Ein Hinweis auf den Wahrheitsgehalt der Schreckensmeldung ist außerdem eine Rede des Präsidenten vom vergangenen Sonntag. Einen Tag nach dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan hatte er bei einer Ansprache im Fernsehen angekündigt, bis Mitte September alle 47 Todeskandidaten hinrichten zu lassen. “Meine Regierung wird es nicht zulassen, dass 99 Prozent der Bevölkerung von Kriminellen unterdrückt wird.“, sagte Jammeh.

Unfaire Gerichtsverhandlungen

Der Präsident verteidigte die Rechtmäßigkeit der Hinrichtungen: “Unser Gesetz in Bezug auf die Todesstrafe ist ganz eindeutig. Gemäß dem gambischen Recht wurde allen Todeskandidaten vor Gericht der Prozess gemacht und nach den Regeln der Rechtsprechung wurden sie zum Tode verurteilt.“, so Jammeh.

Gambische Bürger mit Nationalflagge (Foto: AP)

Todesurteile sollen vor allem gegen politische Gegner ergehen

Das sehen Menschenrechtsorganisationen und die Opposition anders: Drei der jetzt mutmaßlich hingerichteten Personen sollen wegen “Verrats“, also aus politischen Gründen, verurteilt worden sein. Amnesty International kritisierte, die politischen Gefangenen seien alle in unfairen Verfahren verurteilt worden. Wie die Zivilgesellschaftliche Organisation Gambias berichtet, sollen unter den 47 Todeskandidaten vor allem politische Gefangene, aber auch Menschen mit psychischen Krankheiten und acht ausländische Staatsbürger sein.

Der Präsident der ehemaligen britischen Kolonie steht seit Jahren wegen seiner tyrannischen Herrschaft und der Beschneidung von Menschenrechten und Pressefreiheit in der Kritik. Er benutze die Hinrichtungen und andere harte Strafen als Mittel, um politische Gegner abzuschrecken, wirft ihm die Zivilgesellschaftliche Organisation Gambias vor.

Seit 27 Jahren keine Hinrichtungen

Offiziell hat es in dem kleinsten Staat Afrikas mit nur 1,3 Millionen Einwohnern seit 1985 keine Hinrichtungen mehr gegeben. Der Afrika-Chef von Amnesty International, Paule Rigaud, sprach daher von einem “riesigen Schritt zurück“. Doch wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtet, habe es in den vergangenen Jahren immer wieder geheime Hinrichtungen in Gambia gegeben.

nem/pg (dpa, epd, afp)