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Politik

Gaddafis Sohn spielt ein schwieriges Spiel

Ja, sie seien gefoltert worden. Und nein, sie hätten die 460 libyschen Kinder nicht absichtlich mit HIV infiziert. Mit diesen Äußerungen über die bulgarischen Ex-Häftlinge hat Gaddafi Junior für Aufregung gesorgt.

Bild: AP

Was mussten sie durchmachen? Erleichterung nach der Freilassung

Die Deutsche Welle hat mit Fred Abrahams, Libyen-Beauftragter bei der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, gesprochen.

DEUTSCHE WELLE: Gaddafis Sohn Seif al-Islam gehörte zu den wichtigsten Leuten, die in dem Fall der bulgarischen Krankenschwestern und des palästinensischen Arztes verhandelt haben. Warum kommt er grade jetzt mit solchen Anschuldigungen gegen sein eigenes Land?

Fred Abrahams: Das ist eine sehr schwierige Frage, weil al-Islams Rolle sehr komplex ist. Einerseits ist er der direkteste öffentliche Befürworter von Reformen in Libyen; er hat sich für die Freilassung politischer Häftlinge im Land eingesetzt und er hat sich für die Freilassung der ausländischen Krankenschwestern und des Arztes eingesetzt. Andererseits binden ihm starke familiäre und politische Bande mit der libyschen Führung die Hände. Deshalb muss er ein sehr vorsichtiges und schwieriges Spiel spielen. Manchmal verteidigt er das Regime, manchmal kritisiert er es. Was ihn aber genau jetzt motiviert hat, so deutliche Kritik auszusprechen, ist mir unklar. Es bleibt abzuwarten, wie sich das in Zukunft weiterentwickelt.

Was bedeuten seine Äußerungen für europäische Länder wie Frankreich, Deutschland und alle Länder, die sich für die Freilassung der Geiseln eingesetzt haben?

Zunächst einmal war das eine sehr überraschende Stellungnahme, dass die bulgarischen Krankenschwestern und der palästinensische Arzt gefoltert wurden. Es ist das erste Mal, dass das ziemlich offiziell bestätigt wurde. Das begrüßen wir. Auf jeden Fall zeigt das, dass es solche Art von Missbrauch in Libyen gibt. Und es zeigt, dass die europäischen Regierungen sehr vorsichtig sein sollten, wenn sie mit Tripolis verhandeln, wenn sie Tripolis willkommen heißen und Geschäfte mit Tripolis machen, denn diese Fälle von Folter, von politischen Prozessen und anderen Menschenrechtsverletzungen gehen weiter.

Gaddafis Sohn hat auch gesagt, dass die Verantwortlichen den Fall von Anfang an manipuliert haben und dass die Verhöre nicht professionell abgelaufen seien. Er sagt außerdem, dass das Krankenhaus nicht hygienisch genug gewesen sei für ein Krankenhaus, in dem Kinder behandelt werden. Bedeutet das, dass der libysche Herrscher Muammar Gaddafi die westlichen Länder zu seinem eigenen Nutzen benutzt hat?

Wir haben von Anfang an gesagt, dass es sich nicht um einen juristischen, sondern um einen politischen Prozess handelt. Die Krankenschwestern und der Arzt wurden für ein Verbrechen verantwortlich gemacht, das wahrscheinlich das Resultat unhygienischer und nicht steriler Bedingungen im Krankenhaus war. Sie wurden zu Sündenböcken gemacht und als Geiseln festgehalten. Dafür gab es eine ganze Reihe von Gründen: innenpolitische und internationale. International wollte sich Gaddafi einen Vorteil bei seinen Verhandlungen mit europäischen Ländern und der US-Regierung verschaffen. Dafür hat er diese unschuldigen Menschen benutzt.

Sie haben die Krankenschwestern und den Arzt kurz vor ihrer Entlassung besucht. Was haben Sie gesehen?

Sie haben sehr überzeugende und stimmige Aussagen darüber gemacht, wie sie gefoltert wurden. Der palästinensische Arzt sagte, er sei mit Hunden bedroht worden. Außerdem sei er geschlagen worden. Er hat sehr detailliert über diese Folter gesprochen. Es war sehr glaubhaft. Was ihnen ganz genau passiert ist, lässt sich nur schwer nachvollziehen, weil die Gefangenen keine physischen Verletzungen hatten.

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