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Aktuell Afrika

Gaddafis langer Schatten

Genau ein Jahr nach dem Tod des Diktators Muammar al-Gaddafi soll einer seiner Söhne ermordet und sein ehemaliger Pressesprecher festgenommen worden sein. Alles nur Gerüchte? Die Lage in Libyen ist wieder unüberschaubar.

Stimmen die Berichte eines Reporters des Fernsehsenders Libya TV, dann starb der 29-jährige Chamis al-Gaddafi (Artikelbild) am Samstag bei einem Gefecht in Bani Walid, 140 Kilometer südöstlich von Tripolis. Der Reporter sagt, er habe die Leiche selbst gesehen. Chamis al-Gaddafi ist der siebte und jüngste Sohn des ehemaligen Machthabers. Er kommandierte während der Herrschaft seines Vaters eine Brigade. In der Vergangenheit wurde er fälschlicherweise schon einmal tot gesagt.

Milizen aus der Küstenstadt Misrata sollen ihn getötet haben. Sie waren mit Gewalt in Bani Walid eingedrungen, um - nach eigener Aussage - mutmaßliche Verbrecher festzunehmen. 2011 gehörte die Stadt zu den letzten Hochburgen der Regimetruppen Gaddafis.

Sprecher dementiert eigene Festnahme

Während das Land den einjährigen Todestag Gaddafis mit Feuerwerken und Fahnenschwenken feiert, soll der ehemalige Regierungssprecher Moussa Ibrahim festgenommen worden sein. Laut dem libyschen Kabinett wurde Ibrahim in Tarhouna, 70 Kilometer südöstlich von Tripolis, gefasst. Er werde jetzt nach Tripolis transportiert, damit die Behörden gegen ihn ermitteln können.

Libysche Regierungsvertreter werfen dem 38-Jährigen Volksverhetzung und Verbreitung falscher Informationen vor. Er hatte im letzten Jahr vor Gaddafis Sturz den Diktator vor der internationalen Presse verteidigt und war zur Stimme des Regimes geworden. Ob die Aussage der Regierung über seine Festnahme stimmt, ist noch unklar. Zwar berichtete ein Reporter des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira, Ibrahim sei gestellt worden, als er vor den Milizen aus Bani Walid fliehen wollte. Doch der Betroffene selbst schildert, er befinde sich mit seiner Frau und seinem Sohn im Ausland. Auf seiner Facebook-Seite wurde eine Audionachricht veröffentlicht, bei der allerdings unklar ist, ob es sich wirklich um Ibrahims Stimme handelt. Darin beschuldigt Ibrahim das libysche Regime, mit der Meldung über seine angebliche Festnahme lediglich von den eigenen Gräueltaten bei der Belagerung von Bani Walid ablenken zu wollen. Sogar Frauen und Kinder würden getötet, heißt es auf der Audionachricht.

Libyer feiern und halten Schilder hoch

Die Bürger in Libyen kommen auch ein Jahr nach Gaddafis Tod nicht zur Ruhe

Wieder Tote in Libyen

Auch die Bewohner von Bani Walid werfen den regierungsnahen Truppen vor, wahllos auf Ziele in der Stadt zu feuern. Seit mehreren Tagen kämpfen dort Truppen einer Miliz namens Libyscher Schild, die sich aus früheren Rebellen zusammensetzt, mit ehemaligen Gaddafi-Anhängern um die Stadt. Sie wollen Bani Walid, das sich nur teilweise unter Kontrolle der Regierung befindet, ganz erobern.

Die Miliz wirft den Bewohnern vor, für den Tod des jungen Mannes verantwortlich zu sein, der am 20. Oktober 2011 Gaddafis Versteck in dessen Heimatstadt Sirte entdeckt und verraten hatte. Der Mann wurde entführt, nach Bani Walid verschleppt und dort gefoltert. Er starb an den Folgen der Misshandlungen.

Bei den Gefechten in Bani Walid wurden bisher nach Angaben von Krankhausärzten 26 Menschen getötet, mehr als 200 wurden verletzt.

nem/wl (afp, dapd, dpa)