1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Gaddafis Kämpfer geben noch nicht auf

12. September 2011

Während die Rebellen eine Übergangsregierung vorbereiten, wurde ihr Siegeszug in der umkämpften Wüstenstadt Bani Walid gestoppt. Derweilen setzen sich immer mehr Mitglieder des Gaddafi-Clans ins Ausland ab.

https://p.dw.com/p/12XSt
Rebellen auf dem Weg nach Bani Walid (Foto: AP/dapd)
Rebellen auf dem Weg nach Bani WalidBild: dapd

Drei Wochen nach der Einnahme der Hauptstadt Tripolis durch die Rebellen ist das Land immer noch nicht vollständig befreit. Die Rebellen wollen zwar innerhalb der nächsten zehn Tage eine Übergangsregierung bilden. Doch solange sie nicht die Kontrolle aller Städte übernommen haben, möchten sie das Land nicht als befreit erklären. Doch wann es endlich soweit sein könnte, bleibt ungewiss. Denn die Rebellen sind bei ihrem Sturm auf eine der letzten Hochburgen des gestürzten und untergetauchten Machthabers Muammar al-Gaddafi auf heftigen Widerstand gestoßen. In Bani Walid lieferten sie sich Straßenkämpfe mit rund 1000 seiner Anhänger, wie der Nationale Übergangsrat am Montag (12.09.2011) mitteilte.

Straßenkämpfe in Bani Walid

Verstärkung auf dem Weg zur umkämpften Wüstenstadt (Foto: AP/dapd)
Verstärkung auf dem Weg zur umkämpften WüstenstadtBild: dapd

Ein Kämpfer der neuen Führung sagte der Agentur AFP, Gaddafis Anhänger hätten die ganze Stadt bewaffnet. „Bani Walid ist voller Waffen, in jedem Haus gibt es welche“, sagte er. Nach Angaben des Übergangsrats missbrauchten die belagerten Truppen Einwohner, die nicht rechtzeitig fliehen konnten, als menschliche Schutzschilde. Über der Wüstenstadt, die 150 Kilometer südöstlich von Tripolis liegt, kreisten Kampfflugzeuge der NATO. Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bestätigte vor Journalisten in London, dass NATO auch weiterhin Einsätze fliegen werde. Und zwar so lange bis auch die letzte Gefahr gebannt sei, die von Gaddafis Anhängern für Zivilisten ausgehe. sei.

Diese Gefahr könnte noch einige Zeit andauern. Denn Gaddafi-Kämpfer kontrollieren neben dem größten Teil von Bani Walid noch drei weitere Städte: Sirte, die Geburtsstadt Gaddafis, die Oase Dschufra und die Garnisonsstadt Sebha im Süden. Ein Ultimatum des Nationalen Übergangsrats an Gaddafis Anhänger, die Waffen niederzulegen, war in der Nacht zum Samstag abgelaufen.

Angriff auf Öl-Raffinerie

Bei einem Angriff Gaddafi-treuer Kämpfer auf eine Ölraffinerie im Osten wurden fünfzehn Rebellen getötet, wie ein verletzter Raffineriearbeiter berichtete. Die Anlage liegt in der Nähe von Ras Lanuf, 370 Kilometer westlich von Bengasi, der Hochburg der Rebellen. Die Angreifer hätten allerdings nur das Tor beschädigt, nicht aber die Raffinerie selbst, teilte ein Sprecher des Übergangsrates mit.

Gaddafi-Familie setzt sich ab

Ex-Fußballprofi Saadi Gaddafi, 2003 (Foto: dpa)
Ex-Fußballprofi Saadi Gaddafi, 2003Bild: dpa

Die meisten Angehörigen des gestürzten Despoten haben sich bereits ins Ausland abgesetzt - ein Mitglied nach dem anderen. Mittlerweile sind schon vier seiner acht Kinder und seine Frau geflohen. Am Sonntag habe die nigrische Armee einen Konvoi aus Libyen angehalten, in dem sich auch Al-Saadi Al-Gaddafi befunden habe, teilte die Nigers Justizminister Marou Amadou mit. Al-Saadi, ein ehemaliger Profifußballer, führte zuletzt in der Armee seines Vaters Gaddafi eine Eliteeinheit. Vom Familien-Oberhaupt selbst fehlt seit der Befreiung von Tripolis jede Spur.

Autorin: Naomi Conrad (afp, dpa, rtr)
Redaktion: Michael Wehling