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Welt

Gaddafi tritt wieder im Fernsehen auf

Wie immer mit Hut und Sonnenbrille: Ein Auftritt Gaddafis im libyschen Staatsfernsehen soll zwei Wochen nach dem Tod seines Sohnes bei einem NATO-Angriff die Gerüchte um den Verbleib des Machthabers beenden.

Muammar Gaddafi (Foto: AP/ Libyan TV via APTN)

Neuer Auftritt, altes Outfit

Der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi ist seit zwei Wochen zum ersten Mal wieder im Fernsehen aufgetreten. Der Staatssender strahlte in der Nacht zum Donnerstag (12.05.2011) Bilder aus, die den Staatschef bei einem Treffen mit Stammesführern zeigten. Gaddafi war wie immer mit brauner Robe, Hut und Sonnenbrille bekleidet und wurde von einem alten Mann mit den Worten "Sie werden gewinnen" begrüßt.

Es war der erste Auftritt des Machthabers seit dem 30. April, als Gaddafis jüngster Sohn Saif al-Arab und drei seiner Enkelkinder bei einem Luftangriff der NATO ums Lebens kamen. Mit dem Fernsehauftritt sollten offenbar Spekulationen um Gaddafis Gesundheitszustand zerstreut werden. Um die Aktualität der gesendeten Bilder zu beweisen, wurde die Kamera während des gefilmten Treffens demonstrativ auf einen Bildschirm mit dem Datum 11. Mai gerichtet.

NATO bombardiert wieder Gaddafi-Anwesen

Menschen laufen über eine Straße voller Trümmer. Im Hintergrund stehen zerstörte Häuser. (Foto: AP)

Rebellen in der umkämpften Stadt Misrata

Nur wenige Stunden nach der Ausstrahlung der Bilder hat die NATO am Donnerstag wieder eines von Gaddafis Anwesen und drei weitere Ziele in der Hauptstadt Tripolis bombardiert. Das libysche Staatsfernsehen meldete, dass die Botschaft Nordkoreas dabei schwer beschädigt worden sei. Die NATO erklärte, man bemühe sich zum Schutz der Zivilgesellschaft um äußerst präzise Angriffe. Die Berichte über Schäden am Gebäude der nordkoreanischen Vertretung könnten nicht verifiziert werden.

Kampfflugzeuge der NATO flogen seit Ende März nach Angaben des Militärbündnisses mehr als 2400 Luftangriffe auf Libyen. Durch die Angriffe konnten die Rebellen in den festgefahrenen Bodenkämpfen gegen die Truppen Gaddafis offenbar etwas Boden gewinnen: Sie meldeten am Mittwoch die strategisch wichtige Einnahme des Flughafens im umkämpften Misrata und am Donnerstag weitere Geländegewinne rund um die Stadt.

Regimegegner werden mutiger

Libyische Demonstration recken die Hände in die Luft und schwenken Fahnen.(Foto: Bernat Armangue/AP/dapd)

Wie hier in Bengasi wollen Regimegegner auch in Tripolis auf die Straße gehen

Der Übergangsrat der Milizen kündigte für Freitag Demonstrationen in Tripolis an. Augenzeugen berichteten, die Regimegegner würden in der Hauptstadt immer mutiger. Auf viele Gebäude sehe man Anti-Gaddafi-Graffiti. Außerdem seien Gerüchte über eine Spaltung der Armee im Umlauf. Soldaten der Mitiga-Brigade, die teils mit Gaddafi und teils mit den Rebellen sympathisieren, sollen angeblich aufeinander geschossen haben.

Unterdessen wächst die internationale Unterstützung für die Aufständischen: Am Freitag wird eine Delegation des Übergangsrates erstmals im Weißen Haus empfangen. Die EU und Deutschland wollen Verbindungsbüros in der Rebellen-Hochburg Bengasi eröffnen, und der britische Premierminister David Cameron lud den Chef des Übergangsrates, Abdel Dschalil, ein, eine Vertretung in London einzurichten. Die britische Regierung teilte außerdem mit, dass sie den Aufbau eines öffentlichen Radiosenders und die Ausrüstung der Rebellenpolizei mit Uniformen unterstützen wolle.

Autorin: Gönna Ketels (dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Sabine Faber

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