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Afrika

Gaddafi tritt "taktischen Rückzug" an

Nach der Eroberung seiner Residenz durch die Rebellen hat sich Muammar al Gaddafi in einer Radioansprache zu Wort gemeldet. Sein Rückzug sei ein taktisches Manöver gewesen, sagte er - und kündigte an, weiter zu kämpfen.

Rebellen stürmen Gaddafis Residenz in Tripolis (Foto: dapd)

Rebellen stürmen Gaddafis Residenz in Tripolis

Die Lage bleibt weiter unübersichtlich in der libyschen Hauptstadt Tripolis. Zwar haben die Rebellen sich gewissermaßen ins "Zentrum der Macht" vorgekämpft und die schwer bewaffnete Residenz Muammar al Gaddafis gestürmt. Doch der (Noch-)Machthaber gibt sich weiter kämpferisch.

Dichter Rauch über dem Gelände, auf dem sich die Residenz des Noch-Machthabers Gaddafi befand (Foto: dapd)

Dichter Rauch stand zeitweise über dem Gelände, auf dem sich die Residenz des Noch-Machthabers Gaddafi befand

Wo sich Muammar al Gaddafi aufhält, ist zwar weiter unklar. Allerdings scheint er durch die Angriffe der Rebellen zumindest nicht ernstlich verletzt oder gar getötet worden zu sein. Am frühen Mittwochmorgen (24.08.2011) meldete sich Gaddafi jedenfalls in einer Radioansprache zu Wort - und erklärte, sein Rückzug aus dem umkämpften Regierungskomplex Bab al-Asisija sei ein "taktisches Manöver" gewesen. Das Anwesen sei nach mehr als 60 NATO-Luftangriffen völlig zerstört, erklärte Gaddafi weiter - und kündigte an: Er werde weiterkämpfen, bis zum Sieg oder bis zu seinem Tod.

Gefechte dauern an

Zumindest in einem Punkt dürfte der Diktator recht haben: Seine Residenz in der libyschen Hauptstadt ist weitgehend zerstört. Nach erbitterten Kämpfen hatten die Aufständischen das Gelände gestürmt. Hunderte Kämpfer und Bewohner drangen auf das etwa sechs Quadratkilometer große Areal im Zentrum von Tripolis vor und feierten ihren Sieg über den Diktator.

Die Rolle der NATO bei der Erstürmung des Gebiets bleibt derweil unklar. Ein Eingreifen von Kampfjets zur Unterstützung der Aufständischen gebe es nicht, erklärte ein NATO-Sprecher. Dennoch sei das Militärbündnis weiterhin rund um die Uhr im Einsatz - um im Zweifel wieder zuschlagen zu können. Denn dass die NATO ihre Luftschläge nicht mit den Rebellen koordiniere, bedeute nicht, dass es keine Luftangriffe auf den Gaddafi-Stützpunkt gebe - so der Sprecher.

Die Kämpfe in Libyen gingen auch in der Nacht zum Mittwoch weiter. Während die Rebellen in Tripolis weiteren Boden gutmachten, gaben sich Gefolgsleute des Diktators ebenfalls weiter kämpferisch. So berichteten die Rebellen etwa, dass die von ihnen kontrollierte Küstenstadt Misrata von Gaddafi-treuen Einheiten mit Raketen beschossen worden sei. Ein Gaddafi-Sprecher drohte den Rebellen zudem mit einem lange andauernden Kampf. Der Bürgerkrieg werde noch Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern, sagte der Sprecher im Fernsehsender Al-Oruba. Und er kündigte an, Gaddafis Truppen würden Libyen notfalls "in einen Vulkan" verwandeln.

Aufruf zur Einheit

Der Chef der Übergangsregierung Mahmud Dschibril (Archivfoto: dapd)

Ruft zur Einheit auf: Mahmud Dschibril

Der Chef der libyschen Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, rief das Volk derweil zur Einheit auf. "Wir beginnen jetzt mit dem Aufbau eines neuen Libyens mit allen Libyern als Brüdern für eine geeinte, zivile und demokratische Nation", sagte Dschibril in der katarischen Hauptstadt Doha. Und: "Die Übergangszeit beginnt ab sofort!"

Bis das Land seine ersten Wahlen abhalte, sollten die Libyer sich "der Revolution würdig erweisen und ein neues Land aufbauen", so Dschibril weiter. Er ist der Chef des Exekutivkomitees des Nationalen Übergangsrates und damit die Nummer Zwei der Rebellen - hinter Übergangsrats-Chef Mustafa Abdel Dschalil.

Dschibril: Brauchen rasch 2,5 Milliarden Dollar

Bereits an diesem Mittwoch solle in Doha eine internationale Konferenz über humanitäre Nothilfe für die libysche Bevölkerung stattfinden, erklärte Dschibril weiter. Daran nähmen die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Türkei, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate teil. Ziel des Treffen sei es, "vor Ende des Ramadan 2,5 Milliarden Dollar für den Nationalen Übergangsrat zu sammeln, damit die Gehälter der Libyer gezahlt werden" könnten und um notleidenden Menschen zu helfen.

Die USA kündigten bereits an, sie wollten in den kommenden Tagen 1,5 Milliarden Dollar an eingefrorenen libyschen Geldern freigeben und den Rebellen zur Verfügung stellen.

Zahlreiche Tote und Verwundete bei Kämpfen um Tripolis

Bei den Kämpfen in der libyschen Hauptstadt wurden nach Angaben der Rebellen seit Sonntag mehr als 400 Menschen getötet und rund 2000 verletzt. Außerdem seien rund 600 Gaddafi-treue Soldaten gefangen genommen worden, erklärte der Chef des Übergangsrats, Mustafa Abdel Dschalil. Die Kämpfe sollten fortgeführt werden, bis auch Gaddafi selbst gefasst sei. "Ich hoffe, er wird lebend gefasst und vor Gericht gestellt, damit die Welt von seinen Verbrechen erfährt", bekräftigte der Rebellenchef.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Konfliktparteien in Libyen derweil erneut zur Versöhnung auf. Bei einem Telefonat mit Rebellenchef Dschalil habe Ban einen Versöhnungsprozess "unter Einschluss aller Parteien" angemahnt, erklärte ein UN-Sprecher. Dschalil habe ihm zugesichert, dass der Nationale Übergangsrat dies ernst nehmen werde.

Autor: Frank Wörner (dpa, rtr, afp)
Redaktion: Hans Ziegler

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